Kurz nur

25. April 2026

So schnell kann's gehen. Habe schon gefrühstückt, Praxis gemacht, einige Gespräche und jede Menge Gedanken gehabt. Zack! Schon ist man wieder in so vielen Filmen und Welten, und keines davon ist morgen oder schon in ein paar Sekunden noch im Kino oder auf dem Spielplan. Die meisten waren nicht mal bei ihrer Premiere wichtig. Die sind einfach aufgetaucht und haben behauptet, sie wurden für die Hauptrolle gecastet. Fortsetzung folgt … hoffentlich nicht.

 

 

JUST A QUICK NOTE

 

That’s how fast things can go. I’ve already had breakfast, done some practice, had a few conversations, and had a lot on my mind. Boom! And suddenly you’re back in so many movies and worlds, and none of them will be in theaters or on the schedule tomorrow—or even in a few seconds. Most of them weren’t even important at their premiere. They just showed up and claimed they’d been cast in the main role. To be continued… hopefully not.

Karfreiheit

3. April 2026

Heute ist mein freier Tag! Ich kann also tun und lassen, was ich will. Ich bin frei! Frei wovon und was ist denn eigentlich Freiheit? An meinem freien Tag habe ich Wellness- oder Gesundheitstermine und am Nachmittag sitze ich in meinem Lieblingscafé oder gehe mal in eine Ausstellung, wenn nicht gerade Ostern oder Weihnachten ist. Ansonsten ist das der Tag, an dem ich lese, schreibe oder zeichne. Meine Freiheit ist sozusagen geplant, partitioniert und portioniert in Teile, die den Titel „Gut für mich“ haben. Manchmal habe ich Stress damit, weil ich das Gefühl habe, dass ich das „Gut für mich“ nicht gut genug gestalte, also nicht gut genug bin im Gutsein. Ein vertrautes Muster, das sich nicht wirklich nach Freiheit anfühlt. Heißt das im Umkehrschluss, dass ich an den anderen Tagen der Woche, des Monats, meines Lebens nicht gut für mich sorge oder unfrei bin? Eine interessante Frage und Spur, die ich mal verfolgen werde. Aber nicht heute! Ich habe ja schließlich einen freien Tag.

 

FRREDOM ON A HOLIDAY

 

Today is my day off! So I can do whatever I want. I’m free! Free from what, and what exactly is freedom? On my day off, I have wellness or health appointments, and in the afternoon I sit in my favorite café or go to an exhibition—unless it’s Easter or Christmas. Otherwise, it’s the day I spend reading, writing, or drawing. My freedom is, so to speak, planned, partitioned, and portioned into segments labeled “Good for me.” Sometimes this stresses me out because I feel like I’m not doing a good enough job of making the “Good for me” part good enough—in other words, I’m not good enough at being good. A familiar pattern that doesn’t really feel like freedom. Does that mean, conversely, that on the other days of the week, of the month, of my life, I don’t take good care of myself or am unfree? An interesting question and a trail I’ll follow someday. But not today! After all, I have a day off.

Rock 'n Roll

22. März 26

Beim Lernen oder Studieren gibt es unterschiedliche Phasen. Im Buddhismus sprechen wir von den drei Weisheitswerkzeugen: Zuhören, Kontemplieren und Meditieren. Heute Morgen dachte ich, dass wir neben diesen eher introvertierten Ansätzen oft auch eine Papageienphase haben, in der wir erst mal nur nachplappern, um uns vertraut zu machen. Das kann ein Text oder Mantra sein, aber auch eine Gebrauchsanleitung, z.B. für eine Tütensuppe oder die Aufbauanleitung schwedischer Möbel. Wann wir nun in die Phase des Gebildetseins oder gar der Meisterschaft eintreten, die uns für die Übertragung des einst nachgeplapperten Wissens qualifiziert, ist sehr individuell. Oft scheint mir, dass wir uns beim Übergang vom Papagei zum Adler, der sich majestätisch erhebt und den panoramischen Blick hat, leicht überschätzen. Mit einigen Durchgängen von Hören, Nachplappern, Kontemplieren und Meditieren ist Verwirklichung noch nicht vollbracht. Und schon gar nicht in einer von Social Media dominierten Welt, in der es um die Macht der Algorithmen und nicht um das Erlangen von Allwissenheit geht. Sei’s drum: Einfach dranbleiben!

 

ROCK 'N ROLL

 

There are different phases to learning or studying. In Buddhism, we speak of the three tools of wisdom: listening, contemplation, and meditation. This morning I was thinking that, in addition to these more introverted approaches, we often go through a “parroting” phase where we simply repeat things out loud at first to familiarize ourselves with them. This could be a text or a mantra, but also an instruction manual—for example, for a packet of soup or the assembly instructions for Swedish furniture. When we enter the phase of being educated or even of mastery, which qualifies us to pass on the knowledge we once parroted, is highly individual. It often seems to me that we slightly overestimate ourselves in the transition from parrot to eagle, which lifts majestically and has a panoramic view. A few rounds of listening, parroting, contemplating, and meditating do not yet constitute realization. And certainly not in a world dominated by social media, where the focus is on the power of algorithms rather than the attainment of omniscience. Anyway, just keep at it!

Abgelenkt

5. März 26

Habe gerade etwas Zeit und keine große oder ernstzunehmende Aufgabe, die mich auf Trab hält. Das sind Momente, in denen ich mir auch mal subtilere Verhaltensweisen anschaue. Eine davon ist meine Ironie. In einer milden Dosierung ist es einfach ein Humor, mit dem ich Menschen und Situationen begegne. Viele, auch ich selbst, schätzen das an mir. Aber manchmal ist es auch ein Schutz, um mich nicht zu spüren und in einem „echten“ Kontakt zu sein. Ein Ablenkungsmanöver. Ich muss das nicht dauernd und jedem offenbaren, dazu braucht es ja auch eine Basis oder Vertrauen. Mir ist heute aber aufgefallen, dass ich das selten einem Menschen offen zeige, der das eigentlich wissen sollte. Nämlich mir selbst. Damit das passieren kann, müsste ich einen Moment innehalten, den Fluss der Ironie unterbrechen und … schweigen. Das ist eine simple Einladung zur Meditation und müsste für mich zu machen sein, wenn ich denn meine eigene Inszenierung durchschaue. 

 

DISTRACTED

 

I have some time on my hands right now and no major or serious tasks to keep me busy. These are moments when I take a look at some of my more subtle behaviors. One of them is my irony. In small doses, it's simply a sense of humor with which I approach people and situations. Many people, including myself, appreciate this about me. But sometimes it's also a protection, so that I don't have to feel and be in “real” contact. A diversionary tactic. I don't have to reveal this constantly and to everyone; it requires a basis of trust. But today I noticed that I rarely show this openly to the person who should actually know it. Namely, myself. For that to happen, I would have to pause for a moment, interrupt the flow of irony, and... remain silent. This is a simple invitation to meditation and should be possible for me if I see through my own staging.

Weinst du jetzt?

19. Februar 26

Wiederholungen gibt’s im Fernsehen und im Kino und sind zudem das Hauptmerkmal von Gewohnheiten. Wir wiederholen, meist ohne uns dessen bewusst zu sein. Eigentlich bin ich in ständiger und sich wiederholender Sorge, vor allem um mich. Dass ich nicht genügend praktiziere, mich ungesund ernähre, mich zu wenig bewege und deshalb alle möglichen Krankheiten bekommen und bald sterben werde. Die Statistik gibt mir recht. Krankheiten kommen und auch der Tod. Das zu nehmen braucht Humor, aber auch Disziplin und die Kraft, trotzdem das Leben zu gestalten und das Beste für mich, die anderen und das nächste Leben auf den Weg zu bringen. Dass ich immer mal wieder schlecht schlafe, Rückenschmerzen oder Durchfall habe, sollte ich nicht zu ernst nehmen und vielleicht öfters mal als Zeichen der Lebendigkeit nehmen. Und wenn ich das gerade nicht kann, könnte ich ja auch einfach mal eine Runde weinen. Über mein momentanes Elend und das der Welt. Im Kino kann ich gut und gerne weinen über die Traurigkeit, die gerade über die Leinwand zu mir kommt. Es tut gut, mal zu weinen. Ich glaube, wir tun das nicht, weil wir fürchten, die Kontrolle zu verlieren. Das fühlt sich vielleicht für den Moment so an, aber wir werden wieder auftauchen. Vielleicht sollten wir alle etwas mehr weinen und unsere Trauer spüren und begrüßen.

 

JUST CRY


Repetitions occur on television and in the cinema, and they are also the main feature of habits. We repeat things, mostly without being aware of it. Actually, I am in a constant and repetitive state of worry, especially about myself. That I don't exercise enough, eat unhealthily, don't get enough exercise and will therefore get all kinds of diseases and die soon. The statistics prove me right. Illnesses come, and so does death. Accepting this requires humor, but also discipline and the strength to shape my life nonetheless and do what is best for myself, others, and the next life. I should not take it too seriously when I occasionally sleep poorly, have back pain, or diarrhea, and perhaps view these things more often as signs of vitality. And if I am unable to do so at the moment, I could simply have a good cry. About my current misery and that of the world. At the movies, I can easily cry about the sadness that comes to me from the screen. It feels good to cry sometimes. I think we don't do it because we're afraid of losing control. It may feel that way for the moment, but we'll rise again. Maybe we should all cry a little more and feel and welcome our grief.

Heilige Scheiße

15. Februar 26

Gerade tauchen gruselige Details in der Enthüllung der Epstein-Files in meinem Social-Media-Kanal auf. Neben dem schon oft benannten Missbrauch von Kindern, gibt es wirklich verstörende Fotos und Videos, die so unglaublich pervers sind, dass mir wirklich schlecht geworden ist. Das und die Tatsache, dass bis dato noch keiner der Täter*innen zur Verantwortung gezogen wurde, machen mich wütend und sprachlos. Habe dann meine Post an der Rezeption abgeholt, um irgendetwas Vertrautes und Normales zu machen. Dort hatte ich eine kurze Begegnung mit Andreas, der plötzlich vor mir stand, mir kurz in die Augen schaute und dann unvermittelt "Danke, Holger!" sagte, meine Hand nahm und eine kurze Weile hielt. Ich war verdutzt und wusste nicht, wofür er sich bedankte, und habe ihn das dann gefragt. Ich kenne ihn schon einige Jahre. Er ist das, was ich einen Baum von einem Kerl nennen würde: bodenständig, herzensgut, aber eher rustikal als emotional in seiner Kommunikation. Er wollte sich einfach bedanken dafür, dass ich ihn immer wieder unterstützt habe bei der Teilnahme an Events und Retreats. Das fand ich kein großes Ding, weil das ein Teil meines Jobs ist. Für ihn war das aber mehr und er war den Tränen nahe, als er meine Hand nahm. Da habe ich verstanden, dass wir uns nicht abstumpfen lassen dürfen, auch wenn es ungerecht und skandalös zugeht in dieser Welt. Wir haben jeden Moment die Möglichkeit, einander zu helfen und zuzuhören. Als ich dann in mein Lieblingscafé gegangen bin, war der Schock und der Ärger nicht eliminiert, aber meine Augen und mein Herz waren offen und ich habe viel Schönheit und Wärme in den Augen der Menschen gesehen, denen ich auf dem Weg dorthin begegnet bin. Es ist nicht alles gut in dieser Welt, aber wir haben meistens die Wahl, ob wir uns lähmen lassen oder lebendig bleiben in unseren Begegnungen.

 

HOLY SHIT

 

Creepy details are currently emerging in the Epstein Files revelations on my social media channel. In addition to the often-mentioned child abuse, there are truly disturbing photos and videos that are so incredibly perverse that they made me feel sick. That, and the fact that none of the perpetrators have been held accountable to date, make me angry and speechless. I then picked up my mail at the reception desk to do something familiar and normal. There I had a brief encounter with Andreas, who suddenly stood in front of me, looked me briefly in the eyes, and then abruptly said, “Thank you, Holger!” He took my hand and held it for a moment. I was puzzled and didn't know what he was thanking me for, so I asked him. I've known him for several years. He's what I would call a rock of a man: down-to-earth, kind-hearted, but more straightforward than emotional in his communication. He simply wanted to thank me for always supporting him in participating in events and retreats. I didn't think it was a big deal because it's part of my job. But for him, it was more than that, and he was close to tears when he took my hand. That's when I realized that we mustn't let ourselves become numb, even when the world is unfair and scandalous. We have the opportunity to help and listen to each other every moment. When I went to my favorite café, the shock and anger hadn't gone away, but my eyes and heart were open, and I saw a lot of beauty and warmth in the eyes of the people I met on the way there. Not everything is good in this world, but we usually have the choice of whether to let ourselves be paralyzed or to remain alive in our encounters.

Jedes Wort hat einen Körper

9. Februar 26

Ein kleines soziales Experiment: Was passiert, wenn ich das Wort „Freude“ auf ein Blatt Papier schreibe, ohne im Moment voller Freude zu sein? Ist es ausgesprochen, nimmt es eine Form an und es manifestiert sich das, was es gerade auslöst: Sehnsucht, Widerstand oder auch Trauer darüber, dass ich es gerade nicht fühlen kann. Je mehr Erwartungen oder Interpretationen ich wegschäle und den Kern des Wortes durchscheinen lasse, desto mehr verschwindet die Manipulation und wir werden vielleicht zu einem Kind, das sich grundlos freut und einfach nur in der puren Präsenz des gegenwärtigen Moments ist. Oder wir sind wie der alte Mann auf einer Parkbank, der beobachtet, und je mehr er beobachtet, desto mehr verschwinden die Grenzen zwischen dem "Ich"und dem Objekt der Beobachtung, und wir werden mindestens für einen Wimpernschlag die Freude.

 

 

EVERY WORD HAS A BODY

 

A little social experiment: What happens when I write the word “joy” on a piece of paper without feeling joyful at that moment? Once spoken, it takes shape and manifests what it triggers: longing, resistance, or even sadness that I cannot feel it right now. The more expectations or interpretations I peel away and let the core of the word shine through, the more the manipulation disappears and we perhaps become like a child who is joyful for no reason and is simply in the pure presence of the present moment. Or we are like the old man on a park bench who observes, and the more he observes, the more the boundaries between the “I” and the object of observation disappear, and we become joy, at least for a blink of an eye.

My way?

26. Januar 26

Ich war gestern zum Essen eingeladen von einer befreundeten Malerin und wir hatten zu leckeren persischen Gerichten das Thema Authentizität auf unserem Teller. Was macht die Sujets, die wir illustrieren oder, in meinem Fall, beschreiben, originär und „echt“? Ein spannender Dialog über Motivation, Monetisieren und Magie  entfaltete sich bei Duftreis und frischen Kräutern. Wir waren uns einig, dass man vieles verfeinern und subtiler machen kann, aber letztlich braucht es Mut zum Risiko und die Angst vorm Scheitern oder Fehlern wird schnell zum Hindernis. Das Gefäß, in dem wir unser Erbe der Nachwelt übergeben möchten, wird vielleicht nie gefüllt werden, und außerdem könnten wir schon morgen unerwartet tot sein. Vernunft und Kreativität sind keine günstige Paarung, und ob mein Name und meine Kunst irgendwann in einer Aufzählung wichtiger Persönlichkeiten zu finden sind, sollte mir scheißegal sein. Spätestens beim Kaffee hatte ich das Gefühl, mit einer Rebellin am Tisch zu sitzen, und dass wir einen anarchistischen Plan auf unsere Servietten gekritzelt haben, der wegweisend sein könnte. (Bild: Dorothea Breick, Cham Cham 2015)

 

MY WAY?

 

Yesterday, I was invited to dinner by a painter friend of mine, and over delicious Persian dishes, we discussed the topic of authenticity on our plates. What makes the subjects we illustrate or, in my case, describe, original and “real”? An exciting dialogue about motivation, monetization, and magic unfolded over fragrant rice and fresh herbs. We agreed that many things can be refined and made more subtle, but ultimately it takes courage to take risks, and the fear of failure or mistakes quickly becomes an obstacle. The vessel in which we want to pass on our legacy to posterity may never be filled, and besides, we could die unexpectedly tomorrow. Reason and creativity are not a good match, and whether my name and my art will one day be found in some list of important personalities should be of no bloody concern to me. By the time we had coffee, I had the feeling that I was sitting at a table with a rebel and that we had scribbled an anarchistic plan on our napkins that could be groundbreaking. (Image: Dorothea Breick, Cham Cham 2015)

Daneben!

18. Januar 26

Gestern hatte ich kein gutes Händchen in einer Begegnung mit einer Mitbewohnerin.

Es war nur ein kurzer Moment und ich habe, weil mir nichts Besseres einfiel, um in Kontakt mit ihr zu sein etwas Unnötiges und Verletzendes gesagt. Das war sofort spürbar und ich konnte in ihrem Gesicht sehen, wie sie sich regelrecht zusammenzog. Ich habe mich später bei ihr entschuldigt und ich hoffe und glaube eigentlich auch, unsere Freundschaft wird das überstehen. Trotzdem beschäftigt es mich noch und ich schäme mich. Was war eigentlich passiert? Als wir uns kurz getroffen haben, war ich gar nicht in der Stimmung, viel mit ihr oder überhaupt mit jemandem zu sprechen. Es war eher ein nachdenklicher und introvertierter Moment. Ein kurzes Hallo von mir hätte gereicht, um bei mir zu bleiben und gleichzeitig sie wahrzunehmen. Stattdessen habe ich einen kritischen Kommentar gemacht über ihre Beziehung zu einer gemeinsamen Freundin. Das habe ich einfach so „rausgehauen“, weil ich mein eigenes nachdenkliches und gerade nicht offenes Gemüt nicht ausgehalten habe und das überspielen wollte. Ich habe sozusagen Begegnungsbereitschaft gefaked und das ging dann nach hinten los. Ich hoffe, ich lerne was daraus.

 

OFF TOPIC!

Yesterday, I didn't handle an encounter with a roommate very well. It was just a brief moment, and because I couldn't think of anything better to say to connect with her, I said something unnecessary and hurtful. It was immediately noticeable, and I could see in her face how she literally cringed. I apologized to her later, and I hope and believe that our friendship will survive this. Nevertheless, it still bothers me and I feel ashamed. What actually happened? When we met briefly, I wasn't in the mood to talk much to her or anyone else for that matter. It was more of a thoughtful and introverted moment. A quick hello from me would have been enough to stay with myself and at the same time acknowledge her. Instead, I made a critical comment about her relationship with a mutual friend. I just blurted it out because I couldn't stand my own thoughtful and currently closed mind and wanted to cover it up. I faked a willingness to engage, so to speak, and it backfired. I hope I learn from this.

 

Was für ein Tag

11. Januar 26

Manchmal bin ich etwas leer. Das fühlt sich angenehm und gleichzeitig beunruhigend an. Leer von Routinen und Mechanismen, die ich mir angewöhnt habe, um einen sicheren Boden zu haben, den ich nach dem morgendlichen Aufstehen betreten und auf dem ich dann irgendwann auch tanzen kann. Routinen bedeuten Identität, ein

Wissen darum, wer da gleich seinen Tag anfängt. No risk, no fun. Ich stehe selten enthusiastisch auf und signalisiere auch nicht, mit wem es die Welt hier und heute zu

tun bekommt. Bin eher zurückhaltend und lasse es langsam angehen. Oft mache ich

mir selbst Mut und beglückwünsche mich dann für meine Entscheidung, das Bett zu verlassen und ins Leben und meinen Alltag zu gehen. Meist bereue ich am Ende des Tages auch nicht, dabei gewesen zu sein. Nicht immer, aber immer öfter bin ich auch dankbar, am Leben zu sein und einen Beitrag leisten zu können im Zirkus Menschsein. 

 

WHAT A DAY

 

Sometimes I am somewhat empty. It feels pleasant and unsettling at the same time. Empty of routines and mechanisms that I have become accustomed to in order to have solid ground to stand on after getting up in the morning, ground on which I can eventually dance. Routines represent identity, a knowledge of who is about to start their day. No risk, no fun. I rarely get up enthusiastically, nor do I signal who the world is dealing with today. I tend to be a bit reserved and take it slow. I often encourage myself and then congratulate myself on my decision to climb out of bed and face life and my daily schedule. At the end of the day, I usually don't regret having been a part of it. Not always, but more and more often, I am also grateful to be alive and to be able to contribute to the circus of being human. 

Himmel und Hölle

6. Januar 26

Da sitzt er wieder am Schreibtisch vor dem Computer, dieser Körper. Mit dem Hintern auf dem Stuhl, der Rücken mehr oder weniger aufrecht. Ganz oben der Kopf und die Verlängerungen wie Arme, Beine, Finger hängen einfach nur ab oder herum und machen die ihnen zugedachte Aufgabe: beweglich sein. Hier und da kribbelt es in den Gliedmaßen, und wenn ich durchscanne und checke, was da gerade wach oder schläfrig ist in meinem Körper, bin ich mir vertraut und fremd zugleich. Die meisten Funktionen sind auf Autopilot, es gibt also nicht wirklich viel zu tun. Und da kommt die Kommandozentrale ins Spiel: Sie stellt Fragen nach dem Fokus für den kommenden Tag, macht Pläne, checkt Risiken und Ängste. Entwickelt Perspektiven, eruiert Potenzial und versucht zu motivieren für das, was kommen soll – jetzt gleich, heute oder in naher Zukunft. Wir müssen beschäftigt werden mit Fragen nach Sinn und Effizienz. Alles soll seinen Platz haben, aber wir haben immer wieder neue Fragen. Himmel und Hölle.

 

HEAVEN AND HELL

 

There he is again, sitting at his desk in front of the computer, this body. His ass on the chair, his back more or less upright. His head at the top and the extensions like arms, legs, fingers just dangle or hang around and do what they are supposed to do: be flexible. Here and there, my limbs tingle, and when I scan and check what is awake or sleepy in my body, I feel familiar and strange at the same time. Most functions are on autopilot, so there isn't really much to do. And that's where the command headquarters comes in: it asks questions about the focus for the coming day, makes plans, checks risks and fears. It develops perspectives, explores potential, and tries to motivate us for what is to come—right now, today, or in the near future. We have to be preoccupied with questions of meaning and efficiency. Everything should have its place, but we always have new questions. Heaven and hell. 

Rätselhaft

26. Dezember 25

Meine Mitmenschen sind mir oft ein Rätsel. Was sagen sie mir da gerade? Was sind ihre Gründe und ihr Antrieb und was davon ist meine eigene Fantasie oder Projektion? Das gilt aber auch für mich selbst und meine Gedanken und Handlungen. Sie sind oft nicht logisch oder nachvollziehbar. Manchmal verzweifle ich daran und manchmal macht es mir auch Spaß, dass wir unberechenbar sind. Eigentlich ist es auch ziemlich langweilig, genau das zu tun oder zu bekommen, was wir erwarten. Wenn ich auf mein Leben schaue, gibt es letztlich mehr Routinen und Sicherheit als Überraschungen. Und eigentlich brauche ich beides: Gewohnheiten und Störungen eben dieser Gewohnheiten, um mich weiterzuentwickeln als Mensch und spirituelles Wesen. Darin liegt Freiheit, aber zu viel Grübeln macht uns zu Gefangenen der Rätselhaft.

CAUGHT IN THE ENIGMA

 

My fellow human beings are often a mystery to me. What are they trying to tell me? What are their reasons and motivations, and how much of it is my own imagination or projection? But this also applies to myself and my thoughts and actions. They are often illogical or incomprehensible. Sometimes I despair of it, and sometimes I enjoy the fact that we are unpredictable. Actually, it's pretty boring to do or get exactly what we expect. When I look at my life, there are ultimately more routines and security than surprises. And actually, I need both: habits and disruptions to those habits in order to develop further as a human being and spiritual being. Therein lies freedom, but too much brooding makes us prisoners of the enigma.

Ein guter Platz

22. Dezember 25

Eine*n Partner*in zu haben, Kinder, ein Haus, ein Auto und noch ein paar Goodys ist unser gängiges Konzept für ein glückliches und sinnvolles Leben. Letztens habe ich dazu einen interessanten Beitrag gelesen, in welchem beschrieben wurde, dass es diesen Lebensentwurf erst seit 5000 Jahren gibt und der Rückzug auf diese kleine Einheit von Familie evolutionsgeschichtlich noch so jung ist, dass er unsere tiefer sitzenden Wünsche und Bedürfnisse noch lange nicht abgelöst hat. Eigentlich brauchen wir den Austausch und die Lebendigkeit eines Stammes oder einer Community, um „glücklich“ zu sein. Die Kleinfamilie ist ein präkapitalistisches Modell, das uns zu guten Konsumenten macht, die ihrem Job nachgehen, das Eigenheim immer wieder trendy und schön einrichten und vor der Tür steht das neueste Modell eines unserem Status entsprechenden Automobils. Alles hat seinen festen Platz in der kleinen Familienzelle, und wer damit unglücklich oder depressiv wird, ist auch gut versorgt in einem Gesundheitssystem mit vielen Behandlungs- und Wiedereingliederungsmöglichkeiten – von leicht dosierten Medikamenten bis zum Einzelzimmer in der Psychiatrie. Familie ist gut, aber wir brauchen mehr als diesen eng abgesteckten Raum. Uns möglichst wenig zu bewegen, ist seit Corona eine Gewohnheit geworden. Alles wird nach Hause geschickt und Futter gibt’s auch rund um die Uhr an den heimischen Tisch. Was wirklich noch blüht, sind die Hämorrhoiden, auf denen wir herumsitzen.

 

A GOOD PLACE

Having a partner, children, a house, a car, and a few other goodies is our common concept of a happy and meaningful life. I recently read an interesting article on this topic, which described how this way of life has only existed for 5,000 years and that the retreat to this small family unit is still so young in evolutionary terms that it has not yet replaced our deeper desires and needs. In fact, we need the interaction and vitality of a tribe or community to be “happy.” The smaller family is a pre-capitalist model that turns us into good consumers who go to work, keep their homes trendy and beautiful, and drive the latest model of a car that matches their status. Everything has its place in the tiny family unit, and anyone who becomes unhappy or depressed as a result is well cared for in a healthcare system offering a wide range of treatment and rehabilitation options – from low-dose medication to a private room in a psychiatric ward. Family is good, but we need more than this narrowly defined space. Since Corona, moving as little as possible has become a habit. Everything is sent home, and food is available around the clock at the dinner table. The only thing that really still flourishes are the hemorrhoids we sit on.

Same Old Story

10. Dezember 25

Warum geht es uns immer noch vor allem um Dominanz, ums Gewinnen und, die kleine Schwester davon, recht zu haben? Das sind in erster Linie Garantien für Abspaltung, Getrenntsein und damit Alleinsein und Einsamkeit. Gestern sah ich einen Post von einem französischen 5 Sterne-Koch, der vom Ursprung der Haute Cuisine erzählte, die auf Ludwig XVI. zurückgeht und die besessen war von der Herrschaft des Menschen über alle anderen Wesen. Das sollte sich auch auf den Tellern und Silbertabletts der höfischen Küche manifestieren. Fleisch wurde in Unmengen und den perversesten Varianten zubereitet. Eine Art kulinarischer Dauererektion der herrschenden Klasse. Auch interessant fand ich ein Monopoli-Experiment. Es wurden zwei Klassen von Spieler*innen ans Brett gesetzt und ins Rennen geschickt. Gruppe 1 war die der schon Reichen mit einem satten Startkapital (in Form von Geld, Straßen und Immobilien). Gruppe 2 war völlig mittellos. Relativ schnell zeigte sich im Spielverlauf, dass die reichen Spieler*innen anfingen, ihren privilegierten Startstatus als ihnen angemessen und verdient zu erleben und sich auch so zu gebärden. Gleichzeitig wurden die weniger begünstigten Mitspieler*innen als Loser wahrgenommen, die selbst schuld sind, dass sie es zu nichts gebracht haben. Höchste Zeit, die Regeln zu ändern in unserer Gesellschaft, damit wirklich alle mitspielen können.

 

SAME OLD STORY

Why are we still primarily concerned with dominance, winning, and, its little sister, being right? These are at least guarantees of separation, isolation, and, above all, loneliness. Yesterday, I saw a post by a French 5-star chef who talked about the origins of haute cuisine, which dates back to Louis XVI and was obsessed with the domination of humans over all other beings. This was also to be manifested on the plates and silver trays of court cuisine. Meat was prepared in vast quantities and in the most perverse variations. A kind of culinary permanent erection of the ruling class. I also found a Monopoly experiment interesting. Two classes of players were placed on the board and sent into the race. Group 1 was the already rich with a hefty starting capital (in the form of money, streets, and real estate). Group 2 was completely destitute. Relatively quickly, it became apparent in the course of the game that the rich players began to experience their privileged starting status as appropriate and deserved, and to behave accordingly. At the same time, the less fortunate players were perceived as losers who had only themselves to blame for not having achieved anything. It is really time to change the rules in our society so that everyone can truly participate.

Noch so ein F-Wort

24. November 25

Habe gerade ein Wort kreiert, das mir eine gute Beschreibung unseres Zeitgeistes zu sein scheint: Faszinismus. Es ist die Sucht nach oberflächlicher Begeisterung ohne wirkliche Bindung oder weiterer Reflexion. Sei es in Fragen der Politik, Kultur, Religion, Mode, Ernährung; im Prinzip alles und nichts. Ich kam darauf, als ich mich selbst gefragt habe, welchen Weg und mit wem ich diesen auch in schwierigen Zeiten gehen möchte. Für mich ist es mein spiritueller Pfad und damit verbunden ist dann auch die Sicht und Ethik für alle gesellschaftlichen Fragen und Entscheidungen. Doch wir lieben Trends und deren Unverbindlichkeit und Bequemlichkeit. Einen Weg bis zum Ende zu gehen, bedeutet nicht stur oder radikal zu sein. Klar, das kann passieren und ist auch oft politisch der Fall im extrem rechten oder linken Spektrum. Es ist die Bereitschaft, immer wieder zu prüfen, ob ich süchtig nach Faszination bin oder den Mut habe, an mir und meinen Gewohnheiten und Tendenzen zu arbeiten. Das kann eine Quelle der Offenheit und Authentizität sein, aber manchmal auch der Einsamkeit und Frustration.

 

ANOTHER F-WORD

 

I just coined a word that seems to me to be a good description of our present spirit: fascinationism. It is the addiction to superficial enthusiasm without any real commitment or further reflection. Be it in matters of politics, culture, religion, fashion, nutrition; basically everything and nothing. I came up with it when I asked myself which path I wanted to take, even in difficult times, and with whom. For me, it is my spiritual path, and associated with that is my view and ethics on all social issues and decisions. But we love trends and their non-committal nature and convenience. Following a path to the end does not mean being stubborn or radical. Sure, that can happen and is often the case politically on the extreme right or left spectrum. It is the willingness to constantly check whether I am addicted to fascination or have the courage to work on myself and my habits and tendencies. This can be a source of openness and authenticity, but sometimes also of loneliness and frustration.

 

 

Déjà-vu?

11. Oktober 25

Wie steht es eigentlich um die Menschenrechte in China? Es gab mal einen westlichen Konsens, dass wir die Chinesen fürchten müssen, die mit Billigprodukten unsere Märkte überschwemmen und politisch als auch gesellschaftlich für ein autoritäres System stehen. In dieser Zeit hat man mehr gehört und gelesen über Umerziehungslager und Organhandel mit den unfreiwillig gespendeten Organen von Häftlingen. Jetzt wissen wir, dass auch Luxusmarken wie Fendi heimlich in China produzieren ließen. Mit Trump ist Amerika und seine faschistische Agenda 2025 das Enfant Terrible auf der weltpolitischen Bühne. Zu Recht und, dass es auch in der westlichen Zivilisation hauptsächlich und rücksichtslos um Profit geht, ist nicht neu. Erschreckend zu sehen, wie Demokratie per Dekret ausgehebelt werden kann. Täglich gibt es neue Sensationsmeldungen, wie weit KI schon entwickelt ist, um uns Menschen in der Arbeitswelt abzuschaffen. Verkauft wird das als eine traumhafte Aussicht auf mehr Urlaub und Freizeit. Wie gehen wir damit um, wenn es so weit ist? Einfach noch mehr fressen und konsumieren haben wir zwar gelernt, aber das ist ja keine neue Freiheit. Es ist das vertraute Hamsterrad mit dem Lebensmittel- und Pharmaindustrie viel Geld machen. So gesehen bliebe alles beim Alten, aber wenn wir unseren Planeten irgendwann einfach aufgefressen haben, gibt es auch keine Spielplätze wie Börsen und Märkte mehr. Und dann heißt es: TILT! Game over!

 

SOUNDS FAMILIAR?

 

What is the actual situation regarding human rights in China? There used to be a consensus in the West that we should fear the Chinese, who flood our markets with cheap products and politically and socially represent an authoritarian system. During this period, we heard and read more about re-education camps and organ trafficking involving organs involuntarily donated by prisoners. Now we know that even luxury brands like Fendi secretly had their products manufactured in China. With Trump, America and its fascist Agenda 2025 are the bad guys on the world political stage. Rightly so, and the fact that Western civilization is also primarily and ruthlessly focused on profit is nothing new. It is frightening to see how democracy can be undermined by decree. Every day there are new sensational reports about how far AI has already developed to replace us humans in the world of work. This is sold as a dreamlike prospect of more vacation and leisure time. How will we deal with it when the time comes? We have learned to simply overeat and consume more, but that is not true liberty. It's the familiar hamster wheel that the food and pharmaceutical industries use to make a lot of money. Seen in this light, everything would remain the same, but once we have simply chewed up our planet, there will be no more playgrounds like stock exchanges and markets. And then it will be: TILT! Game over!

La mère

7. Oktober 25

Es gibt nichts, was ich mir sehnlicher wünsche und mehr fürchte, als

über das Gewöhnliche hinauszugehen. Tiefer zu schauen und zu verstehen. Meine Gewohnheiten und die Angst vor vermeintlich unbekannten Gefilden lassen mich zögern und weiter vom offenen Meer träumen und doch lieber weiter im Kinderbecken planschen. Bin mal wieder in einer Trotzphase und unzufrieden mit dem, was ist und was nicht ist. Finde es gerade schwer anzuerkennen, dass ich stagniere und weigere mich, das auszuhalten und darauf zu vertrauen, dass auch das vorbeigehen wird. Einen Spiegel oder eine Karikatur dieser Haltung sehe ich gerade im weltpolitischen Geschehen, und gerade besonders in der Handelskrise, an der Börse und in der Angst der Reichen um den Inhalt ihrer Börsen. Wenn der einzige Wert, den wir uns und Dingen geben, in Dollar oder Euro gemessen wird, sind wir langfristig arm dran. Ich hoffe, wir entwickeln uns als Gesellschaft etwas weiter. Wir haben es ja schon einmal aus dem Wasser ans Land geschafft und Laufen gelernt. Jetzt ist es vielleicht an der Zeit, ins Meer zurückzugehen und wieder im Fluss zu sein mit uns und der Welt.

 

La mère

 

There is nothing I desire more and fear more than going beyond the ordinary. Looking deeper and understanding more. My habits and fear of supposedly unknown territory make me hesitate and continue to dream of the open sea, yet prefer to continue splashing around in the kiddie pool. I am once again in a phase of defiance and dissatisfaction with what is and what is not. I find it difficult to acknowledge that I am stagnating and refuse to accept it and trust that it will pass. I see a mirror or caricature of this attitude in world politics, and especially in the trade crisis, the stock market, and the fear of the rich about the contents of their portfolios. If the only value we give ourselves and things is measured in dollars or euros, we will be poor in the long run. I hope we develop a little further as a society. We have already made it from the water to land and learned to walk. Now it may be time to go back into the sea and be at flow with ourselves and the world again.

Wir könnten auch anders

23. September 25

Hatte heute zwei Erlebnisse, die mich echt nachdenklich gemacht haben.1. Auf dem Weg in meine Mittagspause mit dem Fahrrad sah ich auf der gut frequentierten Königin-Elisabeth-Straße einen orangen BSR-Mülleimer kräftig qualmen. Wahrscheinlich hatte jemand seine noch brennende Kippe direkt in den Eimer geworfen. Die Rauchentwicklung war so heftig, dass irgendwann ein Schwelbrand entstanden wäre und den Plastikeimer zum „Schmelzen“ gebracht hätte. Mindestens zehn Leute haben das auch wahrgenommen, doch keiner fand das wohl interessant genug, um zu reagieren. Ich hatte es auch eilig, bin aber in einen der Läden gegangen, habe nach einem Eimer Wasser gefragt und damit das potenzielle Feuer gelöscht. 2. Ein ziemlich genervter Kassierer an der Supermarktkasse in Wilmersdorf hat direkt vor mir eine junge Frau als Kundin und spricht in sein Headset zu seinen Kollegen, laut und für jeden hörbar: „Warum hab‘ ich eigentlich heute das ganze Zigeunerpack an meiner Kasse?“ Ich sage ihm, was auch immer er für Erfahrungen und Meinungen hat, es absolut unangemessen ist, zahlende Kunden anzupöbeln. Außer mir hat sich keiner involviert, aber es hat auch keiner das Handy gezückt, um das dann im World Wide Web zu posten. War wohl nicht spektakulär genug. Ich wünsche mir sehnlich, dass wir uns wieder lokal kümmern, uns verhalten und miteinander reden, auch streiten, wenn nötig. Und kreative Varianten finden zwischen „Ist mir scheißegal!“ und „Ich habe recht und die anderen sind die Doofen!“.

 

WE COULD ALSO BE DIFFERENT

 

I had two experiences today that really got me thinking. 1. On my way to lunch on my bike, I saw an orange BSR trash can smoking heavily on the busy Königin-Elisabeth-Straße. Someone had probably thrown their still-burning cigarette butt directly into the trash can. The smoke was so intense that it would have eventually caused a smoldering fire and melted the plastic bin. At least ten people noticed it, but no one thought it was interesting enough to react. I was in a hurry too, but I went into one of the stores, asked for a bucket of water, and extinguished the potential fire. 2. A rather annoyed cashier at the supermarket checkout in Wilmersdorf has a young woman as a customer right in front of me and speaks into his headset to his colleagues, loudly and audible to everyone: “Why do I have all these gypsies at my checkout today?” I tell him that whatever his experiences and opinions may be, it is absolutely inappropriate to harass paying customers. No one else got involved except me, but no one took out their cell phone to post it on the World Wide Web either. It probably wasn't spectacular enough. I sincerely hope that we will once again take care of things locally, behave ourselves, and talk to each other, even argue if necessary. And find creative alternatives between “I don't give a damn!” and “I'm right and the others are idiots!” .

Wirklich?

7. Juni 25

Erstaunlich, wie viel wir denken und im Kopf sind. Vor allem, wenn wir uns erinnern, dass wir optisch und energetisch Körper sind und dieser zu 60 % aus  Wasser besteht. Nicht nur wir Menschen, sondern uns verwandte Spezies haben weitgehend identische Gene. Umso erstaunlicher, wie wir es in großen Teilen der „zivilisierten“ Welt geschafft haben, andere abzuspalten als nicht gleich- oder minderwertig und als Feinde zu deklarieren. Wir haben ein System der Ausbeutung entwickelt, in der ein sehr kleiner, aber nicht unbedingt intelligenter oder emotional reifer Kreis von Menschen über den größten Teil von Ressourcen bestimmt und unvorstellbar große Vermögen anhäuft. Viele Kulturen sind am Ende ihrer Hochzeit durch Phasen der Dekadenz gegangen und dann gänzlich verschwunden. Wir wären also nicht die Ersten. Wie Einstein schon sagte: "Zwei Dinge sind unendlich: das Universum und die menschliche Dummheit; aber beim Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher."

 

REALLY?

 

It‘s amazing how much we think and are in our heads. Especially when we remember that we are visually and energetically bodies and that they consist of 60 % water. Not only we humans, but species related to us have largely identical genes. This makes it all the more astonishing how we have managed in large parts of the “civilized” world to split off others as not equal or inferior and declare them enemies. We have developed a system of exploitation in which a very small, but not necessarily intelligent or emotionally mature group of people control the majority of resources and amass unimaginably large wealth. Many cultures have gone through phases of decadence at the end of their peaks and then disappeared altogether. So we would not be the first. As Einstein said: “Two things are infinite: the universe and human stupidity; but I‘m not quite sure about the universe yet.”

Fever!

8. April 25

Habe lange geschlafen und damit meine gestern diagnostizierte Lungenentzündung vielleicht schon etwas auskuriert. Am Donnerstag war es noch eine Bronchitis und meinem Wunsch, erst mal ohne Antibiotika zu behandeln, wurde entsprochen. Es ist aber eher schlimmer geworden und jetzt nehme ich die ungeliebten Medikamente doch (auch weil mir in Aussicht gestellt wurde, dass ich ins Krankenhaus müsste, wenn das die nächsten 3 Tage nicht deutlich besser wird). Morgen habe ich noch mal einen Termin bei der Ärztin. Ansonsten habe ich die ganze Woche viel Zeit für Ausruhen, Spaziergänge, Schreiben und auch ein wenig Zeichnen. Hatte vorhin einen melodramatischen Tagtraum, wie aus einem Arztroman: Ich liege im Fieberwahn auf dem Krankenbett, umgeben von besorgten Menschen, von denen einer oder mehrere sich weinend dafür entschuldigen, dass sie mich schlecht behandelt oder verkannt haben. Die, bei denen ich mich noch entschuldigen möchte, waren wohl irgendwo ganz hinten im Zimmer oder gar nicht da. Ganz schön kitschig und das war mir fast peinlich, aber ich musste auch lachen. Da scheint wohl noch das eine oder andere offen zu sein. Ich hoffe, dass ich noch lange genug lebe für alles, was noch gut abgeschlossen werden möchte.

 

FEVER!

 

I slept for a long time and have perhaps already cured the pneumonia I was diagnosed with yesterday. On Thursday it was still bronchitis and my wish to be treated without antibiotics for the time being was granted. However, it got worse and now I am taking the unloved medication after all (also because I was told that I would have to go to hospital if it didn't get much better in the next 3 days). I have another appointment with the doctor tomorrow. Apart from that, I have a lot of time all week to rest, go for walks, write and also do a bit of drawing. Had a melodramatic daydream earlier, like something out of a doctor's novel: I'm lying on a hospital bed in a feverish delirium, surrounded by worried people, one or more of whom are crying and apologizing for having treated me badly or misjudged me. The ones I wanted to apologize to were probably somewhere at the back of the room or not there at all. It was pretty cheesy and I was almost embarrassed, but I also had to laugh. There seems to be one or two things still unresolved. I hope I live long enough for everything that still needs to be completed.

Trotzdem!

5. April 25

Bin wieder grumpy und ungnädig mit mir und der Welt. Das ist schon mein Eintrag für heute. Fertig! Gefrühstückt habe ich noch nicht und auch keine Morgenmeditation gemacht, um meine schlechte Laune richtig auszukosten. Aus Trotz. Einfach, weil ich es kann. Wie alt ich mich gerade fühle? Vielleicht … Vier. Habe mal nachgeschlagen, was es eigentlich mit Mikroplasmen auf sich hat. Das sind kleine Bakterien und, in meinem Fall, die Verursacher meiner Bronchitis. Übertragen wird sie über Husten und, welches Wort mich besonders fasziniert hat, „Schmierinfektion“. Bin gerade Vier, da hat man Spaß an solchen Worten. Google hat mir das verraten. Google ist meine Kindergärtnerin und Lehrerin. Gestern habe ich einen englischen Stand Up Comedian gesehen, der davon erzählte, dass er sich nachts vor dem Einschlafen gefragt hat, wo Tom Petty wohl herkommt. Die Antwort hat er sich schnell über Google auf seinem Handy geholt und dann wusste er es. Er fand das aber gleichzeitig kein wirklich nützliches Wissen, das er dann mit in den Schlaf genommen hat. So machen wir das dauernd. Wir googeln irgendwas und dann wissen wir es halt. Nützlich wäre es, wenn bei einem Date diese Frage auftaucht und wir dann Eindruck machen mit der Antwort: „Florida. Tom Petty kommt aus Gainesville. In Florida.“ Ich komme übrigens aus Frankfurt. Am Main.

 

NEVERTHELESS!

 

I slept for a long time and have perhaps already cured the pneumonia I was diagnosed with yesterday. Am grumpy and ungracious with myself and the world again. That's my post for today. Finished! I haven't had breakfast yet and I haven't done any morning meditation to really savor my bad mood. Out of spite. Simply because I can. How old do I feel right now? Maybe ... four. I looked up what microplasmas are actually all about. They are tiny bacteria and, in my case, the cause of my bronchitis. It is transmitted via coughing and, what word particularly fascinated me, “smear infection”. I'm four at the moment, so you have fun with words like that. Google told me that. Google is my kindergarten teacher and coach. Yesterday I saw an English stand-up comedian talking about how he used to wonder where Tom Petty came from before going to sleep at night. He quickly got the answer via Google on his cell phone and then he knew. At the same time, he didn't find it really useful knowledge, which he then took with him to sleep. We do it like that all the time. We google something and then we just know it. It would be useful if this question came up on a date and we made an impression with the answer: “Florida. Tom Petty is from Gainesville. In Florida.” By the way, I'm from Frankfurt. On the Main.

Deadline

3. April 25

Wie wird es wohl sein, wenn ich sterbe? Wie groß sind die Schmerzen, wie stark mein Vertrauen in meinen spirituellen Pfad? Was werde ich bereuen und wie werde ich diese Welt verlassen? Am vierten Tag, mit Rückenschmerzen und schlechtem Schlaf, tauchen sie auf diese Fragen. Eine befreundete Sterbebegleiterin sagte mir mal: „Wir sollten uns nichts vormachen. Wir werden alle Schmerzen haben und es wird nicht so leicht sein, zu gehen. Deswegen ist es wichtig und gut, ein Stück begleitet zu werden auf diesem letzten Weg.“ Ich weiß von Menschen, die über viele Jahre chronische Schmerzen haben. Große Schmerzen. Buddhas erste Belehrung nach seiner Erleuchtung waren „Die vier edlen Wahrheiten“, in denen es im Kern um die Allgegenwart von Leiden in unserer Existenz geht - für Mensch und Tier. Wenn ich sehe, wie sehr ich mich und meinen Geist von meinen vergleichsweise geringen Schmerzen okkupieren lasse, bin ich mir nicht so sicher, ob ich im Angesicht des Todes ein „gutes Ende“ nehmen werde. Andererseits wachsen wir ja mit unseren Erfahrungen und vielleicht auch mit unseren Schmerzen. War jetzt auch bei meiner Ärztin und ich habe eine fette Bronchitis und ... gute Überlebenschancen.

 

DEADLINE

 

What will it be like when I die? How great will the pain be, how strong will my trust in my spiritual path be? What will I regret and how will I leave this world? On the fourth day, with back pain and poor sleep, these questions emerge. A dying caregiver friend once told me: “We shouldn't fool ourselves. We will all be in pain and it won't be easy to go. That's why it's important and good to be accompanied for a while on this last journey.” I know of people who have been in chronic pain for many years. Great pain. Buddha's first teaching after his enlightenment was “The Four Noble Truths”, which is essentially about the omnipresence of suffering in our existence - for humans and animals. When I see how much I allow myself and my mind to be occupied by my comparatively minor pain, I am not so sure that I will have a “good exit” in the face of death. On the other hand, we grow with our experiences and perhaps also with our pain. I've now also been to my doctor and I have a bad case of bronchitis and ... good chances of surviving.

Ganz schön halb voll

11. März 25

Würde mich eher als schüchtern und introvertiert bezeichnen und nehme mir zu Herzen, was mir oder anderen passiert. Ich habe mich schon früh als Exot erlebt, ein Außerirdischer unter den Bewohnern einer Welt, in der ich aus Versehen gelandet bin. So ausgestattet bin ich durch meine Kindheit, Jugend & Pubertät gegangen und habe mich arrangiert. Habe Wege gefunden, mich zu verstecken, wenn es keinen Ausweg gab. Habe gelernt zu kommunizieren, wenn Verstecken nicht mehr geholfen hat und habe akzeptiert, dass Leben und Entwicklung oft schmerzhaft sind. Auch gelernt und erfahren habe ich, dass viel Freude in den kleinen und unscheinbaren Dingen sein kann und dass sich viele meiner Mitmenschen auch oft alleine und unverstanden fühlen. So gesehen bin ich hier zu Hause, mit vielen Brüdern und Schwestern, schrägen Onkeln und liebenswerten Tanten, die letztlich alle das Gleiche wollen: Glücklich sein und nicht leiden. Machen wir das Beste draus!

 

PRETTY MUCH HALF FULL

 

I would describe myself as shy and introverted and take what happens to me or others to heart. I experienced myself early on as an exotic, an alien among the inhabitants of a world in which I accidentally landed. I went through my childhood, adolescence and puberty equipped like this and came to terms with it. Found ways to hide when there was no way out. I learned to communicate when hiding no longer helped and accepted that life and development are often painful. I have also learned and experienced that there can be a lot of joy in the small and inconspicuous things and that many of my fellow human beings often feel alone and misunderstood. In this sense, I am at home here, with many brothers and sisters, quirky uncles and lovely aunts who ultimately all want the same thing: To be happy and not suffer. Let's make the best of it!

Neues vom Planeten Oranus

2. März 25

Ich bin, wie der Rest der Welt auch, im Moment sehr beschäftigt mit den Ereignissen in Amerika. Da ist zum einen die Fassungslosigkeit über die grotesken News, die täglich in allen Medien und Kanälen explodieren. Und zum anderen eine Beobachtung der starken Emotionen, die sich in mir einnisten und mehr Platz einnehmen, als gesund ist. Das hat System und mit „Flood the Zone“ auch schon lange einen Namen. Es dient der Verrohung und Abstumpfung, die einen taub und hilflos machen soll gegenüber der Dummheit und Arroganz eines faschistoiden Menschen- und Weltbildes. Da soll kein Platz sein für Offenheit und Humor. Angst und Panik sind die angestrebten Zustände, als Boden für autokratische Herrschaft. Nicht alles ist neu in dem, was die Trumpisten gerade auf die Spitze treiben: z. B. Armut, Rassismus, ein marodes Gesundheitssystem nebst Lebensmittel- und anderer Industrien, die man schon lange als kriminelle Organisationen bezeichnen kann. Vielleicht ist der Widerstand, der sich immer stärker formiert, die Chance für Amerika und auch uns, Step by Step funktionierende Alternativen zum Auslaufmodell „Kapitalismus“ zu manifestieren. Wir sollten alarmiert sein, aber nicht nur ständig „Rot“ sehen und ... „Orange“ hat noch viele andere Bedeutungen und Formen.

 

NEWS FROM PLANET ORANUS

 

Like the rest of the world, I am very preoccupied with the events in America at the moment. On the one hand, I am stunned by the grotesque news that explodes daily in all media and channels. And on the other hand, I'm observing the strong emotions that are settling inside me and taking up more space than is healthy. This has a system and has long had a name: “Flood the Zone”. It serves to brutalize and dull us, making us deaf and helpless in the face of the stupidity and arrogance of a fascist view of humanity and the world. There should be no room for openness and sense of humor. Fear and panic are the desired conditions as a basis for autocratic rule. Not everything is new in what the Trumpists are currently taking to extremes: e.g. poverty, racism, an ailing healthcare system along with food and other industries that have long been described as criminal organizations. Perhaps the resistance that is increasingly forming is the chance for America, and for us, to manifest step by step functioning alternatives to the obsolete model of “capitalism”. We should be alarmed, but not just constantly see “red” and ... “Orange” has many other meanings and forms.

Einfach

26. Februar 25

Einatmen, ausatmen und wieder einatmen. Eigentlich ist es ganz einfach und alles, was Leben ausmacht, ist darin enthalten. Und wenn wir mit uns und anderen in Kontakt kommen wollen, ist das der Weg. Aber wir suchen nach mehr, machen die Dinge komplex und das Materielle zur absoluten Wahrheit, definieren Werte über den Fluss von Geld, reden von Reichtum oder Verschwendung, uns, den Anderen oder Fremden und beziffern das in Millionen, Milliarden, Billionen. Geld ist letztlich nur ein Konsens darüber, was wir den Dingen für einen Wert geben, aber damit bestimmen wir auch, wer genug zu essen hat, Zugang zu Bildung, Kultur und … gesunder Luft. Irgendwann atmen wir alle ein letztes Mal aus und nicht wieder ein. Das war's dann und spätestens dann stellt sich die Frage: „War's das wert?“ 

 

SIMPLY

 

Breathe in, breathe out and breathe in again. It's actually quite simple and contains everything that defines life. And if we want to get in touch with ourselves and others, that is the way. But we are looking for more, making things complex and the objective the absolute truth, defining values through the flow of money, talking about wealth or waste, ourselves, others or outsiders and quantifying it in millions, billions, trillions. Money is ultimately just a consensus about what value we give to things, but with it we also determine who has enough to eat, access to education, culture and ... fresh air. At some point, we will all exhale for the last time and not inhale again. That's it and then at the latest the question arises: “Was it worth it?” 

Tot und lebendig

Manche kennen sie vielleicht noch, die Steckbriefe aus den Italowestern, auf denen in Cowboyhut großen Lettern zu lesen war: WANTED - Dead or alive! "Tot oder lebendig", das ist seit Corona, Klimakatastrophe und jetzt dem Ukrainekrieg und anderen schon bekannten Krisenherden mal wieder ein beliebtes Motto. Schwarz oder Weiß, dazwischen gibt es nichts, denn Zwischentöne verwässern einen klaren Standpunkt. Irgendwo wissen wir eigentlich alle, dass die Realität bunter ist als erlaubt und Leben und Tod etliche Nuancen haben. Sterben wir nicht alle täglich, unseren kleinen Tod? Jede Erfahrung trägt den Keim der Veränderung in sich und jede Veränderung hat das Potenzial für neue Lebendigkeit. Unsere Zellen erneuern sich einmal komplett alle 90 Tage. Jeden Morgen wachen wir also als ein anderer Mensch auf. Das Abenteuer ist menschlicher Alltag. Und es liegt an uns, das zu fürchten oder zu genießen oder eben beides. 6. April 22

 

DEAD AND ALIVE

 

 

Some of you may remember them, the wanted posters from the Italian westerns that read in cowboy hat-sized letters: WANTED - Dead or alive! “Dead or alive” has once again become a popular motto since coronavirus, the climate catastrophe and now the Ukraine war and other well-known trouble spots. Black or white, there is nothing in between, because nuances dilute a clear point of view. Somewhere, we all know that reality is more colorful than permitted and that life and death have many nuances. Don't we all die our little deaths every day? Every experience carries the seed of change and every change has the potential for new vitality. Our cells renew themselves completely once every 90 days. So every morning we wake up as a different person. The adventure is everyday human life. And it is up to us to fear it, enjoy it or both.

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Verschwommen

Vorgestern war mein Geburtstag und als ich in der Morgendämmerung dieses jährlich wiederkehrenden Jubiläums noch mal eine gemütliche Drehung unter meiner Decke meistern konnte – halb gewahr, dass die Tatsache aufzuwachen alles andere als selbstverständlich ist – habe ich Folgendes beobachtet. Im Halbschlaf und bevor die Vernunft sehend das Kommando übernehmen kann, sind sie schon da, die nörgelnden Stimmen mit ihren Befürchtungen und Prognosen für den noch jungen Tag. Einfach so, aus Gewohnheit, weil sie halt ein Abo haben. Ich öffnete meine Augen und realisierte, dass die Sonne scheint, mein Zimmer nicht zerbombt und der Weg zur Dusche frei ist und ich ohne Schmerzen aufstehen und meinen Weg zum Zähneputzen gehen kann. Da habe ich entschlossen, zu meinen eigenen Stimmen zu sprechen und gesagt: "Ihr habt alle euren Platz, aber jetzt haltet mal für einen Moment die Klappe!" Und in dieser selbst verordneten Stille war auf einmal Platz für ein Wort: DANKE! 15. März 22

 

BLURRED

 

The day before yesterday was my birthday and as I mastered another cozy turn under my covers at the dawn of this annual anniversary - half aware that the fact of waking up is anything but a given - I observed the following. Half asleep and before reason can take over, they are already there, the nagging voices with their fears and predictions for the still young day. Just like that, out of habit, because they have a subscription. I opened my eyes and realized that the sun was shining, my room wasn't bombed, the path to the shower was clear and I could get up without pain and make my way to brush my teeth. That's when I decided to speak to my own voices and said, “You all have your place, but now shut up for a moment!” And in this self-imposed silence, there was suddenly room for one word: THANK YOU! 

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Freundschaft

Er war mal wieder für zwei Tage zu Besuch, mein alter Freund aus Hamburg. Wir kennen uns seit 26 Jahren. Er ist jetzt in seinen Siebzigern und wir sehen uns einmal im Jahr in Berlin, wenn er auf Deutschlandtournee ist, um seine Freunde zu treffen. Und dann sitzen wir in unserem Lieblings-Café und bringen uns auf den aktuellen Stand über das, was wir erlebt haben, wie wir die Welt gerade sehen, was uns sorgt, was uns lebendig und bei Laune hält, wie es uns geht mit der Pandemie und dass wir vielleicht schon bald sterben werden. Habe ihm erzählt von meinem neuen Projekt als Trauerredner, dass ich drei Monate im Retreat war, dass es gerade schwierig ist, mit meinen Töchtern und wie sehr ich mich freue, eine tiefe Verbindung mit ihm zu haben, obwohl wir uns nur einmal im Jahr treffen. Wir reden über Gott und die Welt, Kaffee und Kuchen, den gemeinsamen Schmerz über dieses und jenes, persönliche Verantwortung und die Lust am unartig sein. Und wenn wir uns dann trennen und zum Abschied umarmen, spüre ich, dass es Dinge gibt, die nicht online gehen und … das ist gut so! 23. November 21

 

FRIENDSHIP

 

He was visiting for two days, my old friend from Hamburg. We've known each other for 26 years. He's now in his seventies and we see each other once a year in Berlin when he's on tour in Germany to meet his friends. And then we sit in our favorite café and catch up on what we've experienced, how we see the world in the moment, what worries us, what keeps us alive and in good spirits, how we're doing with the pandemic and that we might die soon. I told him about my new project as a funeral speaker, that I had been on retreat for three months, that it was difficult with my daughters at the moment and how happy I was to have a deep connection with him, even though we only meet once a year. We talk about God and the world, coffee and cake, the shared pain of this and that, personal responsibility and the pleasure of being naughty. And when we part and hug goodbye, I feel that there are things that don't go online and ... that's a good thing!

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Nichts bleibt, wie es ist

Ich mag es ja, wenn die Dinge in Bewegung sind. Doch wenn das für mich persönlich heißt, dass mein Komfortzonen-Abo nicht mehr verlängert wird, dann bin ich nicht mehr gaaaanz so geschmeidig. Das ist nicht schmeichelhaft für mich, aber die Wahrheit. Wie auch immer, in diesem Blog gibt es zum 10-jährigen Jubiläum einen neuen Fokus oder Nuancen zu den Themen, die ich bisher im Visier hatte. Nach dem Tod einer lieben und langjährigen Kollegin im August dieses Jahres war ich überraschend in der Situation, eine Trauerrede zu halten, weil das einer ihrer letzten Wünsche war. Das war eine kraftvolle und berührende Erfahrung und hat dazu geführt, dass ich das weiterentwickeln möchte und auch in meinem Blog ein Zuhause geben möchte. Eigentlich ist das nicht so überraschend, denn spätestens mit Band 2 von „ganzkurznur“ und der Zusatzzeile „später ist gleich vorbei“ hatten die Themen Vergänglichkeit und Neuanfang einen sichtbaren Platz in meinem Schreiben. Ich halte euch auf dem Laufenden! https://holgersieler.de 25. Oktober 21

 

NOTHING STAYS THE SAME

 

I like it when things are in motion. But for me personally, if that means that my comfort zone subscription is no longer renewed, then I'm not so smooth anymore. It's not flattering for me, but it's the truth. Anyway, on this blog's 10th anniversary, there's a new focus or nuance to the topics I've been focusing on. After the death of a dear and longtime colleague in August of this year, I was unexpectedly in the position of giving a eulogy because that was one of her last wishes. It was a powerful and touching experience and has led me to want to develop this further and also give it a home on my blog. Actually, that's not so surprising, because at the latest with volume 2 of “ganzkurznur” and the additional line “später ist gleich vorbei”, the themes of transience and new beginnings had a visible place in my writing.

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Der Anfang ist nah

Donald Trump ist bald raus, aber nicht die Menschen, die ihn als Präsidenten wollen und durchaus berechtigte Fragen und Anliegen an die amerikanische Gesellschaft haben. Der Impfstoff ist auch schon da und das sind wahrscheinlich keine Fake-News. Wir setzen oft Fakten mit Wahrheit gleich und gehen davon aus, dass es einen allgemeinen Konsens geben muss, wenn alle das Thema nur ausreichend untersucht und das Ergebnis dessen dann (an)erkannt haben. Sooo einfach ist das nicht und das finde ich auch gut so. Fakt ist für mich, dass alle Wesen leben und nicht leiden wollen, aber darüber hinaus müssen Konsens oder Schnittmengen zum Teil hart erarbeitet werden, denn wir haben ja nicht alle die gleiche Ausgangssituation und die gleiche Wahrnehmung der Dinge. Ich zum Beispiel bin ein verwöhnter Mitteleuropäer, der befriedigende Arbeit, eine warme Wohnung, Zugang zu sauberem Wasser, gesundem Essen und sozialen Kontakten hat und bisher nicht mit Corona infiziert ist. Diese Kombi ist ein Luxus, den mindestens 70 % der restlichen Welt nicht haben. Dass es ein Ungleichgewicht in der Verteilung von Ressourcen und Wohlstand gibt, ist auch keine Frühfolge der Pandemie. Was mich etwas sorgt, ist die starke Polarisierung beim Thema Covid-19. Klar, die Bedrohung ist real und da schaltet der Sympathikus in unserem vegetativen Nervensystem schon mal automatisch auf „Angriff oder Flucht“. Dazwischen gibt es nichts! Wenige Zwischentöne sehe ich oft auch in der gesellschaftlichen Diskussion um angemessene Maßnahmen. Es sollte erlaubt sein, einen skeptischen Blick z. B. auf die Folgen der Lockdowns und der verordneten Isolation für alte und kranke Menschen, aber auch Kinder und Jugendliche zu haben, ohne als Verschwörungstheoretiker oder Aluhutträger etikettiert zu werden. Mich persönlich wundert, dass es einen starken Fokus gibt, wieder eine Normalität herzustellen, die wir uns z. B. in puncto Klimawandel gar nicht mehr leisten können. Ich weiß an vielen Punkten nicht, wie es weitergehen kann, habe keinen Plan oder Konzept, nicht mal eine Meinung. Das Ende ist ja immer nah, aber nicht gleich zu wissen, könnte auch ein Anfang sein für neue Ideen. 2. Januar 21

THE BEGINNING IS NEAR

Donald Trump will soon be out, but not the people who want him to be president and who have legitimate questions and concerns for American society. The vaccine is also already here and this is probably not fake news. We often equate facts with truth and assume that there must be a general consensus if only everyone has investigated the topic sufficiently and then (recognized) the result. It's not that simple and I think that's a good thing. For me, the fact is that all beings want to live and not suffer, but beyond that, consensus or intersections sometimes have to be worked out hard, because we don't all have the same starting point and the same perception of things. I, for example, am a spoiled Central European who has a satisfying job, a warm apartment, access to clean water, healthy food and social contacts and has not yet been infected with corona. This combination is a luxury that at least 70% of the rest of the world does not have. The fact that there is an imbalance in the distribution of resources and prosperity is also not an early consequence of the pandemic. What worries me a little is the strong polarization when it comes to Covid-19. Of course, the threat is real and the sympathetic nervous system in our vegetative nervous system automatically switches to “attack or flight”. There is nothing in between! I often see a few nuances in the social discussion about appropriate measures. We should be allowed to take a skeptical view, for example, of the consequences of lockdowns and prescribed isolation for the elderly and sick, as well as children and young people, without being labeled a conspiracy theorist or an alarmist. Personally, I am surprised that there is a strong focus on restoring a normality that we can no longer afford when it comes to climate change, for example. At many points, I don't know how things can continue, I have no plan or concept, not even an opinion. The end is always near, but not knowing right away could also be a start for new ideas. 
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Die Geometrie der Diktatur

Jetzt sage ich auch mal was zu diesem Trumpel, obwohl es kaum einen Winkel gibt, aus dem das Phänomen noch nicht beleuchtet und analysiert wurde. Der, dessen Name immer genannt werden möchte – der blonde Lord – ist vielleicht eine bizarre Karikatur des Kapitalismus und die Kühlerfigur für den Untergang dieses Auslaufmodells. Aber eine Gesellschaft, die letztlich nur die Besten und Stärksten als wertvoll achtet, ist logischerweise von Rassismus, Sexismus und Lobbyismus durchzogen. Insofern ist er nicht der Erfinder aller Themen, für deren Lösung er sich als Heiland anpreist, aber die oberflächliche Geometrie seines Weltbildes kann uns einen tieferen Einblick verschaffen in die amerikanische Gesellschaft, die europäischen Verstrickungen, als auch unsere persönliche Positionierung. Ich habe noch nie so viel erfahren über Amerika, wie in den letzten Wochen, und so viel lebendige Demokratie wahrgenommen, wie sie sich nun im Widerstand gegen Trump manifestiert. Am Ende welches Tages auch immer wird man ihm dafür vielleicht noch danken müssen. Interessant ist aber auch, dass es anscheinend einen „liberalen“ Konsens gibt, ihn als faschistisches Monster zu deklarieren, das unterhalb jeder Gürtellinie beschimpft und entmenschlicht werden darf. Klar, das tut er ja auch, aber das bringt uns seiner Gesinnung näher, als uns lieb sein sollte, und lenkt ab vom Wesentlichen: unserer eigenen Verantwortung, Handlungsfähigkeit und Freude am Lebendigen. 5. Februar 17

 

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Keine Gute Nacht

Das war kein einfacher Tag. Es ist 00:44 Uhr und normalerweise liege ich jetzt schon im Bett, aber es gab heute drei Ereignisse, die mich aus dem Takt gebracht haben. 1. Ein alter Freund aus Frankfurt liegt seit einer Weile in der Diabetes Klinik und soll morgen entscheiden, ob er einer Teilamputation zustimmt. Erreicht hat mich seine Nachricht über facebook. 2. Eine Freundin aus Kassel hat gerade ein Jobangebot ausgeschlagen, dass sie eigentlich gerne annehmen würde, aber sie hat noch Obstbäume und Eltern in Nordhessen, die sie nicht im Stich lassen möchte. 3. Ich habe eine Buchrezension geschrieben und mich mehr als nötig und erlaubt am Text eines anderen Autors orientiert. Besagte Autorin hat sich nun gemeldet und zu Recht gefragt, wie ich denn dazu komme ihr geistiges Eigentum ungefragt mit meinem zu vermischen. Mich dafür zu schämen ist angemessen, aber dass ich darunter subjektiv mehr leide als unter der drohenden Fußamputation bei meinem Freund macht mich schon nachdenklich. Leid fühlt sich immer Scheiße an: Ob ich seit Monaten keinen Sex mehr habe oder morgen meine Hinrichtung ist, macht in dem Moment der Erfahrung des Leids wohl keinen so großen Unterschied. So sind wir halt. Diese drei Situationen parallel zu erleben, hat mich irgendwie irritiert und gleichzeitig inspiriert zu dem ersten Blogeintrag seit langer Zeit. Dafür nehme ich jetzt mal eine kurze Nacht in Kauf, ohne zu wissen, was ich daraus nun wirklich lerne. 28. Juni 16

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Pro Aging

Schon wieder ein Jahr vorbei? Nicht nur zum Jahresende lauern sie an jeder Ecke, die Versprechungen der Jünger des Anti Aging, der ewigen Jugend und der fast makellosen Schönheit. Was aber macht man mit soviel Jugendlichkeit und dem scheinbar verlängerten Leben? Am besten investiert ist die gewonnene Zeit sicherlich in weitere verjüngende Massnahmen, denn Anti Aging ist eine lebenslange Mission und nur Heilige sind dauerhaft alterslos. Etwas für seine Fitness zu tun, ist sicherlich ein Zugewinn an Lebensqualität, nur habe ich den Verdacht, dass der Nutzen dieser Qualität, kaum zum Tragen kommt, weil man so beschäftigt ist mit dem Jungbleiben. Mittlerweile gibt es gar den Begriff des Seenagers (eine knackige Melange aus Teenager und Senior). Ich würde mir manchmal mehr reife Begegnungen, faltige Zwischentöne und weiße Entscheidungen wünschen und dass wir mal Langeweile für einen Moment aushalten. Mein Mitbewohner Robert dagegen, hat heute offen bekannt, dass ihm Altern keinen Spass macht und das Nachlassen der Kräfte und die Zunahme von Falten verklärt wird zum Symbol einer wunderbaren Reifung. Wirklich mögen tue das keiner und sei lediglich das Credo einer konfusen Anti-Anti-Aging-Bewegung. Tja, wo bitte gehts hier zur Mitte? 30. Dezember 15

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Endlich wieder Futter

Es gibt Themen, die sind recht hartnäckige Begleiter auf unserem Weg zu einem guten Leben. Einer dieser Dauerbrenner ist ERNÄHRUNG. Nein, nicht der Welthunger ist gemeint, sondern der gemeine Hunger, bzw. Appetit der Wohlstandsbürger wie du und ich. Appetit (von lat. appetitus cibi „Verlangen nach Speise“) beschreibt wikipedia als einen „... psychischen Zustand, der sich durch das lustvoll geprägte Verlangen, etwas Bestimmtes zu essen, auszeichnet“, also z.B. Lebkuchen oder Schwarzwälder Kirschtorte. Doch in 80% der Fälle macht sich schuldig, wer ißt: an der Natur, den ausgebeuteten Tieren und Menschen und/oder der eigenen Gesundheit. Klar, gibt es da graduelle Unterschiede und trotzdem ist das einer der Zwickmühlen unserer neurotischen Zeit. Statt nun über die anderen Neurotiker zu lästern, veröffentliche ich mal meine Favoriten aus der Serie „Gesund ernähren und länger leben“: Metabolic Balance, Life Plus, Paleo, Samurai, fleischfrei, glutenfrei, alkoholfrei, rauchfrei, vegan. Das sind viele gute Ideen, die man aus meiner Sicht kreativ kombinieren kann, aber einigen dieser „Systeme“ wurden schon hohe Belastungen an Schwermetallen, wie Dogma und Ignoranz, nachgewiesen. Ich mache gerade was Abgefahrenes, nämlich eine Abspeckrunde zur Weihnachtszeit. Am 24.12. werde ich mich dann vielleicht wie neugeboren fühlen. Das hat außerdem den Charme, dass ich nicht von Januar bis August 2016 über meinen Weihnachtsspeck jammern werde. Naja, jedem das Seine und allen Freude, Frieden und Wohlbefinden - ob mit oder ohne Idealgewicht. Sterben werden wir trotzdem, denn wie schon Patrul Rinpoche sagte: „Der Tod ist wirklich. Er kommt ohne Warnung. Dieser Körper wird ein Leichnam sein.“ Doch dazu blogge ich dann vielleicht zu Ostern. 13. Dezember 15

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Unerwartet

Lag eigentlich schon im Bett und hatte mich darauf eingerichtet, dass der Tag zu Ende ist und ich ab morgen einfach meinen Urlaub geniesse. Na dann ... Gute Nacht! Da lässt mich mein Smartphone von meiner Jüngsten wissen, dass wir uns am Wochenende nun doch nicht sehen werden - zusammen mit ihren Schwestern in Bamberg - weil sie ziemlich angeschlagen ist. Ich habe im April meinen letzten Blogeintrag geschrieben, war seitdem mit Leben beschäftigt und fand auch nichts wirklich so bedeutend, als dass es die Dringlichkeit gehabt hätte im Blog mitgeteilt zu werden. Und nun sitze ich, ganz überraschend, aufrecht im Bett und bin ... wach. Korruption, Massentierhaltung, Julien Blanc will nach Deutschland kommen, genmanipulierte Kommentare setzen sich unerlaubt in unseren Köpfen fest - trotz Kennzeichnungspflicht, Brasilien ist das neue Bayern und Eric Burdon singt gerade „Mother Earth ist waiting for you“. Das lässt mich nicht kalt, aber ich habe gelernt, damit umzugehen. Das globale Geschehen ist durch die neuen Medien vermeintlich nah und gibt einem das Gefühl, an allem beteiligt zu sein. Man muss es nur wollen und anklicken oder eine Petition auf Change.org unterschreiben. In einer Welt, in der mittlerweile fast alles nach Marketingregeln funktioniert, Begehrlichkeit generiert oder mir mein Engagiertsein attestiert wird, bin ich über vieles im Bilde und habe eine Meinung zu fast allem. Letztlich aber bleibe ich irgendwie fremd. Und dann kommt da etwas ganz einfach so daher und verwirrt mich. Was soll ich dazu sagen? Danke! 19. November 14

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Konni Fuzius spricht

 

 

"Die Formel für wirkliche Freiheit?

Gib alles und erwarte nichts!" 13. April 14

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Antifa Breakfast

War heute das erste Mal vegan-vegetarisch frühstücken am Prenzlauer Berg. Die politisch korrekte Suchmaschine Ixquick empfahl das Cafe Kollektiv. Der Weg dorthin erwies sich als eine skurril-literarische Reise durch die Welt der linksdrehenden Denkkulturen. Es ging vorbei an Läden wie „Who killed Bambi?“ mit dem Slogan „My cat smells like Bruce Willis“, dem „Falaffel Ufo“ und dem „DAZZL Danz Club“. Godot hat jetzt ein Lokal in der Kastanienallee und „Fahrrad Linke“ ist in der Szene etabliert – seit 1912. Nachdem ich den „Buchladen zur schwankenden Weltkugel“ passiert hatte, war mein heutiges Klassenziel erreicht: Frühstück! Im Regal des Cafes präsentierten sich Magazintitel mit Namen wie „an.schläge“, „Entfesselt“, „Fight“ und die Frankfurter Rundschau. Das Flair erinnerte mich an meine Frankfurter Zeit in den Achtzigern. Die Besucher sahen ähnlich aus: Ein aufgeschlossenes und politisch interessiertes Publikum. Nicht mehr ganz so verkifft und/oder verbissen wie seinerzeit. Nur ich bin offensichtlich 30 Jahre älter geworden. 1982 begann die Ära Helmut Kohl, der HSV war Deutscher Meister und Ronald Reagan gab den amerikanischen Präsidenten im Pentagon. Rich Skrenta, ein 15-jähriger Schüler, schrieb den ersten Computervirus für Apple II und Klassenfeind Nr. 1 war Nicole, die mit einem peinlichen „Ein bisschen Frieden“ den Grand Prix gewann. Ich demonstrierte in Bonn gegen den Natodoppelbeschluss und hörte auf der Demo abstruse Sätze wie: „Ich will nicht nur ein bißchen Frieden, wie diese Nicole. Ich will den totalen Frieden. Sofort!“ Das Frühstück heute? Naja, das würde ich meinem Klassenfeind rüberschieben, wenn ich denn einen hätte. In meinem Alter schaut man eher nach Klassenkameraden auf Facebook oder reflektiert die eigenen Gewohnheiten und Geisteszustände. Nicole würde das heute vielleicht schmecken. Wer weiss das schon? 22. März 14

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Konni Fuzius spricht

 

 

"Wenn ich schon nicht

verstehe, dann will ich

wenigstens Recht haben" 18. Februar 14

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Abgrund

Ich habe Marko das letzte Mal gesehen beim Abi-Treffen 2007. Der Junge, der in den Siebzigern mit mir in einer Straße in der Waldsiedlung gewohnt, und wie ich auch, im mittelalterlich beschaulichen Büdingen sein Abitur gemacht hat, wanderte irgendwann nach Australien aus und hat sich vor ein paar Wochen entschieden, nicht mehr weiterzugehen. Ich glaube, wir haben zusammen Judo trainiert und er war ziemlich talentiert, aber das hat wohl keine Relevanz mehr, wenn man entschlossen ist nicht mehr zu kämpfen. Über Facebook hatten wir dann wieder Kontakt, haben einander „geliked“ und ein wenig erfahren von dem jeweils Anderen am jeweils anderen Ende der Welt. Wer gibt schon zu, dass er einsam ist im worldwideweb? Ich meine nicht die Einsamkeit an gesellschaftlichen Rändern, sondern die in den ganz normalen Verhältnissen, wo harmloser Alltag zum Zombie mutiert. In einer globaliserten Welt, in der alles zusammenwachsen soll zu einer Gemeinschaft von Weltbürgern, ist, so scheint mir, viel Raum für große Visonen und wenig Platz für kleine Zweifel. Für alles gibt es gute Gründe oder zumindest einen Plan. Das ist aber nur die von meiner Wahrnehmung und Erfahrung gefärbte Version einer möglichen Motivation, sich das Leben zu nehmen. Jeder hinterlässt eine Spur in den Köpfen und Herzen der Menschen die einem begegnet sind, wie kurz oder intensiv die Begegnung auch immer gewesen sein mag. Meine Erinnerung an Marko? Geradlinig, klug und traurig warst Du und ich mochte Dich - eigentlich grundlos.  22. Januar 14

 
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Swing!

Die Dinge sind ständig in Bewegung. Der Bus fährt los, wenn die Ampel grün ist und der Notarzt macht sich auf den Weg, wenn man ihn ruft. Die Tasse aus der ich trinken wollte, ist gerade runter gefallen und Alfred heisst jetzt Alma. Ein Schulfreund in Australien ist gestorben, Russlands Bevölkerung dürfte 2025 auf rund 150 Millionen wachsen und Gregory Porter, den ich bis gestern noch gar nicht kannte, singt gerade "Moving". Meine Blutfettwerte sind niedriger als bei der letzten Untersuchung, meine Lendenwirbel haben sich ohne meine Erlaubnis quer gelegt und die Fußflächen knicken leicht nach außen. Jan empfiehlt mir mehr Bewegung und in der Meditation wende ich, wenn alles gut läuft, den Blick nach innen. Bin ganz schön cool geworden mit der Zeit und nicht mehr so leicht zu erschüttern. Gut so ... und schade! Täglich sterben Millliarden Tiere in den Schlachthöfen, unzählige Menschen verlieben sich und einige davon laufen in ihr Unglück. Es ist leicht, sich in dieser Welt zu verlieren und schwer, einfach mal leicht zu sein. Meine Töchter lernen gerade, dass die Tigerente niemals einen Aufsichtsratsposten bekommen wird und dass Mut zur Veränderung alles ist, aber nicht alles. In Finnland sitzen in diesem Moment 222 Kinder auf Schaukeln und lachen ... einfach so. Die CD von Gregory Porter heisst übrigens „Liquid Spirit“ und Lisa hat sie für mich gebrannt, obwohl sie gerade ganz andere Sorgen hat. Wollte heute eigentlich gar keinen Blogeintrag schreiben, sondern Lisa trösten. Swing! 12. Januar 14

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Konni Fuzius spricht

 

"Du kannst über jeden schreiben, mit dem Du verbunden bist. Das ist Poesie. Du kannst aber auch über jeden schreiben, mit dem Du nicht verbunden bist. Das ist Tageszeitung." 18. Dezember 13

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Mahlzeit

An den Umsätzen der beiden großen Fleischindustrien - der Massentierhaltung und der Pornographie - lässt sich einiges ablesen. Beiden liegt das Prinzip der Gier und der Abspaltung zugrunde: Immer hungrig und getrennt von einer Beziehung zu den Wesen, die wir begehren oder ... einfach essen. Das ist die Bilanz einer Gesellschaft, die alles als Ware verpackt, die jederzeit und unlimitiert verfügbar ist, wenn man bezahlt. Wir Menschen sind ja eher eine Minderheit unter den Erdlingen. Für unsere Ökobilanz und die Schädlingsbekämpfung wäre es durchaus folgerichtig, wenn wir anfangen würden, nicht mehr unsere Mitbewohner auf diesem Planeten, sondern uns selbst zu essen. In den Händen der richtigen Werbeagentur, wäre das sogar ein realisierbares Projekt: „Nur das Beste - Eat yourself!“ könnte der Claim lauten. Gut sediert mit einer professionellen Teilanästhesie, lecker gewürzt, paniert, gegrillt und mit Doppelt-Käse überbacken, könnten wir anfangen unseren rechten Arm zu verzehren. Die dann nötigen Prothesen könnten Zalando und Amazon (versandkostenfrei!) verschicken. Jede Menge Extra-Apps, die der normale menschliche Arm nicht zu bieten hat, wie z. B. eine W-Lan-Verbindung und die aktuellen Bundesligaergebnisse im 5D-Display, würden sicherlich ihre Fans finden und zu Clubgründungen führen. Das Verzehren des eigenen Arms als Initiationsritual und Einstieg in eine bessere Welt könnte der Beginn einer segensreichen Selbstelimierung der Spezies „Konsument“ sein. Gruselig? Ja! 22. September 13 

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Konni Fuzius spricht

 

"Nicht mehr zu funktionieren,

kann ein Grund zur Sorge

oder zur Freude sein." 2. Mai 13

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Konni Fuzius spricht

 

 

"Die Dinge werden kompliziert, wenn

du etwas nur für dich haben willst" 14. April 13

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Halbzeit

Gestern, am 13. März 2013, ist es ganz plötzlich passiert: Ich bin 50 geworden und wir sind nicht mehr Papst, weil uns ein Argentinier, vor Ablauf der vorgesehenen Spielzeit, abgelöst hat. Nein, nicht Diego Maradona, der ist zwar Argentinier aber bereits 52 und viel kleiner als der Jesuitenpater Jorge Mario Bergoglio, der künftig als Papst Franziskus den Verein Vatikan trainieren oder zumindest so platziert werden wird. Der aktuelle Stern-Titel nutzt die Gunst der Stunde und hofft mit einem eigenen Magazin-Facelift und dem Titel „Ich liebe Gott und eine Frau. Katholische Priester fordern vom neuen Papst: Befrei uns endlich vom Zölibat“ einen guten Einstieg in die neue Saison. Was wird hier eigentlich gespielt? Wenn die A-Jugend in Nieder-Mörlen am Wochenende gegen den benachbarten Verein aus Steinfurth antritt und sich anschliessend betrinkt, weil sie verdient gewonnen oder dummerweise verloren hat, ist die Welt noch überschaubar. Spätestens ab der Bezirksliga werden die Dinge dann komplexer. Kaiser Konstantin manifestierte mit dem Toleranzedikt von Mailand 313 die Verstrickung von Kirche und Staat und seitdem wissen oftmals nicht mal die vermeintlichen Strippenzieher, welche Fäden sie wirklich in der Hand halten. Mein Tipp an alle Spieler, Trainer und Päpste: Fragt doch mal die Vögel. Der heilige Franz von Asissi hat das seinerzeit auch getan und von dem spricht man noch heute. 14. März 13

 

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Konni Fuzius spricht

 

 

"Wirklich verbessern 

kann man sich nur, wenn

man Fehler macht." 26. Februar 13

 

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Kunstgriff

Habe Picassos Biographie auf YouTube gesehen und einige überraschende Gedanken gehabt. Ich bekam Lust darauf, wieder zu rauchen, genial zu sein und mehrere Frauen zu haben, die mich in meiner Kunst inspirieren und Kinder von mir kriegen wollen. Soviel zum romantisierenden Part. Mein Blick auf die Kunst ist geprägt vom oft schmerzhaften Spagat zwischen Genie und Wahnsinn, erfolgreich sein oder Taxi fahren, bei Sinnen sein oder psychotisch. Ich wurde seinerzeit dann doch lieber Designer, bin jetzt glücklich verbunden mit einem tibetisch-buddhistischem Zentrum in Berlin und wirklich sinnstiftenden Inhalten. Ich werde demnächst 50, meine Midlife-Crisis hat dann ihr 10-jähriges Jubiläum und mein erstes waghalsiges Kunstprojekt liegt somit schon mehr als 25 Jahre zurück. 1987 gründete ich, während meines Grafikdesign-Praktikum im Frankfurter Societätsverlag, die Galerie 24 im Gallusviertel und schickte Studenten der Frankfurter Kunstakademie „Städel“ an die Ausstellungsfront, weil ich mich selbst nicht für verrückt genug hielt, um gute Kunst zu machen. Die Vernissagen waren seinerzeit durchaus beliebt, was möglicherweise auch an der Auswahl der Weine lag. Jetzt postuliere ich mal im WWW, dass der Auftrag der Kunst ist, zu insistieren und zu irritieren, weil wir freiwillig nichts hören oder sehen wollen, was ausserhalb unserer Gewohnheiten liegt. Viel Glück und viel Segen allen, die genau das zu ihrem Projekt machen. Die Botschaft für hier und heute? Wartet nicht darauf, dass eine Botschaft euch dazu bewegt zu handeln oder eine Entscheidung zu treffen. 17. Februar 13

 

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Konni Fuzius spricht

 

"Ich bin um einiges entspannter, seit mir meine

Vergänglichkeit nicht mehr vorrangig erschreckend,

sondern natürlich erscheint. Das Finanzamt und

meine Lebensversicherungsgesellschaft sind nun

ein wenig besorgt um mich." 1. Februar 13

 

 

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Konni Fuzius spricht

 

 

“Du kannst mir vertrauen.“

sagte die Motorsäge zum Baum.

"Ich arbeite gründlich.“ 27. Januar 13

 

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Massenware

Wir haben eigentlich von allem zuviel und trotzdem keine gute Verbindung zu ... nichts und niemanden. Laut dem vom BUND und der Heinrich Böll Stiftung herausgegebenem „Fleischatlas“ isst jeder Deutsche durchschnittlich 1049 Tiere in seinem Leben. Satt oder gar zufrieden sind wir trotzdem nicht. Fleischeslust scheint mir aber auch in anderer Hinsicht in der Sackgasse: „Fick mich!“ geht uns leichter von der Zunge als „Liebe mich!“. Liebe klingt viel zu langsam und verbindlich für das 21. Jahrhundert. Wir fahren Autos, nutzen Handys, tragen Klamotten nur so lange sie „trendy“ sind und haben uns entschieden, uns mit nichts zu ausführlich zu beschäftigen, weil das nächste Update ja schon morgen kommen kann. Mein Blog ist einer von Millionen und die Zahl der Neuerscheinungen in den Verlagen ist „Unendlich + X“. Jeder kann sagen, was ihm gerade durch die Birne geht, zu jeder Zeit, auf allen Kanälen und wenn die Klicks entsprechend hoch sind, gibt es das Gütesiegel „Erfolgreich“. Ein Hoch auf die Vielfalt ... der Armut. Das Thema ist nicht neu - ein industrialisierter Konsumwahn, der vor allem eines perfekt produziert: Hunger auf allen Seiten, denn nur Unzufriedenheit generiert neue Gier. Vielleicht ist unser Problem aber auch, dass wir darauf konditioniert sind, in absoluten Lösungen zu denken und kleine Schritte oder Linderungen als unwürdig empfinden. Wer bin ich, das für andere zu beurteilen? Mein Schritt für hier und heute ist, Fleisch nur noch höchstens zwei mal die Woche zu essen und die Tiere, die ihr Leben gelassen haben für mein Mittagessen, nicht einfach nur gedankenlos in der Pause runterzuschlingen. Klein, aber mein. 13. Januar 13

 

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Spaßbremse

Noch zwei Tage, dann knallts! Darf ich mal ehrlich sein? Ich finde Partys eher anstrengend als aufregend. Man versucht sich in eine Stimmung zu bringen, von der man am nächsten Tag ganz schnell wieder runterkommen muss, damit man sein normales Leben wieder aushält. Ekstase als Jahresübergangs- oder Endzeitritual ist bestimmt eine coole Sache ... für Hyperaktive, Drogendealer und professionelle Partyveranstalter. Es ist nicht so, dass ich nicht gerne feiern würde, aber „Party“ wird meist schleichend zum Schmarotzer, der seiner Wirtspflanze bis zum Koma suggeriert, dass sie Teil eines nie enden wollenden Orgasmus ist, dass Alleinsein gestern war und ab jetzt nie wieder kommen wird. Party! Nicht mehr allein sein zu dürfen, finde ich einen schlimmen Gedanken, vor allem wenn die Parole aus dem Megaphon der Partymacher dröhnt. Einsamkeit ist sicher die Wurzel vieler Krankheiten, guter Literatur, genialer Kunst und Amokläufe, Thema vieler Fachartikel aller Disziplinen, der Grund für den Verkaufserfolg aller unsinnigen Produkte und ... die Initialzündung für viele Partys. Ein ziemliches Schwergewicht, also. Einsamkeit ist kein einfacher Koalitionspartner und wird keinesfalls die Regierungsverantwortung für mein Leben übernehmen - so lange mich keiner zwingt Spaß zu haben - auf Partys. 29. Dezember 12

 

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Messerscharf

Ich mag Amerika nicht! Aus Prinzip! Weil dieses Land für mich Ausbeutung, Dummheit und die Achse des Bösen symbolisiert. So einfach ist das. Ich mag Jazz, Blues und Morgan Freeman. Keine Angst, die Kurve nehme ich locker, denn bei diesen „Likes“ handelt es sich im Ursprung um eíne Kultur der Sklaven, mit denen ich mich gerne solidarisiere. Hatte nun heute überraschend einen Systemzusammenbruch, ausgelöst von einem genialen Schneidegerät namens „Olfa-Cutter 300“, welches mir beim Zuschneiden von 480 g/qm-Glückwunschkarten sehr nützlich war. Eine Klinge, die stabil und geschmeidig zugleich durch die Führungsschiene gleitet und eine Justierschraube aus Messing (!) hat mich singend mein Tage- und Schneidewerk vollenden lassen: Halleluja und Merry Christmas. Ich fantasierte einen kleinen schwäbischen Familienbetrieb als Urheber und Halter dieser Tradition, die ebendiese Messer schon seit 400 Jahren produziert und das Geheimnis der Messingschraube wird erst am Sterbebett an die nächste Generation weitergegeben. So habe ich mir das vorgestellt oder anders gesagt: „I had a dream“. In Realität handelt es sich bei Olfa um eine amerikanische Firma, die genial gute Cutter produziert und in den USA und Kanada vertreibt. Vielleicht ist die Liebe zum Handwerk und zum Detail, als auch der Wunsch etwas nützliches und gut funktionierendes zu schaffen ja ein menschliches Grundbedürfnis, jenseits von Vertriebssystemen, Verkaufsstrategien und Gewinnmargen. Wie auch immer - I love it! 26. Dezember 12

 

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In the mood

Hatte einen freien Tag und ... schlechte Laune. Ich weiss, das ist illegal aber so war es halt. Nach einem Studentenfrühstück (sprich um 14 Uhr) im Literaturhaus in der Fasanenstrasse habe ich mich mit einer 11 Jahre alten CD von Prince in Stimmung gebracht: The Rainbow Children. Sehr empfehlenswert! Habe jetzt hautfarbene Kompressionsstrümpfe, was für mich früher gleichbedeutend war mit alt sein, sehr alt. Ob Prince wohl mittlerweile orthopädische Schuheinlagen trägt? „In the mood“ ist ein Klassiker von Glenn Miller aus den Vierzigern des letzten Jahrhunderts, den ich 1975 als zwölfjähriger Jazzfan vor dem Einschlafen in meinem alten Röhrenradio gehört habe. Ich wusste, dass das nicht wirklich so ist, aber ich stellte mir vor, dass die Big Band von Glenn Miller hinter dem fluoreszierendem Grün der Glasscheibe, auf der alle Radiosender horizontal abzulesen waren, ungefähr auf der Höhe von Hilversum saß und für mich spielte. Eben las ich einen interessanten Post über Orang Utans in der Midlife Crisis und beim Anklicken des dazugehörigen Links landete ich aus Versehen auf der Nachricht von Gruner + Jahr, mit der Botschaft, dass man die Financial Times Deutschland einstellen wird. So macht Krise dann doch irgendwie Spaß. Zurück zu den Affen: Junge Schimpansen starten frohgemut ins Leben, werden dann im mittleren Erwachsenenalter immer missmutiger und im höheren Alter wieder besser gelaunt. Der Tiefpunkt liegt bei durchschnittlich 31,9 Jahren, also vergleichbar mit dem menschlichen Wohlfühl-Minimum, das bei 45 bis 50 Jahren liegt. So stand es im Orang Utan Post von Elke. Schlechte Laune so stehen zu lassen, ohne Urteil, Analyse und Rettungsschirm ist nicht die gewohnte Vorgehensweise. Ich mache es jetzt einfach mal - ohne Hoffnung und Furcht. 20. November 12

 

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Konni Fuzius spricht

 

"Man kann warten, bis man

so gewürdigt wird, wie es

einem angemessen erscheint

oder ... leben." 21. Oktober 12

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Konni Fuzius spricht

 

"Die schönste Zeit

meines Lebens ist jetzt, 

denn nur jetzt kann ich

mich noch verändern." 12. Oktober 12

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Männersachen

Hamburg, Wind und Regen, + 13 Grad: die Frisur hält! Ich habe seinerzeit die Regentropfen in „Stirb langsam 2„ gedoubled und war auch schon mal zwei Regenwochen lang mit einem keuchhustenden Kleinkind im Urlaub an der Nordsee – bin also fast wasserdicht. Schön, mal wieder in der Hansestadt zu sein. Mache meinen alldreijährlichen Männer-TÜV (nein, keine Kneipentour und auch keine Kneippkur), sondern 4 Tage auf unterschiedlichen Hebebühnen mit Laboruntersuchungen, Herzecho, Akupunktur und chinesischen Kräutertees. Das heisst, Oberkörper freimachen und die Seele baumeln lassen. Zum Frühstück genieße ich Hansebäckerbrötchen und die Allerwelt- und Weltallgespräche mit meinem Arzt und guten Freund Jan. Gestern Abend habe ich das erste Mal in meinem Leben einen Action-Film auf einem 62-Zoll-Bildschirm gesehen. Es ging um einen Typen der dauernd in Schwierigkeiten geriet, dabei immer gut angezogen und frisiert war, viele schöne Frauen um sich hatte, aber keine Zeit für sie, denn er musste seinen Job erledigen. Also ähnlich, wie ich das in Berlin auch mache, nur in Dolby-Surround und auf 135 Minuten komprimiert. „It‘s a Mans World“ und ich liebe es! EKG und Blutwerte sind soweit ganz gut und in zwei Tagen bin ich wieder in der Bundeshauptstadt, werde am Vorabend die Hemden bügeln, meine Morgenmeditation machen und dann gehts weiter mit „The Holg 4.9“ 6. Oktober 12

 

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Gute Laune

Hatte heute zwei Begegnungen von ähnlichem Geschmack. Begegnung 1: Einer meiner Berliner Facebookfreunde hat mich schon vor einer Weile für den kommenden Samstag zu seinem „Symposium der Vergreisung“ (= 51. Geburtstag) eingeladen und jetzt überraschend und etwas dramatisch im Forum FB angekündigt, dass er seinen Blog nie wieder schreiben und Facebook, Twitter & Co. für immer den Rücken kehren wird. Begegnung 2: Cleopatra (Name von der Redaktion geändert) hat heute beim Pfannenschwenken in der Gemeinschaftsküche darüber philosophiert, dass Frauen die Tendenz haben, die Dinge zu lange und zu oft zu wenden, bevor sie sich sicher sind, dass Ihr Entschluss, etwas zu tun oder vielleicht doch zu lassen, auch nachhaltig und längerfristig (heute + 30 Jahre) Bestand hat. In beiden Situationen habe ich mich zeitweise etwas hilflos gefühlt, weil in meinem System die Botschaft ankam: „Tu etwas dafür ... oder dagegen!“ Da will sich einer eliminieren und eine andere will weitere 30 Jahre warten, bevor sie sich traut zu leben. Das macht keinen Spass und meine Ansage für jetzt, hier und Euch beide ist: „Macht doch was IHR wollt und fragt mich einfach, wenn Ihr WIRKLICH mal eine Zweitmeinung braucht.“  19. September 12

 

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Konni Fuzius spricht

 

 

„Banal, aber wahr! Nach dem Tod

gibt es keine Last-Minute-Angebote

mehr und auch keine Sammelalben.“ 16. September 12

 

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Konni Fuzius spricht

 

 

"Dass Dir jemand Verständnis

entgegenbringt, heisst nicht zwingend,

dass er verstanden hat" 3. September 12

 

 

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Was soll's?

War heute mit Herrn L. aus der Nähe von F. (alias Alex aus Berlin) und auf Einladung von beiden beim Fantasy Filmfest. Der Streifen, der im Cinemaxx am Potsdamer Platz gegeben wurde, hieß „Piranha 3DD“ und war ziemlich lausig bezüglich Skript, Schauspielerleistung und Special Effects, aber Rettungsschwimmer David Hasselhoff, der sich selbst köstlich persiflierte und der Professor aus „Zurück in die Zukunft“ Christopher Lloyd machten das Ganze zu einem kultigen Kinonachmittag. Von etwas längerer Halbwertzeit waren die Gespräche beim Pasta-Essen und dem Kaffeeschlürfen nach dem Kino. Wir hatten eigentlich keine grossen Ambitionen, aber auf einmal hatten wir eine Gruppensitzung mit Kinogängern, Beobachtern, Drehbuchautoren, Grafik-Designern, Bloggern, U-Bahnfahrern, Söhnen, Vätern, Buddhisten, Zweiflern und Spannern und im Hin und Her zwischen etlichen Rollen, Konzepten und Sichtweisen stand da zwischen uns beiden auf einmal die Frage: „Warum schreibst Du eigentlich noch?“ Und während uns das Werbebanner eines vorbeifahrenden Bus mit der Frage, ob denn der Po juckt, konfrontierte und die sicherlich beste aller Cortisoncremes als lindernde Lösung anbot, dachte ich, dass es darum geht einen Ausdruck zu finden und immer wieder zu pointieren, damit einen die anderen und man sich selbst besser versteht. So in der Art habe ich das heute nachmittag gemeint, aber jetzt beim Schreiben klingt mir das ein wenig zu sozialpädagogisch. Deshalb nehme ich mir mal die Piranhas 3DD als Vorbild und sage: „Etwas mehr Biss, bitte!“ 25. August 12

 

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Memopause

In memorian to my Dad! Darf man über den Tod seines Vaters bloggen? Keine Ahnung, aber ich tue es weil es a.) passiert ist und mich verändert hat, b.) es mir ihn und meine Schwester näher gebracht hat, als es zu Lebzeiten möglich gewesen wäre und c.) weil ich ohnehin nichts zu schreiben hätte, was skandalös oder entwürdigend wäre. Und d.) weil ich glaube, dass wir in unserer Gesellschaft dringend nicht nur Lebens- sondern auch Sterbensqualität entwickeln sollten, denn ausser Micky Maus und Gott wird es jeden treffen - garantiert. Mein Papa war ein wunderbarer und seltsamer Mensch zugleich. Er hat mir gezeigt, wie man beim „Mensch ärgere Dich nicht“ unauffällig schummelt, Stühle polstert, sich geschmackvoll anzieht, die richtige Beize anmischt, und sich viele Gedanken macht. Er hatte eine Disziplin, die mich als Sohn oft genervt, aber im Prozess seines Sterbens Bewunderung und Respekt für seine wahrhaft königliche Haltung im Angesicht des Todes gelehrt hat. Ich weiss nicht sicher, ob er einverstanden wäre mit meinem Blogeintrag, aber das nehme ich auf meine Kappe, denn ich bin der Nächste in der Ahnenreihe der gehen aber erst einmal bleiben und hoffentlich nützlich und wirkungsvoll sein wird. Wo auch immer Du jetzt bist: „Be happy! Be well!“ 15. August 12

 

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Konni Fuzius spricht

 

„Nach der Hand zu schnappen, 

die einen füttert, kann der

Beginn einer wunderbaren

Freundschaft sein.“ 13. Juni 12

 

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Wartezimmer

Ich hatte heute den Gedanken, dass wir oft auf die richtigen Umstände oder Zutaten warten, die zusammenkommen müssen, damit wir handeln können. „Lebe jetzt und den Moment“ ist das Credo vieler Facebook-Einträge, Philosophien, Verkaufsstrategien und ... Klugscheißer. Wir halten Handlung und Wirksamkeit oft für identisch, aber etwas zu unterlassen kann ja durchaus auch eine wirkungsvolle Handlung sein. Eben hatte ich noch das deutliche und beglückende Gefühl „Jetzt verstehe ich etwas mehr!“ und war dann ganz plötzlich wieder verstrickt in die Komplexität aller möglichen Ablenkungen und ... die Meinung der Anderen (die Werbung nennt das Vielfalt und/oder Konsumfreiheit). „Das ist schwach!“ lautet mein Urteil, wobei ich mich im Moment etwas trainiere, nicht zu schnell und zu allem eine Meinung zu haben. Der Flachs, den Dornröschen zu Gold spinnen sollte, war dick genug um allen alle möglichen Märchen zu erzählen, aber die feinen Fäden, die es zu halten gilt bei der Frage „Wann soll ich handeln und wann noch etwas warten?“ ist jenseits von Goldspinnerei und in der Grauzone eines Selbstverwirklichungsdrucks, der vor allem eines will – toll sein. Oder anders gesagt: „Du Mensch? Also Angst!“ Was soll ich sagen? „Nur Mut!“ 11. Juni 12

 

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Ganz kurz nur

Ich beobachte, dass ich Energie darauf verwende, „richtig“ zu sein, statt die Klappe zu halten, wenn es nichts zu sagen gibt. Im Kontext der sozialen Medien ist es tabu, die Klappe zu halten weil das Medium davon lebt, dass man sich fortlaufend artikuliert oder über das Drücken bestimmter digitaler Knöpfe, seinen Mut oder Unmut zum Ausdruck bringt. Man könnte natürlich auch einfach mal den Rechner NICHT hochfahren. Steve Jobs ist tot. Bill Gates wird sterben. Frank Zappa war dabei und mein Vater hat, wenn die Prognose der Ärzte stimmt, noch ein paar Wochen. Es geht ihm nicht gut, aber wir haben die letzten Tage viel Zeit miteinander verbracht, über Tod, Verderben und die 70er Jahre in vielen Facetten gesprochen, gelacht über die Absurditäten der Welt, die „stramme“ Ärztin aus der Hanauer Onkologie und die Kurzsichtigkeit von Walter Ulbricht und Otto Grotewohl. Danke, Papa! 10. Juni 12

 

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Konni Fuzius spricht

 

 

"Wir haben alle gute

Gründe für unser Verhalten.

Selbst Mörder haben das." 24. April 12

 

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Unglaublich

Ohne Superlativen wäre die Werbung impotent. Ohne unser Potential zur Neujustierung von Gewohnheiten gäbe es nicht eine einzige wirksame Therapieform, und ohne die Fähigkeit zum Staunen keine Religion oder Spiritualität, und wir alle würden ewig so bleiben, wie wir sind. Ob sich das beruhigend oder erschreckend anfühlt? Alle siebzehn Möglichkeiten sind vorstellbar! Wie lange die Ewigkeit dauert ist Chefsache - sollte man glauben. „Meine nächste Beziehung wird 10 Jahre jünger sein als ich!“ Zack! So schnell fällt man aus dem Beuteschema. Die Frau, die kurz vorher noch meine Lachs-Sahne-Sauce gelöffelt und anschließend besungen hat, setzt Signale nach denen ich gar nicht gefragt hatte. „MEINE nächste Beziehung wird 33 Jahre alt sein. fließend finnisch und hebräisch sprechen und Fälkja oder Wasa heißen“ hätte ich gekontert, wenn es mir in dem Moment eingefallen wäre. So schreibe ich es halt einige Tage später auf und sehe es als Inspiration für eine weitere amüsante Geschichte in Band 2 von „Ganz kurz nur“. Wie wir an unseren Wünschen festhalten, auch wenn uns andere oder unerwartete Optionen begegnen, ist manchmal kurios. Dass ich dieses Spiel auch immer wieder spiele, ist aus intellektueller Sicht erstaunlich, aus einer Perspektive der gesunden Neugier unglaublich und wenn ich meinen Briefträger fragen würde, müsste ich diesen Blogeintrag löschen, denn wahrscheinlich würde er sagen: „Worum geht‘s hier eigentlich?“ oder „Ein Paket von Amazon ... für Fössel.“ 19. April 12

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Konni Fuzius spricht

 

 

"Kreativität ist kein Softskill,

sondern eine Grundhaltung." 12. April 12

 

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Super

1,72. Das wäre die denkbare Größe von Jesus Christus, als er vor fast 2000 Jahren von den Römern ans Kreuz geschlagen wurde und 1,72 ist auch der Benzinpreis, der heute am Karfreitag 2012 an den Tankstellen angeschlagen steht. Beiden gemein sind zwei Schlüsselwörter: Freiheit und Anbetung. Über den Altaren der christlichen Welt hängt das Kreuz als Symbol des Mensch gewordenen Gottes, der sein Leben gab, um das Leiden aller auf sich zu nehmen. Das Auto hingegen ist der Altar selbst, Objekt der Anbetung oder auch das goldene Kalb auf vier Rädern. Es läßt den lustvoll leiden, der sich ihm hingibt. Eine Obsession in Lack und Kunstleder. Die Bezeichnung Automobil ist eigentlich irreführend, denn durchschnittlich bewegen wir unsere fahrenden Altare lediglich eine Stunde am Tag. Den Rest der Zeit arbeiten wir dafür, Benzin, Verschleissteile, Steuer, Versicherung und die Finanzierung des Nachfolgemodells zu sichern und vielleicht noch die Garage, damit der Glanz unseres Lieblings lange strahlt. ES steht derweil nur rum, frisst stumm und mit grinsender Motorhaubenfratze unser Geld und verliert stündlich an Wert. WIR nennen das dann Freiheit. Manchmal denke ich, dass grenzenlose Freiheit eine Illusion ist, die ihre Wirkung aus der Versklavung ihrer Anhänger zieht - ein Papamobil, dass sich als ein Perpetuum Mobile ausgibt. Nun ja, jede Bewegung braucht einen Antrieb und Brennstoff. Frohe Ostern allen in Stadt und Land und auf den Straßen! 6. April 12

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Konni Fuzius spricht

 

"Einsichten entstehen in einem

tiefgehenden und existentiell-

philosophisch-therapeutischen

Prozess oder ... einfach beim Kacken." 4. April 12

 

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Leseschwäche

Neulich wurde ich mal wieder gefragt, ob ich denn dieses oder jene Buch gelesen hätte, was ja so ganz in der Tradition von und typisch für, wenn es auch ein wenig inkonsequent im Duktus und Geist dieser etwas verqueren Grundhaltung daherkommt, aber es trotzdem schafft, den Leser ein- und mitzunehmen? „Nein, habe ich nicht gelesen, ich schreibe lieber.“ Das tue ich nicht mal aus irgendeiner Antihaltung heraus, sondern weil ich es einfach mag. Ich bin halt kein fleissiger Leser. Natürlich braucht man Inspiration, denn nur aus sich heraus zu schreiben, lässt einen schnell austrocknen und irgendwann dreht man sich nur um sich selbst und seine kleinen neurotischen Welten und Satelliten. Meinen Input hole ich mir weniger lesend, sondern eher beobachtend z. B. über Menschen wie Jost, die viel lesen und die ich fragen kann, was ich denn so verpasst habe, in den letzten Lesesaisons. Das kann ich ganz unverschämt abfragen, denn die wirklich Belesenen haben keinen Grund, andere mit Ihrem Wissen zu beschämen. Jost wird nach eigener Schätzung noch eine Lebensspanne von zusätzlich 300 Jahren brauchen, um die Bücher zu lesen, die er sich mit durschschnittlich zehn ausgesuchten Neuerscheinungen monatlich ins Haus holt. Beeindruckend, aber nicht mein "Style". Ich bin auch nicht gut im Kommasetzen und bringe lieber die Inhalte auf den Punkt. Ich finde das auch nicht schlimm, denn ich lebe ja mitten in Deutschland, im Land der Fußnotenfetischisten, Quellenangabenquengler und KOMMAndanten. Not an Korrekturwilligen gibt es wirklich nicht. Kann schon sein, dass es irgendwo wichtig oder verständnisfördernd ist, die Zeichen der neuen deutschen Rechtschreibung zu erkennen und diese dann auch richig zu setzen. Mein Fokus ist ein anderer: ich mag das lockere Spiel mit der Sprache und die Vielzahl der Varianten, die möglich ist. Punkt. 3. April 12

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Konni Fuzius spricht

 

Endlich entschlüsselt! Das Geheimnis

glücklicher Beziehungen: "Wenn Du eine

hast, genieße es. Wenn Du keine hast,

genieße es." 1. April 12

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Was bin ich?

Bin vor kurzem ein Jahr älter, ein paar Kilo leichter und um einige Gedanken ärmer geworden und wenn es denn unbedingt einen griffigen Titel bräuchte, um mich zu orten, dann wäre es wohl „Deutscher Buddhist“. Das klingt allerdings, als wäre da wider die Natur, etwas zusammengewachsen, was nicht zusammengehört. Der Buddhismus ist ja nicht einmal eine ordentliche Religion, sondern ein philosophischer Ansatz, der so unendlich viele Traditionen, Schulen und Übertragungslinien hervorgebracht hat, dass sich ein durchschnittlicher deutscher Wanderer unmöglich darin zurechtfinden kann, auch nicht mit Karte. Das fängt schon mit dem Basisvokabular an. „Liebe“ klingt für unser Empfinden entweder romantisch-verkitscht oder esoterisch-verheult (verboten-katholisch ist dann die österreichische Variante nach Thomas Bernhard). Mit „Weisheit“ assoziieren wir eher lange weiße Bärte und „Mitgefühl“ ist für uns definitiv zu praktisch. Das klingt so ... machbar. Dann doch lieber die Liebe. Die kann man sich schön groß und unerreichbar machen. Ich erinnere mich noch gut, denn seinerzeit habe ich leidenschaftlich Witze darüber gemacht: Der Buddhismus in Deutschland hatte in den frühen Achtzigern seine Pionierzeit. Der Rest der bewusst sein wollenden Bevölkerung fühlte, heulte und brüllte in Therapieworkshops und viele unschuldige Kissen starben als Stellvertreter für „Irgendwas“ einen unehrenhaften Tod. Mann, Frau und Ich begaben sich auf die Suche nach Authentizität, Selbstverwirklichungsspielplätzen und der schuldig gebliebenen Anerkennung durch die eigenen Eltern. Ein, für unsere Verhältnisse, recht komplizierter Prozess, denn eigentlich sind wir kein Volk der Zwischentöne. Mit „Jawoll! Ja!“ oder aber „Nicht mit mir!“ stecken wir in der Regel unser Spielfeld kantengenau ab, ernennen die Linienrichter und mindestens einen Feind. Relativ gesehen, gibt es uns schon: Kalle und Malle, FC Bayern und Borussia Dortmund, Lauterbacher Strolch-Camenbert und Rotkäppchen Sekt. Kein Schöpfergott, kein Satan, keine Seele: die buddhistischen Nichtvorhandenheiten sind etwas schwer verständlich für eine Mentalität, die gern weiß wo der Hammer hängt, welches Dach gedeckt werden soll und wer schuld ist an dem ganzen Schlamassel. Ob ich eine Lösung für dieses Problem habe? Nein, aber "welches Schweinderl hätten's denn gern"? 30. März 12

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Konni Fuzius spricht

 

Es gibt Sätze, die sind erschreckend

blutleer: "Der Markt für Mittagssnacks

wächst europaweit." 3. März 12

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An und für mich geht's ihm gut

Seit 4 Monaten bin ich in Berlin, arbeite und lebe bei Dharma Mati, einem tibetisch-buddhistischen Zentrum meines Lehrers Sogyal Rinpoche. Ich übe mich in Gleichmut, Geduld und Microsoft Office (was für einen Designer eine ziemliche Herausforderung ist). Wie das so ist, mit fast 50 noch mal was ganz Neues anzufangen? Ehrlich gesagt, es ist ... wunderbar ... meistens! Mancher fragt mich, wie es ihm wohl geht, dem Mann der aus der Werbung und der Wetterau in die Hauptstadt kam. Was macht er so den ganzen Tag, ausser Sitzen und Meditieren und sich an die eigene Nase fassen, die es aus buddhistischer Sicht ja gar nicht wirklich gibt? Nun, ich arbeite, esse und schlafe wie die meisten anderen Menschen auch. Im Moment sitze ich in meinem Zimmer, höre Eric Burdon, genieße lecker Nudeln mit einer Sahne-Senf-Sauce und nehme einfach zu  - an Einsichten und an Gewicht. Die „Auflösung des Ego“ als Kampfansage bringt leider nicht automatisch die überflüssigen Pfunde zum Schmelzen. Aber, wenn es nicht mehr so wichtig ist, toll zu sein - und es gibt viele subtile Spielarten „toll sein“ zu wollen - entsteht eine uneitle Art von Schönheit, Gelassenheit und Attraktivität. Abnehmen werde ich trotzdem, soviel Disziplin muss sein und ausserdem habe ich nach wie vor einen Spiegel im Bad. Ob ich ab jetzt nie mehr wütend, deprimiert oder ungerecht sein werde? Nö, aber ich arbeite dran. Wer also meine Knöpfe oder „Gefällt mir“ drücken will, kann das gerne tun. Ich schätze beides. 28. Februar 12

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Schwesterherz

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Konni Fuzius spricht

 

"Es ist gut, Menschen dort abzuholen

wo sie stehen. Manche verpasst man aber,

weil sie nicht dort stehen wo man sie

vermutet hat."

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Aufgeräumt

Habe heute die letzte Autoladung meiner Bad Nauheimer Wohnung nach Berlin gefahren. Ich hatte mir drei Tage Zeit genommen, gut zu sortieren und wegzuwerfen, was schon seit Jahren in irgendwelchen Kisten ein trauriges Dasein fristete. Dabei sind mir ein paar alte Texte in die Hände gefallen, und einen davon gebe ich zu seinem 10-jährigen Bestehen hier mal zum Besten:

 

„Im Sommer stinkt es zum Himmel und im Winter frieren sie sich den Arsch ab. Wer hat wirklich Lust Müllmann zu sein? Und doch hat es etwas schönes, die Männer in ihren strahlend orangenen Anzügen zu sehen: Kumpels mit einem trotzigen Stolz. Sie laufen dem Monstrum von Müllauto hinterher wie das lorenz‘sche Gänsekücken der vermeintlichen Mutter. Sie wissen, wo sie hingehören. Es scheint, als hätten sie immer soviel Verbindung zur Mutter, wie es die unsichtbare Nabelschnur zulässt. Sie füttern ihre Mama, ein nimmersattes Ungeheuer, dass knirschend und gierig alles in sich aufnimmt.“

 

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Konni Fuzius spricht

 

"Zur richtigen Zeit

am richtigen Ort zu sein,

kann auch richtig

langweilig werden."

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Groß- und Kleinschreibung

Mir gehts heute großartig und ich bin grundlos glücklich. Nicht wie ein Idiot, der debil vor sich hin grinst und nicht weiß, warum oder worüber ... oder vielleicht doch, ein wenig in dieser Art. Ein einfacher Mensch, der sich nicht unnötig viele Gedanken darüber macht, wie groß oder klein er ist. Great! Wahre Größe steckt ohnehin im Detail, nicht im Kleingedruckten, aber im Kleinteiligen oder anders gesagt: In jeder Zelle und jedem Atom ist der Plan für das große Ganze enthalten. Das kann ich nicht beweisen, das ist einfach nur ein schöner Gedanke, ein Potpourri aus vielen Puzzleteilen meiner Hirnaktivitäten, Sozialisation, Gelesenem, Gehörtem und Gefühltem. Gaaanz großes Kino hat auch mal klein angefangen: Humphrey Bogart musste immer auf einem Schemel stehen, um mit Ingrid Bergmann auf Augenhöhe zu sein, und der aktuelle Titel des deutschen Ärzteblatts klingt wie ein Film mit Matthias Schweighöfer: „Vorhofflimmern!“ Der Zusammenhang? Keiner! Das sind einfach nur Krümelassoziationen, denn jeder sollte ein Stück vom großen Kuchen abkriegen: Torten, Tortellini, Tarantel, Tic Tac Toe, Tinnitus, Was ich geraucht habe? Nix, bin einfach nur gut gelaunt und leicht im Unterhalten. Gutes Neues, Euch allen, Groß und klein!

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Alles Gute

Vor ein paar Tagen habe ich ein amerikanisches Video gesehen über die Machenschaften der Mächtigen. Die Thesen fasse ich mal grob zusammen: Wir werden seit Beginn des letzten Jahrhunderts von einer kleinen Clique krimineller amerikanischer Bankerfamilien regiert, die alle Schlüsselindustrien wie Energie, Ernährung, Pharma und zudem das Bildungswesen beherrscht und seit jeher jede Erfindung und Entwicklung, die ohne die Ressourcen Öl, Atomkraft oder Kohle auskommt, unterdrückt oder verschwinden lässt und vielleicht sogar 9/11 inszeniert hat, um eine Legitimation dafür zu haben, das amerikanische Volk zu kontrollieren und unliebsame Zeitgenossen, unter dem Vorwand des Terrorverdachts, aus dem Verkehr zu ziehen. Soviel zur Achse des Bösen. Je nachdem wie man es pointiert, klingt es nach einer paranoiden Verschwörungstheorie oder aber ... nicht wirklich überraschend. Der Motor aller Machtausübung ist die Angst - die vor Bedeutungslosigkeit auf der Seite der Herrschenden und die vor Heimatlosigkeit auf der Seite des „Volkes“, was mir auch eine Erklärung für die zum Teil übersteigerte Sehnsucht nach Eigenheimen zu sein scheint. Der Erwerb derselben wiederum wird künstlich verteuert und besteuert, um Menschen möglichst bis zum Ableben in der Abhängigkeit von Geld zu halten. „Gebt dem Kaiser was des Kaisers ist!“ Der Urheber dieses kettensprengenden Ausspruchs hat heute Geburtstag. Jenseits der niedlichen Ochsundeselkrippenromantik, über die man zur Zeit in den Einkaufszentren stolpert, wünsche ich ihm, Annemarie und uns allen alles Gute, innere Freiheit und ein Zuhause - vor allem in uns selbst.

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Wattehattedudedada?

Don‘t be a Maybe - be Marlboro. Der Dadaismus ist zurück, jene Kunstform die in den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts den „totalen Zweifel an allem, absoluten Individualismus und die Zerstörung von gefestigten Idealen und Normen“ postulierte. Neider und selbsternannte Kulturkritiker sprechen hysterisch von einer gefährlichen Infantilisierung und Verblödung unserer Gesellschaft und leugnen die therapeutische Heil- und Sprengkraft, die der Botschaft von Marlboro zugrunde liegt. „Sei kein Vielleicht - sei Marlboro“ lässt konsequent keine Ausflüchte zu und offenbart eine Wahrheit, die unter die Haut geht - nackt, nekrotisch und nikotinhaltig. Bleibt zu hoffen, dass auch andere Branchen den Mut haben, sich Ihrer gesellschaftlichen Verantwortung zu stellen und den Innovator Marlboro kopieren: „Don‘t make shit - eat chocolade“ stünde Ritter Sport gut an oder „Don‘t break even - blow your job“ der Deutschen Bank. Endlich mal wieder eine Kulturrevolution, die man sich gut reinziehen kann!

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Eieiei!

 

 

Als Kontrapunkt zum Adventsgeklingel 

und weil es einfach so zu mir kam, hier

ein Liebesgedicht der etwas deftigeren Art.

Danke an Elke K. für's Vorgackern!

 

 

 

 

Die dicksten Eier

 

Erinnerst Du den Bauern,

der immer wieder sprach,

er hätt‘ die dicksten Eier,

obwohl‘s Kartoffeln war‘n.

 

Und immer wieder tat er,

als gäb‘ es einzig ihn,

den Meister aller Meister,

den Kaiser Cholesterin.

 

Wie ein Sack voll Mücken,

gab er stetig an.

Sein einziges Verzücken

galt ihm, als Eiermann.

 

Doch dann bei einer Feier,

hat‘s eine mal gesagt:

Nicht Kartoffel und nicht Eier,

Du bist es, den ich mag.

 

Oft werden wir versklavt

von unserer Prahlerei.

Schön, wenn‘s die Liebe wagt

und uns daraus befreit.

 

 

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Alles Banane

Zwei neue Reifen, inklusive Aufziehen und Auswuchten? Das macht, mit unserer Rabattaktion, 333,- Euro. Wie, schon wieder Rabatt? Wo sind denn eigentlich die ganzen normalen Preise hin? Sind die alle krank? Nun, ich habe was gespart und bei meinem überraschend geplatzten Vorderreifen kommt mir das gerade recht. Aber eigentlich ist die Ersparnis vor allem eine gefühlte. Das Thema ist ja bekannt: Ein System, das seine Existenzberechtigung daraus zieht, immer schneller Neues zu produzieren und dies immer unkomplizierter und billiger zum Konsum zur Verfügung zu stellen, hat seine Grenzen und schafft neben viel Müll auch viel Sinnloses. Und weil wir nicht nur immer neue Produkte „brauchen“, sondern diese auch mit immer neuen Versprechungen gekoppelt sein müssen, betten wir das Ganze noch in einen emotionalen Claim ein. Bei der deutschen Wiedervereinigung war das: „Freiheit ist, wenn alle Bananen essen dürfen!“ und schon waren alle Grenzen überwunden, zumindest die des Konsums. Wir wissen um die Absurdität der Situation, aber wir wollen es nicht glauben und erlauben der Werbung, zu unserem Gebet zu werden und ihre Slogans werden zu unbewussten Mantren. Die Postfilialen nerven seit Jahren ungestraft jeden Kunden in jeder Geschäftsstelle in Ost und West mit der Frage, ob man denn nicht ein Konto bei der Postbank haben möchte. Die Mitarbeiter scheinen mir recht gut geschult, denn ich habe schon etliche, nicht stereotyp sondern authentisch wirkende Postbankanmachen erlebt: „Ein Konto bei der Postbank, wäre das nicht was für Sie? Denken Sie mal drüber nach. Ich bin noch bis 18 Uhr hier an Schalter 4.“ Ich nehme es meist mit Humor und antworte meinem baggernden Gegenüber mit dem Satz: „So wie Sie das sagen, fühle ich mich richtig schlecht, so ganz ohne Postbankkonto!“, aber eigentlich wäre eine angemessene Reaktion: „Ich zeig‘ Dich an, Du ...!“ oder die Frage: „Haben Sie auch Bananen im Angebot?“

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Konni Fuzius spricht

 

"Wahrheit braucht kein gutes Marketing,

aber jedes gute Marketing braucht ein

Minimum an Wahrheit."

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Eigentor

Für die Fussball-EM in der Ukraine „säubern“ die Behörden die Straßen von streunenden Hunden und entsorgen sie, teils noch lebendig, in Verbrennungsmobilen. Das ist grausam und nur eine von etlichen schlechten Nachrichten. Tödliche Krankheiten, Tierquälerei, soziale Ungerechtigkeit, Kriege und das ganze andere Elend – wir leiden an und in dieser Welt. Und wir neigen dazu, anderen vorzuschreiben, wie sie sich auf dem Spielfeld zu verhalten haben, welcher Grad der Empörung die Regel ist. Während Menschen auf der Intensivstation einsam sterben, leiden andere darunter, dass sie seit Monaten keinen Sex mehr hatten. Beides kann furchtbar sein – wer hat das Recht zu definieren, was richtig schlimm ist? Die buddhistischen Philosophien unterscheiden zwischen relativer und absoluter Ebene. Die relative ist unsere gewohnheitsmässige Verstrickung in die Polaritäten und ist der Bereich, den wir als die einzig wahre und beweisbare Realität wahrnehmen. Dort ist Leiden Teil des Tagesgeschäfts. Das Absolute jedoch, beschreibt unser eigentliches Wesen und Potential, die Natur unseres Seins, an der es nichts zu verändern gilt, sondern lediglich zu erkennen. Hier ist eigentlich alles gut und entspannt, doch solange wir nicht erkannt haben, arbeiten wir uns auf der relativen Ebene ab, machen unsere Hausaufgaben und Fehler. Sich davor zu drücken „giltet“ nicht. Aber, was ist denn nun der Maßstab für ein angemessenes Verhalten? Ich persönlich finde es hilfreich, alles was mir begegnet als einen Spiegel zu verstehen, der mir bei näherem Hinsehen zeigt, was ich mit dem Geschehen zu tun habe. Ob das dann zur Folge hat, dass man eine Petition unterschreibt, kein Fussball mehr guckt oder ins Gebet geht, sollte jedem selbst überlassen bleiben.

 

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Tot und lebendig

Manche kennen sie vielleicht noch, die Steckbriefe aus den Italowestern, auf denen in Cowboyhut großen Lettern zu lesen war: WANTED - Dead or alive! "Tot oder lebendig", das ist seit Corona, Klimakatastrophe und jetzt dem Ukrainekrieg und anderen schon bekannten Krisenherden mal wieder ein beliebtes Motto. Schwarz oder Weiß, dazwischen gibt es nichts, denn Zwischentöne verwässern einen klaren Standpunkt. Irgendwo wissen wir eigentlich alle, dass die Realität bunter ist als erlaubt und Leben und Tod etliche Nuancen haben. Sterben wir nicht alle täglich, unseren kleinen Tod? Jede Erfahrung trägt den Keim der Veränderung in sich und jede Veränderung hat das Potenzial für neue Lebendigkeit. Unsere Zellen erneuern sich einmal komplett alle 90 Tage. Jeden Morgen wachen wir also als ein anderer Mensch auf. Das Abenteuer ist menschlicher Alltag. Und es liegt an uns, das zu fürchten oder zu genießen oder eben beides. 6. April 22

 

DEAD AND ALIVE

 

 

Some of you may remember them, the wanted posters from the Italian westerns that read in cowboy hat-sized letters: WANTED - Dead or alive! “Dead or alive” has once again become a popular motto since coronavirus, the climate catastrophe and now the Ukraine war and other well-known trouble spots. Black or white, there is nothing in between, because nuances dilute a clear point of view. Somewhere, we all know that reality is more colorful than permitted and that life and death have many nuances. Don't we all die our little deaths every day? Every experience carries the seed of change and every change has the potential for new vitality. Our cells renew themselves completely once every 90 days. So every morning we wake up as a different person. The adventure is everyday human life. And it is up to us to fear it, enjoy it or both.

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Verschwommen

Vorgestern war mein Geburtstag und als ich in der Morgendämmerung dieses jährlich wiederkehrenden Jubiläums noch mal eine gemütliche Drehung unter meiner Decke meistern konnte – halb gewahr, dass die Tatsache aufzuwachen alles andere als selbstverständlich ist – habe ich Folgendes beobachtet. Im Halbschlaf und bevor die Vernunft sehend das Kommando übernehmen kann, sind sie schon da, die nörgelnden Stimmen mit ihren Befürchtungen und Prognosen für den noch jungen Tag. Einfach so, aus Gewohnheit, weil sie halt ein Abo haben. Ich öffnete meine Augen und realisierte, dass die Sonne scheint, mein Zimmer nicht zerbombt und der Weg zur Dusche frei ist und ich ohne Schmerzen aufstehen und meinen Weg zum Zähneputzen gehen kann. Da habe ich entschlossen, zu meinen eigenen Stimmen zu sprechen und gesagt: "Ihr habt alle euren Platz, aber jetzt haltet mal für einen Moment die Klappe!" Und in dieser selbst verordneten Stille war auf einmal Platz für ein Wort: DANKE! 15. März 22

 

BLURRED

 

The day before yesterday was my birthday and as I mastered another cozy turn under my covers at the dawn of this annual anniversary - half aware that the fact of waking up is anything but a given - I observed the following. Half asleep and before reason can take over, they are already there, the nagging voices with their fears and predictions for the still young day. Just like that, out of habit, because they have a subscription. I opened my eyes and realized that the sun was shining, my room wasn't bombed, the path to the shower was clear and I could get up without pain and make my way to brush my teeth. That's when I decided to speak to my own voices and said, “You all have your place, but now shut up for a moment!” And in this self-imposed silence, there was suddenly room for one word: THANK YOU! 

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Freundschaft

Er war mal wieder für zwei Tage zu Besuch, mein alter Freund aus Hamburg. Wir kennen uns seit 26 Jahren. Er ist jetzt in seinen Siebzigern und wir sehen uns einmal im Jahr in Berlin, wenn er auf Deutschlandtournee ist, um seine Freunde zu treffen. Und dann sitzen wir in unserem Lieblings-Café und bringen uns auf den aktuellen Stand über das, was wir erlebt haben, wie wir die Welt gerade sehen, was uns sorgt, was uns lebendig und bei Laune hält, wie es uns geht mit der Pandemie und dass wir vielleicht schon bald sterben werden. Habe ihm erzählt von meinem neuen Projekt als Trauerredner, dass ich drei Monate im Retreat war, dass es gerade schwierig ist, mit meinen Töchtern und wie sehr ich mich freue, eine tiefe Verbindung mit ihm zu haben, obwohl wir uns nur einmal im Jahr treffen. Wir reden über Gott und die Welt, Kaffee und Kuchen, den gemeinsamen Schmerz über dieses und jenes, persönliche Verantwortung und die Lust am unartig sein. Und wenn wir uns dann trennen und zum Abschied umarmen, spüre ich, dass es Dinge gibt, die nicht online gehen und … das ist gut so! 23. November 21

 

FRIENDSHIP

 

He was visiting for two days, my old friend from Hamburg. We've known each other for 26 years. He's now in his seventies and we see each other once a year in Berlin when he's on tour in Germany to meet his friends. And then we sit in our favorite café and catch up on what we've experienced, how we see the world in the moment, what worries us, what keeps us alive and in good spirits, how we're doing with the pandemic and that we might die soon. I told him about my new project as a funeral speaker, that I had been on retreat for three months, that it was difficult with my daughters at the moment and how happy I was to have a deep connection with him, even though we only meet once a year. We talk about God and the world, coffee and cake, the shared pain of this and that, personal responsibility and the pleasure of being naughty. And when we part and hug goodbye, I feel that there are things that don't go online and ... that's a good thing!

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Nichts bleibt, wie es ist

Ich mag es ja, wenn die Dinge in Bewegung sind. Doch wenn das für mich persönlich heißt, dass mein Komfortzonen-Abo nicht mehr verlängert wird, dann bin ich nicht mehr gaaaanz so geschmeidig. Das ist nicht schmeichelhaft für mich, aber die Wahrheit. Wie auch immer, in diesem Blog gibt es zum 10-jährigen Jubiläum einen neuen Fokus oder Nuancen zu den Themen, die ich bisher im Visier hatte. Nach dem Tod einer lieben und langjährigen Kollegin im August dieses Jahres war ich überraschend in der Situation, eine Trauerrede zu halten, weil das einer ihrer letzten Wünsche war. Das war eine kraftvolle und berührende Erfahrung und hat dazu geführt, dass ich das weiterentwickeln möchte und auch in meinem Blog ein Zuhause geben möchte. Eigentlich ist das nicht so überraschend, denn spätestens mit Band 2 von „ganzkurznur“ und der Zusatzzeile „später ist gleich vorbei“ hatten die Themen Vergänglichkeit und Neuanfang einen sichtbaren Platz in meinem Schreiben. Ich halte euch auf dem Laufenden! https://holgersieler.de 25. Oktober 21

 

NOTHING STAYS THE SAME

 

I like it when things are in motion. But for me personally, if that means that my comfort zone subscription is no longer renewed, then I'm not so smooth anymore. It's not flattering for me, but it's the truth. Anyway, on this blog's 10th anniversary, there's a new focus or nuance to the topics I've been focusing on. After the death of a dear and longtime colleague in August of this year, I was unexpectedly in the position of giving a eulogy because that was one of her last wishes. It was a powerful and touching experience and has led me to want to develop this further and also give it a home on my blog. Actually, that's not so surprising, because at the latest with volume 2 of “ganzkurznur” and the additional line “später ist gleich vorbei”, the themes of transience and new beginnings had a visible place in my writing.

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Der Anfang ist nah

Donald Trump ist bald raus, aber nicht die Menschen, die ihn als Präsidenten wollen und durchaus berechtigte Fragen und Anliegen an die amerikanische Gesellschaft haben. Der Impfstoff ist auch schon da und das sind wahrscheinlich keine Fake-News. Wir setzen oft Fakten mit Wahrheit gleich und gehen davon aus, dass es einen allgemeinen Konsens geben muss, wenn alle das Thema nur ausreichend untersucht und das Ergebnis dessen dann (an)erkannt haben. Sooo einfach ist das nicht und das finde ich auch gut so. Fakt ist für mich, dass alle Wesen leben und nicht leiden wollen, aber darüber hinaus müssen Konsens oder Schnittmengen zum Teil hart erarbeitet werden, denn wir haben ja nicht alle die gleiche Ausgangssituation und die gleiche Wahrnehmung der Dinge. Ich zum Beispiel bin ein verwöhnter Mitteleuropäer, der befriedigende Arbeit, eine warme Wohnung, Zugang zu sauberem Wasser, gesundem Essen und sozialen Kontakten hat und bisher nicht mit Corona infiziert ist. Diese Kombi ist ein Luxus, den mindestens 70 % der restlichen Welt nicht haben. Dass es ein Ungleichgewicht in der Verteilung von Ressourcen und Wohlstand gibt, ist auch keine Frühfolge der Pandemie. Was mich etwas sorgt, ist die starke Polarisierung beim Thema Covid-19. Klar, die Bedrohung ist real und da schaltet der Sympathikus in unserem vegetativen Nervensystem schon mal automatisch auf „Angriff oder Flucht“. Dazwischen gibt es nichts! Wenige Zwischentöne sehe ich oft auch in der gesellschaftlichen Diskussion um angemessene Maßnahmen. Es sollte erlaubt sein, einen skeptischen Blick z. B. auf die Folgen der Lockdowns und der verordneten Isolation für alte und kranke Menschen, aber auch Kinder und Jugendliche zu haben, ohne als Verschwörungstheoretiker oder Aluhutträger etikettiert zu werden. Mich persönlich wundert, dass es einen starken Fokus gibt, wieder eine Normalität herzustellen, die wir uns z. B. in puncto Klimawandel gar nicht mehr leisten können. Ich weiß an vielen Punkten nicht, wie es weitergehen kann, habe keinen Plan oder Konzept, nicht mal eine Meinung. Das Ende ist ja immer nah, aber nicht gleich zu wissen, könnte auch ein Anfang sein für neue Ideen. 2. Januar 21

THE BEGINNING IS NEAR

Donald Trump will soon be out, but not the people who want him to be president and who have legitimate questions and concerns for American society. The vaccine is also already here and this is probably not fake news. We often equate facts with truth and assume that there must be a general consensus if only everyone has investigated the topic sufficiently and then (recognized) the result. It's not that simple and I think that's a good thing. For me, the fact is that all beings want to live and not suffer, but beyond that, consensus or intersections sometimes have to be worked out hard, because we don't all have the same starting point and the same perception of things. I, for example, am a spoiled Central European who has a satisfying job, a warm apartment, access to clean water, healthy food and social contacts and has not yet been infected with corona. This combination is a luxury that at least 70% of the rest of the world does not have. The fact that there is an imbalance in the distribution of resources and prosperity is also not an early consequence of the pandemic. What worries me a little is the strong polarization when it comes to Covid-19. Of course, the threat is real and the sympathetic nervous system in our vegetative nervous system automatically switches to “attack or flight”. There is nothing in between! I often see a few nuances in the social discussion about appropriate measures. We should be allowed to take a skeptical view, for example, of the consequences of lockdowns and prescribed isolation for the elderly and sick, as well as children and young people, without being labeled a conspiracy theorist or an alarmist. Personally, I am surprised that there is a strong focus on restoring a normality that we can no longer afford when it comes to climate change, for example. At many points, I don't know how things can continue, I have no plan or concept, not even an opinion. The end is always near, but not knowing right away could also be a start for new ideas. 
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Die Geometrie der Diktatur

Jetzt sage ich auch mal was zu diesem Trumpel, obwohl es kaum einen Winkel gibt, aus dem das Phänomen noch nicht beleuchtet und analysiert wurde. Der, dessen Name immer genannt werden möchte – der blonde Lord – ist vielleicht eine bizarre Karikatur des Kapitalismus und die Kühlerfigur für den Untergang dieses Auslaufmodells. Aber eine Gesellschaft, die letztlich nur die Besten und Stärksten als wertvoll achtet, ist logischerweise von Rassismus, Sexismus und Lobbyismus durchzogen. Insofern ist er nicht der Erfinder aller Themen, für deren Lösung er sich als Heiland anpreist, aber die oberflächliche Geometrie seines Weltbildes kann uns einen tieferen Einblick verschaffen in die amerikanische Gesellschaft, die europäischen Verstrickungen, als auch unsere persönliche Positionierung. Ich habe noch nie so viel erfahren über Amerika, wie in den letzten Wochen, und so viel lebendige Demokratie wahrgenommen, wie sie sich nun im Widerstand gegen Trump manifestiert. Am Ende welches Tages auch immer wird man ihm dafür vielleicht noch danken müssen. Interessant ist aber auch, dass es anscheinend einen „liberalen“ Konsens gibt, ihn als faschistisches Monster zu deklarieren, das unterhalb jeder Gürtellinie beschimpft und entmenschlicht werden darf. Klar, das tut er ja auch, aber das bringt uns seiner Gesinnung näher, als uns lieb sein sollte, und lenkt ab vom Wesentlichen: unserer eigenen Verantwortung, Handlungsfähigkeit und Freude am Lebendigen. 5. Februar 17

 

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Keine Gute Nacht

Das war kein einfacher Tag. Es ist 00:44 Uhr und normalerweise liege ich jetzt schon im Bett, aber es gab heute drei Ereignisse, die mich aus dem Takt gebracht haben. 1. Ein alter Freund aus Frankfurt liegt seit einer Weile in der Diabetes Klinik und soll morgen entscheiden, ob er einer Teilamputation zustimmt. Erreicht hat mich seine Nachricht über facebook. 2. Eine Freundin aus Kassel hat gerade ein Jobangebot ausgeschlagen, dass sie eigentlich gerne annehmen würde, aber sie hat noch Obstbäume und Eltern in Nordhessen, die sie nicht im Stich lassen möchte. 3. Ich habe eine Buchrezension geschrieben und mich mehr als nötig und erlaubt am Text eines anderen Autors orientiert. Besagte Autorin hat sich nun gemeldet und zu Recht gefragt, wie ich denn dazu komme ihr geistiges Eigentum ungefragt mit meinem zu vermischen. Mich dafür zu schämen ist angemessen, aber dass ich darunter subjektiv mehr leide als unter der drohenden Fußamputation bei meinem Freund macht mich schon nachdenklich. Leid fühlt sich immer Scheiße an: Ob ich seit Monaten keinen Sex mehr habe oder morgen meine Hinrichtung ist, macht in dem Moment der Erfahrung des Leids wohl keinen so großen Unterschied. So sind wir halt. Diese drei Situationen parallel zu erleben, hat mich irgendwie irritiert und gleichzeitig inspiriert zu dem ersten Blogeintrag seit langer Zeit. Dafür nehme ich jetzt mal eine kurze Nacht in Kauf, ohne zu wissen, was ich daraus nun wirklich lerne. 28. Juni 16

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Pro Aging

Schon wieder ein Jahr vorbei? Nicht nur zum Jahresende lauern sie an jeder Ecke, die Versprechungen der Jünger des Anti Aging, der ewigen Jugend und der fast makellosen Schönheit. Was aber macht man mit soviel Jugendlichkeit und dem scheinbar verlängerten Leben? Am besten investiert ist die gewonnene Zeit sicherlich in weitere verjüngende Massnahmen, denn Anti Aging ist eine lebenslange Mission und nur Heilige sind dauerhaft alterslos. Etwas für seine Fitness zu tun, ist sicherlich ein Zugewinn an Lebensqualität, nur habe ich den Verdacht, dass der Nutzen dieser Qualität, kaum zum Tragen kommt, weil man so beschäftigt ist mit dem Jungbleiben. Mittlerweile gibt es gar den Begriff des Seenagers (eine knackige Melange aus Teenager und Senior). Ich würde mir manchmal mehr reife Begegnungen, faltige Zwischentöne und weiße Entscheidungen wünschen und dass wir mal Langeweile für einen Moment aushalten. Mein Mitbewohner Robert dagegen, hat heute offen bekannt, dass ihm Altern keinen Spass macht und das Nachlassen der Kräfte und die Zunahme von Falten verklärt wird zum Symbol einer wunderbaren Reifung. Wirklich mögen tue das keiner und sei lediglich das Credo einer konfusen Anti-Anti-Aging-Bewegung. Tja, wo bitte gehts hier zur Mitte? 30. Dezember 15

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Endlich wieder Futter

Es gibt Themen, die sind recht hartnäckige Begleiter auf unserem Weg zu einem guten Leben. Einer dieser Dauerbrenner ist ERNÄHRUNG. Nein, nicht der Welthunger ist gemeint, sondern der gemeine Hunger, bzw. Appetit der Wohlstandsbürger wie du und ich. Appetit (von lat. appetitus cibi „Verlangen nach Speise“) beschreibt wikipedia als einen „... psychischen Zustand, der sich durch das lustvoll geprägte Verlangen, etwas Bestimmtes zu essen, auszeichnet“, also z.B. Lebkuchen oder Schwarzwälder Kirschtorte. Doch in 80% der Fälle macht sich schuldig, wer ißt: an der Natur, den ausgebeuteten Tieren und Menschen und/oder der eigenen Gesundheit. Klar, gibt es da graduelle Unterschiede und trotzdem ist das einer der Zwickmühlen unserer neurotischen Zeit. Statt nun über die anderen Neurotiker zu lästern, veröffentliche ich mal meine Favoriten aus der Serie „Gesund ernähren und länger leben“: Metabolic Balance, Life Plus, Paleo, Samurai, fleischfrei, glutenfrei, alkoholfrei, rauchfrei, vegan. Das sind viele gute Ideen, die man aus meiner Sicht kreativ kombinieren kann, aber einigen dieser „Systeme“ wurden schon hohe Belastungen an Schwermetallen, wie Dogma und Ignoranz, nachgewiesen. Ich mache gerade was Abgefahrenes, nämlich eine Abspeckrunde zur Weihnachtszeit. Am 24.12. werde ich mich dann vielleicht wie neugeboren fühlen. Das hat außerdem den Charme, dass ich nicht von Januar bis August 2016 über meinen Weihnachtsspeck jammern werde. Naja, jedem das Seine und allen Freude, Frieden und Wohlbefinden - ob mit oder ohne Idealgewicht. Sterben werden wir trotzdem, denn wie schon Patrul Rinpoche sagte: „Der Tod ist wirklich. Er kommt ohne Warnung. Dieser Körper wird ein Leichnam sein.“ Doch dazu blogge ich dann vielleicht zu Ostern. 13. Dezember 15

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Unerwartet

Lag eigentlich schon im Bett und hatte mich darauf eingerichtet, dass der Tag zu Ende ist und ich ab morgen einfach meinen Urlaub geniesse. Na dann ... Gute Nacht! Da lässt mich mein Smartphone von meiner Jüngsten wissen, dass wir uns am Wochenende nun doch nicht sehen werden - zusammen mit ihren Schwestern in Bamberg - weil sie ziemlich angeschlagen ist. Ich habe im April meinen letzten Blogeintrag geschrieben, war seitdem mit Leben beschäftigt und fand auch nichts wirklich so bedeutend, als dass es die Dringlichkeit gehabt hätte im Blog mitgeteilt zu werden. Und nun sitze ich, ganz überraschend, aufrecht im Bett und bin ... wach. Korruption, Massentierhaltung, Julien Blanc will nach Deutschland kommen, genmanipulierte Kommentare setzen sich unerlaubt in unseren Köpfen fest - trotz Kennzeichnungspflicht, Brasilien ist das neue Bayern und Eric Burdon singt gerade „Mother Earth ist waiting for you“. Das lässt mich nicht kalt, aber ich habe gelernt, damit umzugehen. Das globale Geschehen ist durch die neuen Medien vermeintlich nah und gibt einem das Gefühl, an allem beteiligt zu sein. Man muss es nur wollen und anklicken oder eine Petition auf Change.org unterschreiben. In einer Welt, in der mittlerweile fast alles nach Marketingregeln funktioniert, Begehrlichkeit generiert oder mir mein Engagiertsein attestiert wird, bin ich über vieles im Bilde und habe eine Meinung zu fast allem. Letztlich aber bleibe ich irgendwie fremd. Und dann kommt da etwas ganz einfach so daher und verwirrt mich. Was soll ich dazu sagen? Danke! 19. November 14

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Konni Fuzius spricht

 

 

"Die Formel für wirkliche Freiheit?

Gib alles und erwarte nichts!" 13. April 14

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Antifa Breakfast

War heute das erste Mal vegan-vegetarisch frühstücken am Prenzlauer Berg. Die politisch korrekte Suchmaschine Ixquick empfahl das Cafe Kollektiv. Der Weg dorthin erwies sich als eine skurril-literarische Reise durch die Welt der linksdrehenden Denkkulturen. Es ging vorbei an Läden wie „Who killed Bambi?“ mit dem Slogan „My cat smells like Bruce Willis“, dem „Falaffel Ufo“ und dem „DAZZL Danz Club“. Godot hat jetzt ein Lokal in der Kastanienallee und „Fahrrad Linke“ ist in der Szene etabliert – seit 1912. Nachdem ich den „Buchladen zur schwankenden Weltkugel“ passiert hatte, war mein heutiges Klassenziel erreicht: Frühstück! Im Regal des Cafes präsentierten sich Magazintitel mit Namen wie „an.schläge“, „Entfesselt“, „Fight“ und die Frankfurter Rundschau. Das Flair erinnerte mich an meine Frankfurter Zeit in den Achtzigern. Die Besucher sahen ähnlich aus: Ein aufgeschlossenes und politisch interessiertes Publikum. Nicht mehr ganz so verkifft und/oder verbissen wie seinerzeit. Nur ich bin offensichtlich 30 Jahre älter geworden. 1982 begann die Ära Helmut Kohl, der HSV war Deutscher Meister und Ronald Reagan gab den amerikanischen Präsidenten im Pentagon. Rich Skrenta, ein 15-jähriger Schüler, schrieb den ersten Computervirus für Apple II und Klassenfeind Nr. 1 war Nicole, die mit einem peinlichen „Ein bisschen Frieden“ den Grand Prix gewann. Ich demonstrierte in Bonn gegen den Natodoppelbeschluss und hörte auf der Demo abstruse Sätze wie: „Ich will nicht nur ein bißchen Frieden, wie diese Nicole. Ich will den totalen Frieden. Sofort!“ Das Frühstück heute? Naja, das würde ich meinem Klassenfeind rüberschieben, wenn ich denn einen hätte. In meinem Alter schaut man eher nach Klassenkameraden auf Facebook oder reflektiert die eigenen Gewohnheiten und Geisteszustände. Nicole würde das heute vielleicht schmecken. Wer weiss das schon? 22. März 14

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Konni Fuzius spricht

 

 

"Wenn ich schon nicht

verstehe, dann will ich

wenigstens Recht haben" 18. Februar 14

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Abgrund

Ich habe Marko das letzte Mal gesehen beim Abi-Treffen 2007. Der Junge, der in den Siebzigern mit mir in einer Straße in der Waldsiedlung gewohnt, und wie ich auch, im mittelalterlich beschaulichen Büdingen sein Abitur gemacht hat, wanderte irgendwann nach Australien aus und hat sich vor ein paar Wochen entschieden, nicht mehr weiterzugehen. Ich glaube, wir haben zusammen Judo trainiert und er war ziemlich talentiert, aber das hat wohl keine Relevanz mehr, wenn man entschlossen ist nicht mehr zu kämpfen. Über Facebook hatten wir dann wieder Kontakt, haben einander „geliked“ und ein wenig erfahren von dem jeweils Anderen am jeweils anderen Ende der Welt. Wer gibt schon zu, dass er einsam ist im worldwideweb? Ich meine nicht die Einsamkeit an gesellschaftlichen Rändern, sondern die in den ganz normalen Verhältnissen, wo harmloser Alltag zum Zombie mutiert. In einer globaliserten Welt, in der alles zusammenwachsen soll zu einer Gemeinschaft von Weltbürgern, ist, so scheint mir, viel Raum für große Visonen und wenig Platz für kleine Zweifel. Für alles gibt es gute Gründe oder zumindest einen Plan. Das ist aber nur die von meiner Wahrnehmung und Erfahrung gefärbte Version einer möglichen Motivation, sich das Leben zu nehmen. Jeder hinterlässt eine Spur in den Köpfen und Herzen der Menschen die einem begegnet sind, wie kurz oder intensiv die Begegnung auch immer gewesen sein mag. Meine Erinnerung an Marko? Geradlinig, klug und traurig warst Du und ich mochte Dich - eigentlich grundlos.  22. Januar 14

 
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Swing!

Die Dinge sind ständig in Bewegung. Der Bus fährt los, wenn die Ampel grün ist und der Notarzt macht sich auf den Weg, wenn man ihn ruft. Die Tasse aus der ich trinken wollte, ist gerade runter gefallen und Alfred heisst jetzt Alma. Ein Schulfreund in Australien ist gestorben, Russlands Bevölkerung dürfte 2025 auf rund 150 Millionen wachsen und Gregory Porter, den ich bis gestern noch gar nicht kannte, singt gerade "Moving". Meine Blutfettwerte sind niedriger als bei der letzten Untersuchung, meine Lendenwirbel haben sich ohne meine Erlaubnis quer gelegt und die Fußflächen knicken leicht nach außen. Jan empfiehlt mir mehr Bewegung und in der Meditation wende ich, wenn alles gut läuft, den Blick nach innen. Bin ganz schön cool geworden mit der Zeit und nicht mehr so leicht zu erschüttern. Gut so ... und schade! Täglich sterben Millliarden Tiere in den Schlachthöfen, unzählige Menschen verlieben sich und einige davon laufen in ihr Unglück. Es ist leicht, sich in dieser Welt zu verlieren und schwer, einfach mal leicht zu sein. Meine Töchter lernen gerade, dass die Tigerente niemals einen Aufsichtsratsposten bekommen wird und dass Mut zur Veränderung alles ist, aber nicht alles. In Finnland sitzen in diesem Moment 222 Kinder auf Schaukeln und lachen ... einfach so. Die CD von Gregory Porter heisst übrigens „Liquid Spirit“ und Lisa hat sie für mich gebrannt, obwohl sie gerade ganz andere Sorgen hat. Wollte heute eigentlich gar keinen Blogeintrag schreiben, sondern Lisa trösten. Swing! 12. Januar 14

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Konni Fuzius spricht

 

"Du kannst über jeden schreiben, mit dem Du verbunden bist. Das ist Poesie. Du kannst aber auch über jeden schreiben, mit dem Du nicht verbunden bist. Das ist Tageszeitung." 18. Dezember 13

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Mahlzeit

An den Umsätzen der beiden großen Fleischindustrien - der Massentierhaltung und der Pornographie - lässt sich einiges ablesen. Beiden liegt das Prinzip der Gier und der Abspaltung zugrunde: Immer hungrig und getrennt von einer Beziehung zu den Wesen, die wir begehren oder ... einfach essen. Das ist die Bilanz einer Gesellschaft, die alles als Ware verpackt, die jederzeit und unlimitiert verfügbar ist, wenn man bezahlt. Wir Menschen sind ja eher eine Minderheit unter den Erdlingen. Für unsere Ökobilanz und die Schädlingsbekämpfung wäre es durchaus folgerichtig, wenn wir anfangen würden, nicht mehr unsere Mitbewohner auf diesem Planeten, sondern uns selbst zu essen. In den Händen der richtigen Werbeagentur, wäre das sogar ein realisierbares Projekt: „Nur das Beste - Eat yourself!“ könnte der Claim lauten. Gut sediert mit einer professionellen Teilanästhesie, lecker gewürzt, paniert, gegrillt und mit Doppelt-Käse überbacken, könnten wir anfangen unseren rechten Arm zu verzehren. Die dann nötigen Prothesen könnten Zalando und Amazon (versandkostenfrei!) verschicken. Jede Menge Extra-Apps, die der normale menschliche Arm nicht zu bieten hat, wie z. B. eine W-Lan-Verbindung und die aktuellen Bundesligaergebnisse im 5D-Display, würden sicherlich ihre Fans finden und zu Clubgründungen führen. Das Verzehren des eigenen Arms als Initiationsritual und Einstieg in eine bessere Welt könnte der Beginn einer segensreichen Selbstelimierung der Spezies „Konsument“ sein. Gruselig? Ja! 22. September 13 

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Konni Fuzius spricht

 

"Nicht mehr zu funktionieren,

kann ein Grund zur Sorge

oder zur Freude sein." 2. Mai 13

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Konni Fuzius spricht

 

 

"Die Dinge werden kompliziert, wenn

du etwas nur für dich haben willst" 14. April 13

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Halbzeit

Gestern, am 13. März 2013, ist es ganz plötzlich passiert: Ich bin 50 geworden und wir sind nicht mehr Papst, weil uns ein Argentinier, vor Ablauf der vorgesehenen Spielzeit, abgelöst hat. Nein, nicht Diego Maradona, der ist zwar Argentinier aber bereits 52 und viel kleiner als der Jesuitenpater Jorge Mario Bergoglio, der künftig als Papst Franziskus den Verein Vatikan trainieren oder zumindest so platziert werden wird. Der aktuelle Stern-Titel nutzt die Gunst der Stunde und hofft mit einem eigenen Magazin-Facelift und dem Titel „Ich liebe Gott und eine Frau. Katholische Priester fordern vom neuen Papst: Befrei uns endlich vom Zölibat“ einen guten Einstieg in die neue Saison. Was wird hier eigentlich gespielt? Wenn die A-Jugend in Nieder-Mörlen am Wochenende gegen den benachbarten Verein aus Steinfurth antritt und sich anschliessend betrinkt, weil sie verdient gewonnen oder dummerweise verloren hat, ist die Welt noch überschaubar. Spätestens ab der Bezirksliga werden die Dinge dann komplexer. Kaiser Konstantin manifestierte mit dem Toleranzedikt von Mailand 313 die Verstrickung von Kirche und Staat und seitdem wissen oftmals nicht mal die vermeintlichen Strippenzieher, welche Fäden sie wirklich in der Hand halten. Mein Tipp an alle Spieler, Trainer und Päpste: Fragt doch mal die Vögel. Der heilige Franz von Asissi hat das seinerzeit auch getan und von dem spricht man noch heute. 14. März 13

 

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Konni Fuzius spricht

 

 

"Wirklich verbessern 

kann man sich nur, wenn

man Fehler macht." 26. Februar 13

 

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Kunstgriff

Habe Picassos Biographie auf YouTube gesehen und einige überraschende Gedanken gehabt. Ich bekam Lust darauf, wieder zu rauchen, genial zu sein und mehrere Frauen zu haben, die mich in meiner Kunst inspirieren und Kinder von mir kriegen wollen. Soviel zum romantisierenden Part. Mein Blick auf die Kunst ist geprägt vom oft schmerzhaften Spagat zwischen Genie und Wahnsinn, erfolgreich sein oder Taxi fahren, bei Sinnen sein oder psychotisch. Ich wurde seinerzeit dann doch lieber Designer, bin jetzt glücklich verbunden mit einem tibetisch-buddhistischem Zentrum in Berlin und wirklich sinnstiftenden Inhalten. Ich werde demnächst 50, meine Midlife-Crisis hat dann ihr 10-jähriges Jubiläum und mein erstes waghalsiges Kunstprojekt liegt somit schon mehr als 25 Jahre zurück. 1987 gründete ich, während meines Grafikdesign-Praktikum im Frankfurter Societätsverlag, die Galerie 24 im Gallusviertel und schickte Studenten der Frankfurter Kunstakademie „Städel“ an die Ausstellungsfront, weil ich mich selbst nicht für verrückt genug hielt, um gute Kunst zu machen. Die Vernissagen waren seinerzeit durchaus beliebt, was möglicherweise auch an der Auswahl der Weine lag. Jetzt postuliere ich mal im WWW, dass der Auftrag der Kunst ist, zu insistieren und zu irritieren, weil wir freiwillig nichts hören oder sehen wollen, was ausserhalb unserer Gewohnheiten liegt. Viel Glück und viel Segen allen, die genau das zu ihrem Projekt machen. Die Botschaft für hier und heute? Wartet nicht darauf, dass eine Botschaft euch dazu bewegt zu handeln oder eine Entscheidung zu treffen. 17. Februar 13

 

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Konni Fuzius spricht

 

"Ich bin um einiges entspannter, seit mir meine

Vergänglichkeit nicht mehr vorrangig erschreckend,

sondern natürlich erscheint. Das Finanzamt und

meine Lebensversicherungsgesellschaft sind nun

ein wenig besorgt um mich." 1. Februar 13

 

 

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Konni Fuzius spricht

 

 

“Du kannst mir vertrauen.“

sagte die Motorsäge zum Baum.

"Ich arbeite gründlich.“ 27. Januar 13

 

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Massenware

Wir haben eigentlich von allem zuviel und trotzdem keine gute Verbindung zu ... nichts und niemanden. Laut dem vom BUND und der Heinrich Böll Stiftung herausgegebenem „Fleischatlas“ isst jeder Deutsche durchschnittlich 1049 Tiere in seinem Leben. Satt oder gar zufrieden sind wir trotzdem nicht. Fleischeslust scheint mir aber auch in anderer Hinsicht in der Sackgasse: „Fick mich!“ geht uns leichter von der Zunge als „Liebe mich!“. Liebe klingt viel zu langsam und verbindlich für das 21. Jahrhundert. Wir fahren Autos, nutzen Handys, tragen Klamotten nur so lange sie „trendy“ sind und haben uns entschieden, uns mit nichts zu ausführlich zu beschäftigen, weil das nächste Update ja schon morgen kommen kann. Mein Blog ist einer von Millionen und die Zahl der Neuerscheinungen in den Verlagen ist „Unendlich + X“. Jeder kann sagen, was ihm gerade durch die Birne geht, zu jeder Zeit, auf allen Kanälen und wenn die Klicks entsprechend hoch sind, gibt es das Gütesiegel „Erfolgreich“. Ein Hoch auf die Vielfalt ... der Armut. Das Thema ist nicht neu - ein industrialisierter Konsumwahn, der vor allem eines perfekt produziert: Hunger auf allen Seiten, denn nur Unzufriedenheit generiert neue Gier. Vielleicht ist unser Problem aber auch, dass wir darauf konditioniert sind, in absoluten Lösungen zu denken und kleine Schritte oder Linderungen als unwürdig empfinden. Wer bin ich, das für andere zu beurteilen? Mein Schritt für hier und heute ist, Fleisch nur noch höchstens zwei mal die Woche zu essen und die Tiere, die ihr Leben gelassen haben für mein Mittagessen, nicht einfach nur gedankenlos in der Pause runterzuschlingen. Klein, aber mein. 13. Januar 13

 

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Spaßbremse

Noch zwei Tage, dann knallts! Darf ich mal ehrlich sein? Ich finde Partys eher anstrengend als aufregend. Man versucht sich in eine Stimmung zu bringen, von der man am nächsten Tag ganz schnell wieder runterkommen muss, damit man sein normales Leben wieder aushält. Ekstase als Jahresübergangs- oder Endzeitritual ist bestimmt eine coole Sache ... für Hyperaktive, Drogendealer und professionelle Partyveranstalter. Es ist nicht so, dass ich nicht gerne feiern würde, aber „Party“ wird meist schleichend zum Schmarotzer, der seiner Wirtspflanze bis zum Koma suggeriert, dass sie Teil eines nie enden wollenden Orgasmus ist, dass Alleinsein gestern war und ab jetzt nie wieder kommen wird. Party! Nicht mehr allein sein zu dürfen, finde ich einen schlimmen Gedanken, vor allem wenn die Parole aus dem Megaphon der Partymacher dröhnt. Einsamkeit ist sicher die Wurzel vieler Krankheiten, guter Literatur, genialer Kunst und Amokläufe, Thema vieler Fachartikel aller Disziplinen, der Grund für den Verkaufserfolg aller unsinnigen Produkte und ... die Initialzündung für viele Partys. Ein ziemliches Schwergewicht, also. Einsamkeit ist kein einfacher Koalitionspartner und wird keinesfalls die Regierungsverantwortung für mein Leben übernehmen - so lange mich keiner zwingt Spaß zu haben - auf Partys. 29. Dezember 12

 

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Messerscharf

Ich mag Amerika nicht! Aus Prinzip! Weil dieses Land für mich Ausbeutung, Dummheit und die Achse des Bösen symbolisiert. So einfach ist das. Ich mag Jazz, Blues und Morgan Freeman. Keine Angst, die Kurve nehme ich locker, denn bei diesen „Likes“ handelt es sich im Ursprung um eíne Kultur der Sklaven, mit denen ich mich gerne solidarisiere. Hatte nun heute überraschend einen Systemzusammenbruch, ausgelöst von einem genialen Schneidegerät namens „Olfa-Cutter 300“, welches mir beim Zuschneiden von 480 g/qm-Glückwunschkarten sehr nützlich war. Eine Klinge, die stabil und geschmeidig zugleich durch die Führungsschiene gleitet und eine Justierschraube aus Messing (!) hat mich singend mein Tage- und Schneidewerk vollenden lassen: Halleluja und Merry Christmas. Ich fantasierte einen kleinen schwäbischen Familienbetrieb als Urheber und Halter dieser Tradition, die ebendiese Messer schon seit 400 Jahren produziert und das Geheimnis der Messingschraube wird erst am Sterbebett an die nächste Generation weitergegeben. So habe ich mir das vorgestellt oder anders gesagt: „I had a dream“. In Realität handelt es sich bei Olfa um eine amerikanische Firma, die genial gute Cutter produziert und in den USA und Kanada vertreibt. Vielleicht ist die Liebe zum Handwerk und zum Detail, als auch der Wunsch etwas nützliches und gut funktionierendes zu schaffen ja ein menschliches Grundbedürfnis, jenseits von Vertriebssystemen, Verkaufsstrategien und Gewinnmargen. Wie auch immer - I love it! 26. Dezember 12

 

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In the mood

Hatte einen freien Tag und ... schlechte Laune. Ich weiss, das ist illegal aber so war es halt. Nach einem Studentenfrühstück (sprich um 14 Uhr) im Literaturhaus in der Fasanenstrasse habe ich mich mit einer 11 Jahre alten CD von Prince in Stimmung gebracht: The Rainbow Children. Sehr empfehlenswert! Habe jetzt hautfarbene Kompressionsstrümpfe, was für mich früher gleichbedeutend war mit alt sein, sehr alt. Ob Prince wohl mittlerweile orthopädische Schuheinlagen trägt? „In the mood“ ist ein Klassiker von Glenn Miller aus den Vierzigern des letzten Jahrhunderts, den ich 1975 als zwölfjähriger Jazzfan vor dem Einschlafen in meinem alten Röhrenradio gehört habe. Ich wusste, dass das nicht wirklich so ist, aber ich stellte mir vor, dass die Big Band von Glenn Miller hinter dem fluoreszierendem Grün der Glasscheibe, auf der alle Radiosender horizontal abzulesen waren, ungefähr auf der Höhe von Hilversum saß und für mich spielte. Eben las ich einen interessanten Post über Orang Utans in der Midlife Crisis und beim Anklicken des dazugehörigen Links landete ich aus Versehen auf der Nachricht von Gruner + Jahr, mit der Botschaft, dass man die Financial Times Deutschland einstellen wird. So macht Krise dann doch irgendwie Spaß. Zurück zu den Affen: Junge Schimpansen starten frohgemut ins Leben, werden dann im mittleren Erwachsenenalter immer missmutiger und im höheren Alter wieder besser gelaunt. Der Tiefpunkt liegt bei durchschnittlich 31,9 Jahren, also vergleichbar mit dem menschlichen Wohlfühl-Minimum, das bei 45 bis 50 Jahren liegt. So stand es im Orang Utan Post von Elke. Schlechte Laune so stehen zu lassen, ohne Urteil, Analyse und Rettungsschirm ist nicht die gewohnte Vorgehensweise. Ich mache es jetzt einfach mal - ohne Hoffnung und Furcht. 20. November 12

 

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Konni Fuzius spricht

 

"Man kann warten, bis man

so gewürdigt wird, wie es

einem angemessen erscheint

oder ... leben." 21. Oktober 12

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Konni Fuzius spricht

 

"Die schönste Zeit

meines Lebens ist jetzt, 

denn nur jetzt kann ich

mich noch verändern." 12. Oktober 12

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Männersachen

Hamburg, Wind und Regen, + 13 Grad: die Frisur hält! Ich habe seinerzeit die Regentropfen in „Stirb langsam 2„ gedoubled und war auch schon mal zwei Regenwochen lang mit einem keuchhustenden Kleinkind im Urlaub an der Nordsee – bin also fast wasserdicht. Schön, mal wieder in der Hansestadt zu sein. Mache meinen alldreijährlichen Männer-TÜV (nein, keine Kneipentour und auch keine Kneippkur), sondern 4 Tage auf unterschiedlichen Hebebühnen mit Laboruntersuchungen, Herzecho, Akupunktur und chinesischen Kräutertees. Das heisst, Oberkörper freimachen und die Seele baumeln lassen. Zum Frühstück genieße ich Hansebäckerbrötchen und die Allerwelt- und Weltallgespräche mit meinem Arzt und guten Freund Jan. Gestern Abend habe ich das erste Mal in meinem Leben einen Action-Film auf einem 62-Zoll-Bildschirm gesehen. Es ging um einen Typen der dauernd in Schwierigkeiten geriet, dabei immer gut angezogen und frisiert war, viele schöne Frauen um sich hatte, aber keine Zeit für sie, denn er musste seinen Job erledigen. Also ähnlich, wie ich das in Berlin auch mache, nur in Dolby-Surround und auf 135 Minuten komprimiert. „It‘s a Mans World“ und ich liebe es! EKG und Blutwerte sind soweit ganz gut und in zwei Tagen bin ich wieder in der Bundeshauptstadt, werde am Vorabend die Hemden bügeln, meine Morgenmeditation machen und dann gehts weiter mit „The Holg 4.9“ 6. Oktober 12

 

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Gute Laune

Hatte heute zwei Begegnungen von ähnlichem Geschmack. Begegnung 1: Einer meiner Berliner Facebookfreunde hat mich schon vor einer Weile für den kommenden Samstag zu seinem „Symposium der Vergreisung“ (= 51. Geburtstag) eingeladen und jetzt überraschend und etwas dramatisch im Forum FB angekündigt, dass er seinen Blog nie wieder schreiben und Facebook, Twitter & Co. für immer den Rücken kehren wird. Begegnung 2: Cleopatra (Name von der Redaktion geändert) hat heute beim Pfannenschwenken in der Gemeinschaftsküche darüber philosophiert, dass Frauen die Tendenz haben, die Dinge zu lange und zu oft zu wenden, bevor sie sich sicher sind, dass Ihr Entschluss, etwas zu tun oder vielleicht doch zu lassen, auch nachhaltig und längerfristig (heute + 30 Jahre) Bestand hat. In beiden Situationen habe ich mich zeitweise etwas hilflos gefühlt, weil in meinem System die Botschaft ankam: „Tu etwas dafür ... oder dagegen!“ Da will sich einer eliminieren und eine andere will weitere 30 Jahre warten, bevor sie sich traut zu leben. Das macht keinen Spass und meine Ansage für jetzt, hier und Euch beide ist: „Macht doch was IHR wollt und fragt mich einfach, wenn Ihr WIRKLICH mal eine Zweitmeinung braucht.“  19. September 12

 

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Konni Fuzius spricht

 

 

„Banal, aber wahr! Nach dem Tod

gibt es keine Last-Minute-Angebote

mehr und auch keine Sammelalben.“ 16. September 12

 

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Konni Fuzius spricht

 

 

"Dass Dir jemand Verständnis

entgegenbringt, heisst nicht zwingend,

dass er verstanden hat" 3. September 12

 

 

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Was soll's?

War heute mit Herrn L. aus der Nähe von F. (alias Alex aus Berlin) und auf Einladung von beiden beim Fantasy Filmfest. Der Streifen, der im Cinemaxx am Potsdamer Platz gegeben wurde, hieß „Piranha 3DD“ und war ziemlich lausig bezüglich Skript, Schauspielerleistung und Special Effects, aber Rettungsschwimmer David Hasselhoff, der sich selbst köstlich persiflierte und der Professor aus „Zurück in die Zukunft“ Christopher Lloyd machten das Ganze zu einem kultigen Kinonachmittag. Von etwas längerer Halbwertzeit waren die Gespräche beim Pasta-Essen und dem Kaffeeschlürfen nach dem Kino. Wir hatten eigentlich keine grossen Ambitionen, aber auf einmal hatten wir eine Gruppensitzung mit Kinogängern, Beobachtern, Drehbuchautoren, Grafik-Designern, Bloggern, U-Bahnfahrern, Söhnen, Vätern, Buddhisten, Zweiflern und Spannern und im Hin und Her zwischen etlichen Rollen, Konzepten und Sichtweisen stand da zwischen uns beiden auf einmal die Frage: „Warum schreibst Du eigentlich noch?“ Und während uns das Werbebanner eines vorbeifahrenden Bus mit der Frage, ob denn der Po juckt, konfrontierte und die sicherlich beste aller Cortisoncremes als lindernde Lösung anbot, dachte ich, dass es darum geht einen Ausdruck zu finden und immer wieder zu pointieren, damit einen die anderen und man sich selbst besser versteht. So in der Art habe ich das heute nachmittag gemeint, aber jetzt beim Schreiben klingt mir das ein wenig zu sozialpädagogisch. Deshalb nehme ich mir mal die Piranhas 3DD als Vorbild und sage: „Etwas mehr Biss, bitte!“ 25. August 12

 

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Memopause

In memorian to my Dad! Darf man über den Tod seines Vaters bloggen? Keine Ahnung, aber ich tue es weil es a.) passiert ist und mich verändert hat, b.) es mir ihn und meine Schwester näher gebracht hat, als es zu Lebzeiten möglich gewesen wäre und c.) weil ich ohnehin nichts zu schreiben hätte, was skandalös oder entwürdigend wäre. Und d.) weil ich glaube, dass wir in unserer Gesellschaft dringend nicht nur Lebens- sondern auch Sterbensqualität entwickeln sollten, denn ausser Micky Maus und Gott wird es jeden treffen - garantiert. Mein Papa war ein wunderbarer und seltsamer Mensch zugleich. Er hat mir gezeigt, wie man beim „Mensch ärgere Dich nicht“ unauffällig schummelt, Stühle polstert, sich geschmackvoll anzieht, die richtige Beize anmischt, und sich viele Gedanken macht. Er hatte eine Disziplin, die mich als Sohn oft genervt, aber im Prozess seines Sterbens Bewunderung und Respekt für seine wahrhaft königliche Haltung im Angesicht des Todes gelehrt hat. Ich weiss nicht sicher, ob er einverstanden wäre mit meinem Blogeintrag, aber das nehme ich auf meine Kappe, denn ich bin der Nächste in der Ahnenreihe der gehen aber erst einmal bleiben und hoffentlich nützlich und wirkungsvoll sein wird. Wo auch immer Du jetzt bist: „Be happy! Be well!“ 15. August 12

 

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Konni Fuzius spricht

 

„Nach der Hand zu schnappen, 

die einen füttert, kann der

Beginn einer wunderbaren

Freundschaft sein.“ 13. Juni 12

 

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Wartezimmer

Ich hatte heute den Gedanken, dass wir oft auf die richtigen Umstände oder Zutaten warten, die zusammenkommen müssen, damit wir handeln können. „Lebe jetzt und den Moment“ ist das Credo vieler Facebook-Einträge, Philosophien, Verkaufsstrategien und ... Klugscheißer. Wir halten Handlung und Wirksamkeit oft für identisch, aber etwas zu unterlassen kann ja durchaus auch eine wirkungsvolle Handlung sein. Eben hatte ich noch das deutliche und beglückende Gefühl „Jetzt verstehe ich etwas mehr!“ und war dann ganz plötzlich wieder verstrickt in die Komplexität aller möglichen Ablenkungen und ... die Meinung der Anderen (die Werbung nennt das Vielfalt und/oder Konsumfreiheit). „Das ist schwach!“ lautet mein Urteil, wobei ich mich im Moment etwas trainiere, nicht zu schnell und zu allem eine Meinung zu haben. Der Flachs, den Dornröschen zu Gold spinnen sollte, war dick genug um allen alle möglichen Märchen zu erzählen, aber die feinen Fäden, die es zu halten gilt bei der Frage „Wann soll ich handeln und wann noch etwas warten?“ ist jenseits von Goldspinnerei und in der Grauzone eines Selbstverwirklichungsdrucks, der vor allem eines will – toll sein. Oder anders gesagt: „Du Mensch? Also Angst!“ Was soll ich sagen? „Nur Mut!“ 11. Juni 12

 

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Ganz kurz nur

Ich beobachte, dass ich Energie darauf verwende, „richtig“ zu sein, statt die Klappe zu halten, wenn es nichts zu sagen gibt. Im Kontext der sozialen Medien ist es tabu, die Klappe zu halten weil das Medium davon lebt, dass man sich fortlaufend artikuliert oder über das Drücken bestimmter digitaler Knöpfe, seinen Mut oder Unmut zum Ausdruck bringt. Man könnte natürlich auch einfach mal den Rechner NICHT hochfahren. Steve Jobs ist tot. Bill Gates wird sterben. Frank Zappa war dabei und mein Vater hat, wenn die Prognose der Ärzte stimmt, noch ein paar Wochen. Es geht ihm nicht gut, aber wir haben die letzten Tage viel Zeit miteinander verbracht, über Tod, Verderben und die 70er Jahre in vielen Facetten gesprochen, gelacht über die Absurditäten der Welt, die „stramme“ Ärztin aus der Hanauer Onkologie und die Kurzsichtigkeit von Walter Ulbricht und Otto Grotewohl. Danke, Papa! 10. Juni 12

 

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Konni Fuzius spricht

 

 

"Wir haben alle gute

Gründe für unser Verhalten.

Selbst Mörder haben das." 24. April 12

 

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Unglaublich

Ohne Superlativen wäre die Werbung impotent. Ohne unser Potential zur Neujustierung von Gewohnheiten gäbe es nicht eine einzige wirksame Therapieform, und ohne die Fähigkeit zum Staunen keine Religion oder Spiritualität, und wir alle würden ewig so bleiben, wie wir sind. Ob sich das beruhigend oder erschreckend anfühlt? Alle siebzehn Möglichkeiten sind vorstellbar! Wie lange die Ewigkeit dauert ist Chefsache - sollte man glauben. „Meine nächste Beziehung wird 10 Jahre jünger sein als ich!“ Zack! So schnell fällt man aus dem Beuteschema. Die Frau, die kurz vorher noch meine Lachs-Sahne-Sauce gelöffelt und anschließend besungen hat, setzt Signale nach denen ich gar nicht gefragt hatte. „MEINE nächste Beziehung wird 33 Jahre alt sein. fließend finnisch und hebräisch sprechen und Fälkja oder Wasa heißen“ hätte ich gekontert, wenn es mir in dem Moment eingefallen wäre. So schreibe ich es halt einige Tage später auf und sehe es als Inspiration für eine weitere amüsante Geschichte in Band 2 von „Ganz kurz nur“. Wie wir an unseren Wünschen festhalten, auch wenn uns andere oder unerwartete Optionen begegnen, ist manchmal kurios. Dass ich dieses Spiel auch immer wieder spiele, ist aus intellektueller Sicht erstaunlich, aus einer Perspektive der gesunden Neugier unglaublich und wenn ich meinen Briefträger fragen würde, müsste ich diesen Blogeintrag löschen, denn wahrscheinlich würde er sagen: „Worum geht‘s hier eigentlich?“ oder „Ein Paket von Amazon ... für Fössel.“ 19. April 12

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Konni Fuzius spricht

 

 

"Kreativität ist kein Softskill,

sondern eine Grundhaltung." 12. April 12

 

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Super

1,72. Das wäre die denkbare Größe von Jesus Christus, als er vor fast 2000 Jahren von den Römern ans Kreuz geschlagen wurde und 1,72 ist auch der Benzinpreis, der heute am Karfreitag 2012 an den Tankstellen angeschlagen steht. Beiden gemein sind zwei Schlüsselwörter: Freiheit und Anbetung. Über den Altaren der christlichen Welt hängt das Kreuz als Symbol des Mensch gewordenen Gottes, der sein Leben gab, um das Leiden aller auf sich zu nehmen. Das Auto hingegen ist der Altar selbst, Objekt der Anbetung oder auch das goldene Kalb auf vier Rädern. Es läßt den lustvoll leiden, der sich ihm hingibt. Eine Obsession in Lack und Kunstleder. Die Bezeichnung Automobil ist eigentlich irreführend, denn durchschnittlich bewegen wir unsere fahrenden Altare lediglich eine Stunde am Tag. Den Rest der Zeit arbeiten wir dafür, Benzin, Verschleissteile, Steuer, Versicherung und die Finanzierung des Nachfolgemodells zu sichern und vielleicht noch die Garage, damit der Glanz unseres Lieblings lange strahlt. ES steht derweil nur rum, frisst stumm und mit grinsender Motorhaubenfratze unser Geld und verliert stündlich an Wert. WIR nennen das dann Freiheit. Manchmal denke ich, dass grenzenlose Freiheit eine Illusion ist, die ihre Wirkung aus der Versklavung ihrer Anhänger zieht - ein Papamobil, dass sich als ein Perpetuum Mobile ausgibt. Nun ja, jede Bewegung braucht einen Antrieb und Brennstoff. Frohe Ostern allen in Stadt und Land und auf den Straßen! 6. April 12

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Konni Fuzius spricht

 

"Einsichten entstehen in einem

tiefgehenden und existentiell-

philosophisch-therapeutischen

Prozess oder ... einfach beim Kacken." 4. April 12

 

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Leseschwäche

Neulich wurde ich mal wieder gefragt, ob ich denn dieses oder jene Buch gelesen hätte, was ja so ganz in der Tradition von und typisch für, wenn es auch ein wenig inkonsequent im Duktus und Geist dieser etwas verqueren Grundhaltung daherkommt, aber es trotzdem schafft, den Leser ein- und mitzunehmen? „Nein, habe ich nicht gelesen, ich schreibe lieber.“ Das tue ich nicht mal aus irgendeiner Antihaltung heraus, sondern weil ich es einfach mag. Ich bin halt kein fleissiger Leser. Natürlich braucht man Inspiration, denn nur aus sich heraus zu schreiben, lässt einen schnell austrocknen und irgendwann dreht man sich nur um sich selbst und seine kleinen neurotischen Welten und Satelliten. Meinen Input hole ich mir weniger lesend, sondern eher beobachtend z. B. über Menschen wie Jost, die viel lesen und die ich fragen kann, was ich denn so verpasst habe, in den letzten Lesesaisons. Das kann ich ganz unverschämt abfragen, denn die wirklich Belesenen haben keinen Grund, andere mit Ihrem Wissen zu beschämen. Jost wird nach eigener Schätzung noch eine Lebensspanne von zusätzlich 300 Jahren brauchen, um die Bücher zu lesen, die er sich mit durschschnittlich zehn ausgesuchten Neuerscheinungen monatlich ins Haus holt. Beeindruckend, aber nicht mein "Style". Ich bin auch nicht gut im Kommasetzen und bringe lieber die Inhalte auf den Punkt. Ich finde das auch nicht schlimm, denn ich lebe ja mitten in Deutschland, im Land der Fußnotenfetischisten, Quellenangabenquengler und KOMMAndanten. Not an Korrekturwilligen gibt es wirklich nicht. Kann schon sein, dass es irgendwo wichtig oder verständnisfördernd ist, die Zeichen der neuen deutschen Rechtschreibung zu erkennen und diese dann auch richig zu setzen. Mein Fokus ist ein anderer: ich mag das lockere Spiel mit der Sprache und die Vielzahl der Varianten, die möglich ist. Punkt. 3. April 12

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Konni Fuzius spricht

 

Endlich entschlüsselt! Das Geheimnis

glücklicher Beziehungen: "Wenn Du eine

hast, genieße es. Wenn Du keine hast,

genieße es." 1. April 12

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Was bin ich?

Bin vor kurzem ein Jahr älter, ein paar Kilo leichter und um einige Gedanken ärmer geworden und wenn es denn unbedingt einen griffigen Titel bräuchte, um mich zu orten, dann wäre es wohl „Deutscher Buddhist“. Das klingt allerdings, als wäre da wider die Natur, etwas zusammengewachsen, was nicht zusammengehört. Der Buddhismus ist ja nicht einmal eine ordentliche Religion, sondern ein philosophischer Ansatz, der so unendlich viele Traditionen, Schulen und Übertragungslinien hervorgebracht hat, dass sich ein durchschnittlicher deutscher Wanderer unmöglich darin zurechtfinden kann, auch nicht mit Karte. Das fängt schon mit dem Basisvokabular an. „Liebe“ klingt für unser Empfinden entweder romantisch-verkitscht oder esoterisch-verheult (verboten-katholisch ist dann die österreichische Variante nach Thomas Bernhard). Mit „Weisheit“ assoziieren wir eher lange weiße Bärte und „Mitgefühl“ ist für uns definitiv zu praktisch. Das klingt so ... machbar. Dann doch lieber die Liebe. Die kann man sich schön groß und unerreichbar machen. Ich erinnere mich noch gut, denn seinerzeit habe ich leidenschaftlich Witze darüber gemacht: Der Buddhismus in Deutschland hatte in den frühen Achtzigern seine Pionierzeit. Der Rest der bewusst sein wollenden Bevölkerung fühlte, heulte und brüllte in Therapieworkshops und viele unschuldige Kissen starben als Stellvertreter für „Irgendwas“ einen unehrenhaften Tod. Mann, Frau und Ich begaben sich auf die Suche nach Authentizität, Selbstverwirklichungsspielplätzen und der schuldig gebliebenen Anerkennung durch die eigenen Eltern. Ein, für unsere Verhältnisse, recht komplizierter Prozess, denn eigentlich sind wir kein Volk der Zwischentöne. Mit „Jawoll! Ja!“ oder aber „Nicht mit mir!“ stecken wir in der Regel unser Spielfeld kantengenau ab, ernennen die Linienrichter und mindestens einen Feind. Relativ gesehen, gibt es uns schon: Kalle und Malle, FC Bayern und Borussia Dortmund, Lauterbacher Strolch-Camenbert und Rotkäppchen Sekt. Kein Schöpfergott, kein Satan, keine Seele: die buddhistischen Nichtvorhandenheiten sind etwas schwer verständlich für eine Mentalität, die gern weiß wo der Hammer hängt, welches Dach gedeckt werden soll und wer schuld ist an dem ganzen Schlamassel. Ob ich eine Lösung für dieses Problem habe? Nein, aber "welches Schweinderl hätten's denn gern"? 30. März 12

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Konni Fuzius spricht

 

Es gibt Sätze, die sind erschreckend

blutleer: "Der Markt für Mittagssnacks

wächst europaweit." 3. März 12

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An und für mich geht's ihm gut

Seit 4 Monaten bin ich in Berlin, arbeite und lebe bei Dharma Mati, einem tibetisch-buddhistischen Zentrum meines Lehrers Sogyal Rinpoche. Ich übe mich in Gleichmut, Geduld und Microsoft Office (was für einen Designer eine ziemliche Herausforderung ist). Wie das so ist, mit fast 50 noch mal was ganz Neues anzufangen? Ehrlich gesagt, es ist ... wunderbar ... meistens! Mancher fragt mich, wie es ihm wohl geht, dem Mann der aus der Werbung und der Wetterau in die Hauptstadt kam. Was macht er so den ganzen Tag, ausser Sitzen und Meditieren und sich an die eigene Nase fassen, die es aus buddhistischer Sicht ja gar nicht wirklich gibt? Nun, ich arbeite, esse und schlafe wie die meisten anderen Menschen auch. Im Moment sitze ich in meinem Zimmer, höre Eric Burdon, genieße lecker Nudeln mit einer Sahne-Senf-Sauce und nehme einfach zu  - an Einsichten und an Gewicht. Die „Auflösung des Ego“ als Kampfansage bringt leider nicht automatisch die überflüssigen Pfunde zum Schmelzen. Aber, wenn es nicht mehr so wichtig ist, toll zu sein - und es gibt viele subtile Spielarten „toll sein“ zu wollen - entsteht eine uneitle Art von Schönheit, Gelassenheit und Attraktivität. Abnehmen werde ich trotzdem, soviel Disziplin muss sein und ausserdem habe ich nach wie vor einen Spiegel im Bad. Ob ich ab jetzt nie mehr wütend, deprimiert oder ungerecht sein werde? Nö, aber ich arbeite dran. Wer also meine Knöpfe oder „Gefällt mir“ drücken will, kann das gerne tun. Ich schätze beides. 28. Februar 12

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Schwesterherz

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Konni Fuzius spricht

 

"Es ist gut, Menschen dort abzuholen

wo sie stehen. Manche verpasst man aber,

weil sie nicht dort stehen wo man sie

vermutet hat."

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Aufgeräumt

Habe heute die letzte Autoladung meiner Bad Nauheimer Wohnung nach Berlin gefahren. Ich hatte mir drei Tage Zeit genommen, gut zu sortieren und wegzuwerfen, was schon seit Jahren in irgendwelchen Kisten ein trauriges Dasein fristete. Dabei sind mir ein paar alte Texte in die Hände gefallen, und einen davon gebe ich zu seinem 10-jährigen Bestehen hier mal zum Besten:

 

„Im Sommer stinkt es zum Himmel und im Winter frieren sie sich den Arsch ab. Wer hat wirklich Lust Müllmann zu sein? Und doch hat es etwas schönes, die Männer in ihren strahlend orangenen Anzügen zu sehen: Kumpels mit einem trotzigen Stolz. Sie laufen dem Monstrum von Müllauto hinterher wie das lorenz‘sche Gänsekücken der vermeintlichen Mutter. Sie wissen, wo sie hingehören. Es scheint, als hätten sie immer soviel Verbindung zur Mutter, wie es die unsichtbare Nabelschnur zulässt. Sie füttern ihre Mama, ein nimmersattes Ungeheuer, dass knirschend und gierig alles in sich aufnimmt.“

 

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Konni Fuzius spricht

 

"Zur richtigen Zeit

am richtigen Ort zu sein,

kann auch richtig

langweilig werden."

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Groß- und Kleinschreibung

Mir gehts heute großartig und ich bin grundlos glücklich. Nicht wie ein Idiot, der debil vor sich hin grinst und nicht weiß, warum oder worüber ... oder vielleicht doch, ein wenig in dieser Art. Ein einfacher Mensch, der sich nicht unnötig viele Gedanken darüber macht, wie groß oder klein er ist. Great! Wahre Größe steckt ohnehin im Detail, nicht im Kleingedruckten, aber im Kleinteiligen oder anders gesagt: In jeder Zelle und jedem Atom ist der Plan für das große Ganze enthalten. Das kann ich nicht beweisen, das ist einfach nur ein schöner Gedanke, ein Potpourri aus vielen Puzzleteilen meiner Hirnaktivitäten, Sozialisation, Gelesenem, Gehörtem und Gefühltem. Gaaanz großes Kino hat auch mal klein angefangen: Humphrey Bogart musste immer auf einem Schemel stehen, um mit Ingrid Bergmann auf Augenhöhe zu sein, und der aktuelle Titel des deutschen Ärzteblatts klingt wie ein Film mit Matthias Schweighöfer: „Vorhofflimmern!“ Der Zusammenhang? Keiner! Das sind einfach nur Krümelassoziationen, denn jeder sollte ein Stück vom großen Kuchen abkriegen: Torten, Tortellini, Tarantel, Tic Tac Toe, Tinnitus, Was ich geraucht habe? Nix, bin einfach nur gut gelaunt und leicht im Unterhalten. Gutes Neues, Euch allen, Groß und klein!

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Alles Gute

Vor ein paar Tagen habe ich ein amerikanisches Video gesehen über die Machenschaften der Mächtigen. Die Thesen fasse ich mal grob zusammen: Wir werden seit Beginn des letzten Jahrhunderts von einer kleinen Clique krimineller amerikanischer Bankerfamilien regiert, die alle Schlüsselindustrien wie Energie, Ernährung, Pharma und zudem das Bildungswesen beherrscht und seit jeher jede Erfindung und Entwicklung, die ohne die Ressourcen Öl, Atomkraft oder Kohle auskommt, unterdrückt oder verschwinden lässt und vielleicht sogar 9/11 inszeniert hat, um eine Legitimation dafür zu haben, das amerikanische Volk zu kontrollieren und unliebsame Zeitgenossen, unter dem Vorwand des Terrorverdachts, aus dem Verkehr zu ziehen. Soviel zur Achse des Bösen. Je nachdem wie man es pointiert, klingt es nach einer paranoiden Verschwörungstheorie oder aber ... nicht wirklich überraschend. Der Motor aller Machtausübung ist die Angst - die vor Bedeutungslosigkeit auf der Seite der Herrschenden und die vor Heimatlosigkeit auf der Seite des „Volkes“, was mir auch eine Erklärung für die zum Teil übersteigerte Sehnsucht nach Eigenheimen zu sein scheint. Der Erwerb derselben wiederum wird künstlich verteuert und besteuert, um Menschen möglichst bis zum Ableben in der Abhängigkeit von Geld zu halten. „Gebt dem Kaiser was des Kaisers ist!“ Der Urheber dieses kettensprengenden Ausspruchs hat heute Geburtstag. Jenseits der niedlichen Ochsundeselkrippenromantik, über die man zur Zeit in den Einkaufszentren stolpert, wünsche ich ihm, Annemarie und uns allen alles Gute, innere Freiheit und ein Zuhause - vor allem in uns selbst.

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Wattehattedudedada?

Don‘t be a Maybe - be Marlboro. Der Dadaismus ist zurück, jene Kunstform die in den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts den „totalen Zweifel an allem, absoluten Individualismus und die Zerstörung von gefestigten Idealen und Normen“ postulierte. Neider und selbsternannte Kulturkritiker sprechen hysterisch von einer gefährlichen Infantilisierung und Verblödung unserer Gesellschaft und leugnen die therapeutische Heil- und Sprengkraft, die der Botschaft von Marlboro zugrunde liegt. „Sei kein Vielleicht - sei Marlboro“ lässt konsequent keine Ausflüchte zu und offenbart eine Wahrheit, die unter die Haut geht - nackt, nekrotisch und nikotinhaltig. Bleibt zu hoffen, dass auch andere Branchen den Mut haben, sich Ihrer gesellschaftlichen Verantwortung zu stellen und den Innovator Marlboro kopieren: „Don‘t make shit - eat chocolade“ stünde Ritter Sport gut an oder „Don‘t break even - blow your job“ der Deutschen Bank. Endlich mal wieder eine Kulturrevolution, die man sich gut reinziehen kann!

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Eieiei!

 

 

Als Kontrapunkt zum Adventsgeklingel 

und weil es einfach so zu mir kam, hier

ein Liebesgedicht der etwas deftigeren Art.

Danke an Elke K. für's Vorgackern!

 

 

 

 

Die dicksten Eier

 

Erinnerst Du den Bauern,

der immer wieder sprach,

er hätt‘ die dicksten Eier,

obwohl‘s Kartoffeln war‘n.

 

Und immer wieder tat er,

als gäb‘ es einzig ihn,

den Meister aller Meister,

den Kaiser Cholesterin.

 

Wie ein Sack voll Mücken,

gab er stetig an.

Sein einziges Verzücken

galt ihm, als Eiermann.

 

Doch dann bei einer Feier,

hat‘s eine mal gesagt:

Nicht Kartoffel und nicht Eier,

Du bist es, den ich mag.

 

Oft werden wir versklavt

von unserer Prahlerei.

Schön, wenn‘s die Liebe wagt

und uns daraus befreit.

 

 

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Alles Banane

Zwei neue Reifen, inklusive Aufziehen und Auswuchten? Das macht, mit unserer Rabattaktion, 333,- Euro. Wie, schon wieder Rabatt? Wo sind denn eigentlich die ganzen normalen Preise hin? Sind die alle krank? Nun, ich habe was gespart und bei meinem überraschend geplatzten Vorderreifen kommt mir das gerade recht. Aber eigentlich ist die Ersparnis vor allem eine gefühlte. Das Thema ist ja bekannt: Ein System, das seine Existenzberechtigung daraus zieht, immer schneller Neues zu produzieren und dies immer unkomplizierter und billiger zum Konsum zur Verfügung zu stellen, hat seine Grenzen und schafft neben viel Müll auch viel Sinnloses. Und weil wir nicht nur immer neue Produkte „brauchen“, sondern diese auch mit immer neuen Versprechungen gekoppelt sein müssen, betten wir das Ganze noch in einen emotionalen Claim ein. Bei der deutschen Wiedervereinigung war das: „Freiheit ist, wenn alle Bananen essen dürfen!“ und schon waren alle Grenzen überwunden, zumindest die des Konsums. Wir wissen um die Absurdität der Situation, aber wir wollen es nicht glauben und erlauben der Werbung, zu unserem Gebet zu werden und ihre Slogans werden zu unbewussten Mantren. Die Postfilialen nerven seit Jahren ungestraft jeden Kunden in jeder Geschäftsstelle in Ost und West mit der Frage, ob man denn nicht ein Konto bei der Postbank haben möchte. Die Mitarbeiter scheinen mir recht gut geschult, denn ich habe schon etliche, nicht stereotyp sondern authentisch wirkende Postbankanmachen erlebt: „Ein Konto bei der Postbank, wäre das nicht was für Sie? Denken Sie mal drüber nach. Ich bin noch bis 18 Uhr hier an Schalter 4.“ Ich nehme es meist mit Humor und antworte meinem baggernden Gegenüber mit dem Satz: „So wie Sie das sagen, fühle ich mich richtig schlecht, so ganz ohne Postbankkonto!“, aber eigentlich wäre eine angemessene Reaktion: „Ich zeig‘ Dich an, Du ...!“ oder die Frage: „Haben Sie auch Bananen im Angebot?“

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Konni Fuzius spricht

 

"Wahrheit braucht kein gutes Marketing,

aber jedes gute Marketing braucht ein

Minimum an Wahrheit."

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Eigentor

Für die Fussball-EM in der Ukraine „säubern“ die Behörden die Straßen von streunenden Hunden und entsorgen sie, teils noch lebendig, in Verbrennungsmobilen. Das ist grausam und nur eine von etlichen schlechten Nachrichten. Tödliche Krankheiten, Tierquälerei, soziale Ungerechtigkeit, Kriege und das ganze andere Elend – wir leiden an und in dieser Welt. Und wir neigen dazu, anderen vorzuschreiben, wie sie sich auf dem Spielfeld zu verhalten haben, welcher Grad der Empörung die Regel ist. Während Menschen auf der Intensivstation einsam sterben, leiden andere darunter, dass sie seit Monaten keinen Sex mehr hatten. Beides kann furchtbar sein – wer hat das Recht zu definieren, was richtig schlimm ist? Die buddhistischen Philosophien unterscheiden zwischen relativer und absoluter Ebene. Die relative ist unsere gewohnheitsmässige Verstrickung in die Polaritäten und ist der Bereich, den wir als die einzig wahre und beweisbare Realität wahrnehmen. Dort ist Leiden Teil des Tagesgeschäfts. Das Absolute jedoch, beschreibt unser eigentliches Wesen und Potential, die Natur unseres Seins, an der es nichts zu verändern gilt, sondern lediglich zu erkennen. Hier ist eigentlich alles gut und entspannt, doch solange wir nicht erkannt haben, arbeiten wir uns auf der relativen Ebene ab, machen unsere Hausaufgaben und Fehler. Sich davor zu drücken „giltet“ nicht. Aber, was ist denn nun der Maßstab für ein angemessenes Verhalten? Ich persönlich finde es hilfreich, alles was mir begegnet als einen Spiegel zu verstehen, der mir bei näherem Hinsehen zeigt, was ich mit dem Geschehen zu tun habe. Ob das dann zur Folge hat, dass man eine Petition unterschreibt, kein Fussball mehr guckt oder ins Gebet geht, sollte jedem selbst überlassen bleiben.

 

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Tot und lebendig

Manche kennen sie vielleicht noch, die Steckbriefe aus den Italowestern, auf denen in Cowboyhut großen Lettern zu lesen war: WANTED - Dead or alive! "Tot oder lebendig", das ist seit Corona, Klimakatastrophe und jetzt dem Ukrainekrieg und anderen schon bekannten Krisenherden mal wieder ein beliebtes Motto. Schwarz oder Weiß, dazwischen gibt es nichts, denn Zwischentöne verwässern einen klaren Standpunkt. Irgendwo wissen wir eigentlich alle, dass die Realität bunter ist als erlaubt und Leben und Tod etliche Nuancen haben. Sterben wir nicht alle täglich, unseren kleinen Tod? Jede Erfahrung trägt den Keim der Veränderung in sich und jede Veränderung hat das Potenzial für neue Lebendigkeit. Unsere Zellen erneuern sich einmal komplett alle 90 Tage. Jeden Morgen wachen wir also als ein anderer Mensch auf. Das Abenteuer ist menschlicher Alltag. Und es liegt an uns, das zu fürchten oder zu genießen oder eben beides. 6. April 22

 

DEAD AND ALIVE

 

 

Some of you may remember them, the wanted posters from the Italian westerns that read in cowboy hat-sized letters: WANTED - Dead or alive! “Dead or alive” has once again become a popular motto since coronavirus, the climate catastrophe and now the Ukraine war and other well-known trouble spots. Black or white, there is nothing in between, because nuances dilute a clear point of view. Somewhere, we all know that reality is more colorful than permitted and that life and death have many nuances. Don't we all die our little deaths every day? Every experience carries the seed of change and every change has the potential for new vitality. Our cells renew themselves completely once every 90 days. So every morning we wake up as a different person. The adventure is everyday human life. And it is up to us to fear it, enjoy it or both.

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Verschwommen

Vorgestern war mein Geburtstag und als ich in der Morgendämmerung dieses jährlich wiederkehrenden Jubiläums noch mal eine gemütliche Drehung unter meiner Decke meistern konnte – halb gewahr, dass die Tatsache aufzuwachen alles andere als selbstverständlich ist – habe ich Folgendes beobachtet. Im Halbschlaf und bevor die Vernunft sehend das Kommando übernehmen kann, sind sie schon da, die nörgelnden Stimmen mit ihren Befürchtungen und Prognosen für den noch jungen Tag. Einfach so, aus Gewohnheit, weil sie halt ein Abo haben. Ich öffnete meine Augen und realisierte, dass die Sonne scheint, mein Zimmer nicht zerbombt und der Weg zur Dusche frei ist und ich ohne Schmerzen aufstehen und meinen Weg zum Zähneputzen gehen kann. Da habe ich entschlossen, zu meinen eigenen Stimmen zu sprechen und gesagt: "Ihr habt alle euren Platz, aber jetzt haltet mal für einen Moment die Klappe!" Und in dieser selbst verordneten Stille war auf einmal Platz für ein Wort: DANKE! 15. März 22

 

BLURRED

 

The day before yesterday was my birthday and as I mastered another cozy turn under my covers at the dawn of this annual anniversary - half aware that the fact of waking up is anything but a given - I observed the following. Half asleep and before reason can take over, they are already there, the nagging voices with their fears and predictions for the still young day. Just like that, out of habit, because they have a subscription. I opened my eyes and realized that the sun was shining, my room wasn't bombed, the path to the shower was clear and I could get up without pain and make my way to brush my teeth. That's when I decided to speak to my own voices and said, “You all have your place, but now shut up for a moment!” And in this self-imposed silence, there was suddenly room for one word: THANK YOU! 

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Freundschaft

Er war mal wieder für zwei Tage zu Besuch, mein alter Freund aus Hamburg. Wir kennen uns seit 26 Jahren. Er ist jetzt in seinen Siebzigern und wir sehen uns einmal im Jahr in Berlin, wenn er auf Deutschlandtournee ist, um seine Freunde zu treffen. Und dann sitzen wir in unserem Lieblings-Café und bringen uns auf den aktuellen Stand über das, was wir erlebt haben, wie wir die Welt gerade sehen, was uns sorgt, was uns lebendig und bei Laune hält, wie es uns geht mit der Pandemie und dass wir vielleicht schon bald sterben werden. Habe ihm erzählt von meinem neuen Projekt als Trauerredner, dass ich drei Monate im Retreat war, dass es gerade schwierig ist, mit meinen Töchtern und wie sehr ich mich freue, eine tiefe Verbindung mit ihm zu haben, obwohl wir uns nur einmal im Jahr treffen. Wir reden über Gott und die Welt, Kaffee und Kuchen, den gemeinsamen Schmerz über dieses und jenes, persönliche Verantwortung und die Lust am unartig sein. Und wenn wir uns dann trennen und zum Abschied umarmen, spüre ich, dass es Dinge gibt, die nicht online gehen und … das ist gut so! 23. November 21

 

FRIENDSHIP

 

He was visiting for two days, my old friend from Hamburg. We've known each other for 26 years. He's now in his seventies and we see each other once a year in Berlin when he's on tour in Germany to meet his friends. And then we sit in our favorite café and catch up on what we've experienced, how we see the world in the moment, what worries us, what keeps us alive and in good spirits, how we're doing with the pandemic and that we might die soon. I told him about my new project as a funeral speaker, that I had been on retreat for three months, that it was difficult with my daughters at the moment and how happy I was to have a deep connection with him, even though we only meet once a year. We talk about God and the world, coffee and cake, the shared pain of this and that, personal responsibility and the pleasure of being naughty. And when we part and hug goodbye, I feel that there are things that don't go online and ... that's a good thing!

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Nichts bleibt, wie es ist

Ich mag es ja, wenn die Dinge in Bewegung sind. Doch wenn das für mich persönlich heißt, dass mein Komfortzonen-Abo nicht mehr verlängert wird, dann bin ich nicht mehr gaaaanz so geschmeidig. Das ist nicht schmeichelhaft für mich, aber die Wahrheit. Wie auch immer, in diesem Blog gibt es zum 10-jährigen Jubiläum einen neuen Fokus oder Nuancen zu den Themen, die ich bisher im Visier hatte. Nach dem Tod einer lieben und langjährigen Kollegin im August dieses Jahres war ich überraschend in der Situation, eine Trauerrede zu halten, weil das einer ihrer letzten Wünsche war. Das war eine kraftvolle und berührende Erfahrung und hat dazu geführt, dass ich das weiterentwickeln möchte und auch in meinem Blog ein Zuhause geben möchte. Eigentlich ist das nicht so überraschend, denn spätestens mit Band 2 von „ganzkurznur“ und der Zusatzzeile „später ist gleich vorbei“ hatten die Themen Vergänglichkeit und Neuanfang einen sichtbaren Platz in meinem Schreiben. Ich halte euch auf dem Laufenden! https://holgersieler.de 25. Oktober 21

 

NOTHING STAYS THE SAME

 

I like it when things are in motion. But for me personally, if that means that my comfort zone subscription is no longer renewed, then I'm not so smooth anymore. It's not flattering for me, but it's the truth. Anyway, on this blog's 10th anniversary, there's a new focus or nuance to the topics I've been focusing on. After the death of a dear and longtime colleague in August of this year, I was unexpectedly in the position of giving a eulogy because that was one of her last wishes. It was a powerful and touching experience and has led me to want to develop this further and also give it a home on my blog. Actually, that's not so surprising, because at the latest with volume 2 of “ganzkurznur” and the additional line “später ist gleich vorbei”, the themes of transience and new beginnings had a visible place in my writing.

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Der Anfang ist nah

Donald Trump ist bald raus, aber nicht die Menschen, die ihn als Präsidenten wollen und durchaus berechtigte Fragen und Anliegen an die amerikanische Gesellschaft haben. Der Impfstoff ist auch schon da und das sind wahrscheinlich keine Fake-News. Wir setzen oft Fakten mit Wahrheit gleich und gehen davon aus, dass es einen allgemeinen Konsens geben muss, wenn alle das Thema nur ausreichend untersucht und das Ergebnis dessen dann (an)erkannt haben. Sooo einfach ist das nicht und das finde ich auch gut so. Fakt ist für mich, dass alle Wesen leben und nicht leiden wollen, aber darüber hinaus müssen Konsens oder Schnittmengen zum Teil hart erarbeitet werden, denn wir haben ja nicht alle die gleiche Ausgangssituation und die gleiche Wahrnehmung der Dinge. Ich zum Beispiel bin ein verwöhnter Mitteleuropäer, der befriedigende Arbeit, eine warme Wohnung, Zugang zu sauberem Wasser, gesundem Essen und sozialen Kontakten hat und bisher nicht mit Corona infiziert ist. Diese Kombi ist ein Luxus, den mindestens 70 % der restlichen Welt nicht haben. Dass es ein Ungleichgewicht in der Verteilung von Ressourcen und Wohlstand gibt, ist auch keine Frühfolge der Pandemie. Was mich etwas sorgt, ist die starke Polarisierung beim Thema Covid-19. Klar, die Bedrohung ist real und da schaltet der Sympathikus in unserem vegetativen Nervensystem schon mal automatisch auf „Angriff oder Flucht“. Dazwischen gibt es nichts! Wenige Zwischentöne sehe ich oft auch in der gesellschaftlichen Diskussion um angemessene Maßnahmen. Es sollte erlaubt sein, einen skeptischen Blick z. B. auf die Folgen der Lockdowns und der verordneten Isolation für alte und kranke Menschen, aber auch Kinder und Jugendliche zu haben, ohne als Verschwörungstheoretiker oder Aluhutträger etikettiert zu werden. Mich persönlich wundert, dass es einen starken Fokus gibt, wieder eine Normalität herzustellen, die wir uns z. B. in puncto Klimawandel gar nicht mehr leisten können. Ich weiß an vielen Punkten nicht, wie es weitergehen kann, habe keinen Plan oder Konzept, nicht mal eine Meinung. Das Ende ist ja immer nah, aber nicht gleich zu wissen, könnte auch ein Anfang sein für neue Ideen. 2. Januar 21

THE BEGINNING IS NEAR

Donald Trump will soon be out, but not the people who want him to be president and who have legitimate questions and concerns for American society. The vaccine is also already here and this is probably not fake news. We often equate facts with truth and assume that there must be a general consensus if only everyone has investigated the topic sufficiently and then (recognized) the result. It's not that simple and I think that's a good thing. For me, the fact is that all beings want to live and not suffer, but beyond that, consensus or intersections sometimes have to be worked out hard, because we don't all have the same starting point and the same perception of things. I, for example, am a spoiled Central European who has a satisfying job, a warm apartment, access to clean water, healthy food and social contacts and has not yet been infected with corona. This combination is a luxury that at least 70% of the rest of the world does not have. The fact that there is an imbalance in the distribution of resources and prosperity is also not an early consequence of the pandemic. What worries me a little is the strong polarization when it comes to Covid-19. Of course, the threat is real and the sympathetic nervous system in our vegetative nervous system automatically switches to “attack or flight”. There is nothing in between! I often see a few nuances in the social discussion about appropriate measures. We should be allowed to take a skeptical view, for example, of the consequences of lockdowns and prescribed isolation for the elderly and sick, as well as children and young people, without being labeled a conspiracy theorist or an alarmist. Personally, I am surprised that there is a strong focus on restoring a normality that we can no longer afford when it comes to climate change, for example. At many points, I don't know how things can continue, I have no plan or concept, not even an opinion. The end is always near, but not knowing right away could also be a start for new ideas. 
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Die Geometrie der Diktatur

Jetzt sage ich auch mal was zu diesem Trumpel, obwohl es kaum einen Winkel gibt, aus dem das Phänomen noch nicht beleuchtet und analysiert wurde. Der, dessen Name immer genannt werden möchte – der blonde Lord – ist vielleicht eine bizarre Karikatur des Kapitalismus und die Kühlerfigur für den Untergang dieses Auslaufmodells. Aber eine Gesellschaft, die letztlich nur die Besten und Stärksten als wertvoll achtet, ist logischerweise von Rassismus, Sexismus und Lobbyismus durchzogen. Insofern ist er nicht der Erfinder aller Themen, für deren Lösung er sich als Heiland anpreist, aber die oberflächliche Geometrie seines Weltbildes kann uns einen tieferen Einblick verschaffen in die amerikanische Gesellschaft, die europäischen Verstrickungen, als auch unsere persönliche Positionierung. Ich habe noch nie so viel erfahren über Amerika, wie in den letzten Wochen, und so viel lebendige Demokratie wahrgenommen, wie sie sich nun im Widerstand gegen Trump manifestiert. Am Ende welches Tages auch immer wird man ihm dafür vielleicht noch danken müssen. Interessant ist aber auch, dass es anscheinend einen „liberalen“ Konsens gibt, ihn als faschistisches Monster zu deklarieren, das unterhalb jeder Gürtellinie beschimpft und entmenschlicht werden darf. Klar, das tut er ja auch, aber das bringt uns seiner Gesinnung näher, als uns lieb sein sollte, und lenkt ab vom Wesentlichen: unserer eigenen Verantwortung, Handlungsfähigkeit und Freude am Lebendigen. 5. Februar 17

 

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Keine Gute Nacht

Das war kein einfacher Tag. Es ist 00:44 Uhr und normalerweise liege ich jetzt schon im Bett, aber es gab heute drei Ereignisse, die mich aus dem Takt gebracht haben. 1. Ein alter Freund aus Frankfurt liegt seit einer Weile in der Diabetes Klinik und soll morgen entscheiden, ob er einer Teilamputation zustimmt. Erreicht hat mich seine Nachricht über facebook. 2. Eine Freundin aus Kassel hat gerade ein Jobangebot ausgeschlagen, dass sie eigentlich gerne annehmen würde, aber sie hat noch Obstbäume und Eltern in Nordhessen, die sie nicht im Stich lassen möchte. 3. Ich habe eine Buchrezension geschrieben und mich mehr als nötig und erlaubt am Text eines anderen Autors orientiert. Besagte Autorin hat sich nun gemeldet und zu Recht gefragt, wie ich denn dazu komme ihr geistiges Eigentum ungefragt mit meinem zu vermischen. Mich dafür zu schämen ist angemessen, aber dass ich darunter subjektiv mehr leide als unter der drohenden Fußamputation bei meinem Freund macht mich schon nachdenklich. Leid fühlt sich immer Scheiße an: Ob ich seit Monaten keinen Sex mehr habe oder morgen meine Hinrichtung ist, macht in dem Moment der Erfahrung des Leids wohl keinen so großen Unterschied. So sind wir halt. Diese drei Situationen parallel zu erleben, hat mich irgendwie irritiert und gleichzeitig inspiriert zu dem ersten Blogeintrag seit langer Zeit. Dafür nehme ich jetzt mal eine kurze Nacht in Kauf, ohne zu wissen, was ich daraus nun wirklich lerne. 28. Juni 16

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Pro Aging

Schon wieder ein Jahr vorbei? Nicht nur zum Jahresende lauern sie an jeder Ecke, die Versprechungen der Jünger des Anti Aging, der ewigen Jugend und der fast makellosen Schönheit. Was aber macht man mit soviel Jugendlichkeit und dem scheinbar verlängerten Leben? Am besten investiert ist die gewonnene Zeit sicherlich in weitere verjüngende Massnahmen, denn Anti Aging ist eine lebenslange Mission und nur Heilige sind dauerhaft alterslos. Etwas für seine Fitness zu tun, ist sicherlich ein Zugewinn an Lebensqualität, nur habe ich den Verdacht, dass der Nutzen dieser Qualität, kaum zum Tragen kommt, weil man so beschäftigt ist mit dem Jungbleiben. Mittlerweile gibt es gar den Begriff des Seenagers (eine knackige Melange aus Teenager und Senior). Ich würde mir manchmal mehr reife Begegnungen, faltige Zwischentöne und weiße Entscheidungen wünschen und dass wir mal Langeweile für einen Moment aushalten. Mein Mitbewohner Robert dagegen, hat heute offen bekannt, dass ihm Altern keinen Spass macht und das Nachlassen der Kräfte und die Zunahme von Falten verklärt wird zum Symbol einer wunderbaren Reifung. Wirklich mögen tue das keiner und sei lediglich das Credo einer konfusen Anti-Anti-Aging-Bewegung. Tja, wo bitte gehts hier zur Mitte? 30. Dezember 15

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Endlich wieder Futter

Es gibt Themen, die sind recht hartnäckige Begleiter auf unserem Weg zu einem guten Leben. Einer dieser Dauerbrenner ist ERNÄHRUNG. Nein, nicht der Welthunger ist gemeint, sondern der gemeine Hunger, bzw. Appetit der Wohlstandsbürger wie du und ich. Appetit (von lat. appetitus cibi „Verlangen nach Speise“) beschreibt wikipedia als einen „... psychischen Zustand, der sich durch das lustvoll geprägte Verlangen, etwas Bestimmtes zu essen, auszeichnet“, also z.B. Lebkuchen oder Schwarzwälder Kirschtorte. Doch in 80% der Fälle macht sich schuldig, wer ißt: an der Natur, den ausgebeuteten Tieren und Menschen und/oder der eigenen Gesundheit. Klar, gibt es da graduelle Unterschiede und trotzdem ist das einer der Zwickmühlen unserer neurotischen Zeit. Statt nun über die anderen Neurotiker zu lästern, veröffentliche ich mal meine Favoriten aus der Serie „Gesund ernähren und länger leben“: Metabolic Balance, Life Plus, Paleo, Samurai, fleischfrei, glutenfrei, alkoholfrei, rauchfrei, vegan. Das sind viele gute Ideen, die man aus meiner Sicht kreativ kombinieren kann, aber einigen dieser „Systeme“ wurden schon hohe Belastungen an Schwermetallen, wie Dogma und Ignoranz, nachgewiesen. Ich mache gerade was Abgefahrenes, nämlich eine Abspeckrunde zur Weihnachtszeit. Am 24.12. werde ich mich dann vielleicht wie neugeboren fühlen. Das hat außerdem den Charme, dass ich nicht von Januar bis August 2016 über meinen Weihnachtsspeck jammern werde. Naja, jedem das Seine und allen Freude, Frieden und Wohlbefinden - ob mit oder ohne Idealgewicht. Sterben werden wir trotzdem, denn wie schon Patrul Rinpoche sagte: „Der Tod ist wirklich. Er kommt ohne Warnung. Dieser Körper wird ein Leichnam sein.“ Doch dazu blogge ich dann vielleicht zu Ostern. 13. Dezember 15

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Unerwartet

Lag eigentlich schon im Bett und hatte mich darauf eingerichtet, dass der Tag zu Ende ist und ich ab morgen einfach meinen Urlaub geniesse. Na dann ... Gute Nacht! Da lässt mich mein Smartphone von meiner Jüngsten wissen, dass wir uns am Wochenende nun doch nicht sehen werden - zusammen mit ihren Schwestern in Bamberg - weil sie ziemlich angeschlagen ist. Ich habe im April meinen letzten Blogeintrag geschrieben, war seitdem mit Leben beschäftigt und fand auch nichts wirklich so bedeutend, als dass es die Dringlichkeit gehabt hätte im Blog mitgeteilt zu werden. Und nun sitze ich, ganz überraschend, aufrecht im Bett und bin ... wach. Korruption, Massentierhaltung, Julien Blanc will nach Deutschland kommen, genmanipulierte Kommentare setzen sich unerlaubt in unseren Köpfen fest - trotz Kennzeichnungspflicht, Brasilien ist das neue Bayern und Eric Burdon singt gerade „Mother Earth ist waiting for you“. Das lässt mich nicht kalt, aber ich habe gelernt, damit umzugehen. Das globale Geschehen ist durch die neuen Medien vermeintlich nah und gibt einem das Gefühl, an allem beteiligt zu sein. Man muss es nur wollen und anklicken oder eine Petition auf Change.org unterschreiben. In einer Welt, in der mittlerweile fast alles nach Marketingregeln funktioniert, Begehrlichkeit generiert oder mir mein Engagiertsein attestiert wird, bin ich über vieles im Bilde und habe eine Meinung zu fast allem. Letztlich aber bleibe ich irgendwie fremd. Und dann kommt da etwas ganz einfach so daher und verwirrt mich. Was soll ich dazu sagen? Danke! 19. November 14

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Konni Fuzius spricht

 

 

"Die Formel für wirkliche Freiheit?

Gib alles und erwarte nichts!" 13. April 14

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Antifa Breakfast

War heute das erste Mal vegan-vegetarisch frühstücken am Prenzlauer Berg. Die politisch korrekte Suchmaschine Ixquick empfahl das Cafe Kollektiv. Der Weg dorthin erwies sich als eine skurril-literarische Reise durch die Welt der linksdrehenden Denkkulturen. Es ging vorbei an Läden wie „Who killed Bambi?“ mit dem Slogan „My cat smells like Bruce Willis“, dem „Falaffel Ufo“ und dem „DAZZL Danz Club“. Godot hat jetzt ein Lokal in der Kastanienallee und „Fahrrad Linke“ ist in der Szene etabliert – seit 1912. Nachdem ich den „Buchladen zur schwankenden Weltkugel“ passiert hatte, war mein heutiges Klassenziel erreicht: Frühstück! Im Regal des Cafes präsentierten sich Magazintitel mit Namen wie „an.schläge“, „Entfesselt“, „Fight“ und die Frankfurter Rundschau. Das Flair erinnerte mich an meine Frankfurter Zeit in den Achtzigern. Die Besucher sahen ähnlich aus: Ein aufgeschlossenes und politisch interessiertes Publikum. Nicht mehr ganz so verkifft und/oder verbissen wie seinerzeit. Nur ich bin offensichtlich 30 Jahre älter geworden. 1982 begann die Ära Helmut Kohl, der HSV war Deutscher Meister und Ronald Reagan gab den amerikanischen Präsidenten im Pentagon. Rich Skrenta, ein 15-jähriger Schüler, schrieb den ersten Computervirus für Apple II und Klassenfeind Nr. 1 war Nicole, die mit einem peinlichen „Ein bisschen Frieden“ den Grand Prix gewann. Ich demonstrierte in Bonn gegen den Natodoppelbeschluss und hörte auf der Demo abstruse Sätze wie: „Ich will nicht nur ein bißchen Frieden, wie diese Nicole. Ich will den totalen Frieden. Sofort!“ Das Frühstück heute? Naja, das würde ich meinem Klassenfeind rüberschieben, wenn ich denn einen hätte. In meinem Alter schaut man eher nach Klassenkameraden auf Facebook oder reflektiert die eigenen Gewohnheiten und Geisteszustände. Nicole würde das heute vielleicht schmecken. Wer weiss das schon? 22. März 14

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Konni Fuzius spricht

 

 

"Wenn ich schon nicht

verstehe, dann will ich

wenigstens Recht haben" 18. Februar 14

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Abgrund

Ich habe Marko das letzte Mal gesehen beim Abi-Treffen 2007. Der Junge, der in den Siebzigern mit mir in einer Straße in der Waldsiedlung gewohnt, und wie ich auch, im mittelalterlich beschaulichen Büdingen sein Abitur gemacht hat, wanderte irgendwann nach Australien aus und hat sich vor ein paar Wochen entschieden, nicht mehr weiterzugehen. Ich glaube, wir haben zusammen Judo trainiert und er war ziemlich talentiert, aber das hat wohl keine Relevanz mehr, wenn man entschlossen ist nicht mehr zu kämpfen. Über Facebook hatten wir dann wieder Kontakt, haben einander „geliked“ und ein wenig erfahren von dem jeweils Anderen am jeweils anderen Ende der Welt. Wer gibt schon zu, dass er einsam ist im worldwideweb? Ich meine nicht die Einsamkeit an gesellschaftlichen Rändern, sondern die in den ganz normalen Verhältnissen, wo harmloser Alltag zum Zombie mutiert. In einer globaliserten Welt, in der alles zusammenwachsen soll zu einer Gemeinschaft von Weltbürgern, ist, so scheint mir, viel Raum für große Visonen und wenig Platz für kleine Zweifel. Für alles gibt es gute Gründe oder zumindest einen Plan. Das ist aber nur die von meiner Wahrnehmung und Erfahrung gefärbte Version einer möglichen Motivation, sich das Leben zu nehmen. Jeder hinterlässt eine Spur in den Köpfen und Herzen der Menschen die einem begegnet sind, wie kurz oder intensiv die Begegnung auch immer gewesen sein mag. Meine Erinnerung an Marko? Geradlinig, klug und traurig warst Du und ich mochte Dich - eigentlich grundlos.  22. Januar 14

 
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Swing!

Die Dinge sind ständig in Bewegung. Der Bus fährt los, wenn die Ampel grün ist und der Notarzt macht sich auf den Weg, wenn man ihn ruft. Die Tasse aus der ich trinken wollte, ist gerade runter gefallen und Alfred heisst jetzt Alma. Ein Schulfreund in Australien ist gestorben, Russlands Bevölkerung dürfte 2025 auf rund 150 Millionen wachsen und Gregory Porter, den ich bis gestern noch gar nicht kannte, singt gerade "Moving". Meine Blutfettwerte sind niedriger als bei der letzten Untersuchung, meine Lendenwirbel haben sich ohne meine Erlaubnis quer gelegt und die Fußflächen knicken leicht nach außen. Jan empfiehlt mir mehr Bewegung und in der Meditation wende ich, wenn alles gut läuft, den Blick nach innen. Bin ganz schön cool geworden mit der Zeit und nicht mehr so leicht zu erschüttern. Gut so ... und schade! Täglich sterben Millliarden Tiere in den Schlachthöfen, unzählige Menschen verlieben sich und einige davon laufen in ihr Unglück. Es ist leicht, sich in dieser Welt zu verlieren und schwer, einfach mal leicht zu sein. Meine Töchter lernen gerade, dass die Tigerente niemals einen Aufsichtsratsposten bekommen wird und dass Mut zur Veränderung alles ist, aber nicht alles. In Finnland sitzen in diesem Moment 222 Kinder auf Schaukeln und lachen ... einfach so. Die CD von Gregory Porter heisst übrigens „Liquid Spirit“ und Lisa hat sie für mich gebrannt, obwohl sie gerade ganz andere Sorgen hat. Wollte heute eigentlich gar keinen Blogeintrag schreiben, sondern Lisa trösten. Swing! 12. Januar 14

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Konni Fuzius spricht

 

"Du kannst über jeden schreiben, mit dem Du verbunden bist. Das ist Poesie. Du kannst aber auch über jeden schreiben, mit dem Du nicht verbunden bist. Das ist Tageszeitung." 18. Dezember 13

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Mahlzeit

An den Umsätzen der beiden großen Fleischindustrien - der Massentierhaltung und der Pornographie - lässt sich einiges ablesen. Beiden liegt das Prinzip der Gier und der Abspaltung zugrunde: Immer hungrig und getrennt von einer Beziehung zu den Wesen, die wir begehren oder ... einfach essen. Das ist die Bilanz einer Gesellschaft, die alles als Ware verpackt, die jederzeit und unlimitiert verfügbar ist, wenn man bezahlt. Wir Menschen sind ja eher eine Minderheit unter den Erdlingen. Für unsere Ökobilanz und die Schädlingsbekämpfung wäre es durchaus folgerichtig, wenn wir anfangen würden, nicht mehr unsere Mitbewohner auf diesem Planeten, sondern uns selbst zu essen. In den Händen der richtigen Werbeagentur, wäre das sogar ein realisierbares Projekt: „Nur das Beste - Eat yourself!“ könnte der Claim lauten. Gut sediert mit einer professionellen Teilanästhesie, lecker gewürzt, paniert, gegrillt und mit Doppelt-Käse überbacken, könnten wir anfangen unseren rechten Arm zu verzehren. Die dann nötigen Prothesen könnten Zalando und Amazon (versandkostenfrei!) verschicken. Jede Menge Extra-Apps, die der normale menschliche Arm nicht zu bieten hat, wie z. B. eine W-Lan-Verbindung und die aktuellen Bundesligaergebnisse im 5D-Display, würden sicherlich ihre Fans finden und zu Clubgründungen führen. Das Verzehren des eigenen Arms als Initiationsritual und Einstieg in eine bessere Welt könnte der Beginn einer segensreichen Selbstelimierung der Spezies „Konsument“ sein. Gruselig? Ja! 22. September 13 

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Konni Fuzius spricht

 

"Nicht mehr zu funktionieren,

kann ein Grund zur Sorge

oder zur Freude sein." 2. Mai 13

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Konni Fuzius spricht

 

 

"Die Dinge werden kompliziert, wenn

du etwas nur für dich haben willst" 14. April 13

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Halbzeit

Gestern, am 13. März 2013, ist es ganz plötzlich passiert: Ich bin 50 geworden und wir sind nicht mehr Papst, weil uns ein Argentinier, vor Ablauf der vorgesehenen Spielzeit, abgelöst hat. Nein, nicht Diego Maradona, der ist zwar Argentinier aber bereits 52 und viel kleiner als der Jesuitenpater Jorge Mario Bergoglio, der künftig als Papst Franziskus den Verein Vatikan trainieren oder zumindest so platziert werden wird. Der aktuelle Stern-Titel nutzt die Gunst der Stunde und hofft mit einem eigenen Magazin-Facelift und dem Titel „Ich liebe Gott und eine Frau. Katholische Priester fordern vom neuen Papst: Befrei uns endlich vom Zölibat“ einen guten Einstieg in die neue Saison. Was wird hier eigentlich gespielt? Wenn die A-Jugend in Nieder-Mörlen am Wochenende gegen den benachbarten Verein aus Steinfurth antritt und sich anschliessend betrinkt, weil sie verdient gewonnen oder dummerweise verloren hat, ist die Welt noch überschaubar. Spätestens ab der Bezirksliga werden die Dinge dann komplexer. Kaiser Konstantin manifestierte mit dem Toleranzedikt von Mailand 313 die Verstrickung von Kirche und Staat und seitdem wissen oftmals nicht mal die vermeintlichen Strippenzieher, welche Fäden sie wirklich in der Hand halten. Mein Tipp an alle Spieler, Trainer und Päpste: Fragt doch mal die Vögel. Der heilige Franz von Asissi hat das seinerzeit auch getan und von dem spricht man noch heute. 14. März 13

 

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Konni Fuzius spricht

 

 

"Wirklich verbessern 

kann man sich nur, wenn

man Fehler macht." 26. Februar 13

 

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Kunstgriff

Habe Picassos Biographie auf YouTube gesehen und einige überraschende Gedanken gehabt. Ich bekam Lust darauf, wieder zu rauchen, genial zu sein und mehrere Frauen zu haben, die mich in meiner Kunst inspirieren und Kinder von mir kriegen wollen. Soviel zum romantisierenden Part. Mein Blick auf die Kunst ist geprägt vom oft schmerzhaften Spagat zwischen Genie und Wahnsinn, erfolgreich sein oder Taxi fahren, bei Sinnen sein oder psychotisch. Ich wurde seinerzeit dann doch lieber Designer, bin jetzt glücklich verbunden mit einem tibetisch-buddhistischem Zentrum in Berlin und wirklich sinnstiftenden Inhalten. Ich werde demnächst 50, meine Midlife-Crisis hat dann ihr 10-jähriges Jubiläum und mein erstes waghalsiges Kunstprojekt liegt somit schon mehr als 25 Jahre zurück. 1987 gründete ich, während meines Grafikdesign-Praktikum im Frankfurter Societätsverlag, die Galerie 24 im Gallusviertel und schickte Studenten der Frankfurter Kunstakademie „Städel“ an die Ausstellungsfront, weil ich mich selbst nicht für verrückt genug hielt, um gute Kunst zu machen. Die Vernissagen waren seinerzeit durchaus beliebt, was möglicherweise auch an der Auswahl der Weine lag. Jetzt postuliere ich mal im WWW, dass der Auftrag der Kunst ist, zu insistieren und zu irritieren, weil wir freiwillig nichts hören oder sehen wollen, was ausserhalb unserer Gewohnheiten liegt. Viel Glück und viel Segen allen, die genau das zu ihrem Projekt machen. Die Botschaft für hier und heute? Wartet nicht darauf, dass eine Botschaft euch dazu bewegt zu handeln oder eine Entscheidung zu treffen. 17. Februar 13

 

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Konni Fuzius spricht

 

"Ich bin um einiges entspannter, seit mir meine

Vergänglichkeit nicht mehr vorrangig erschreckend,

sondern natürlich erscheint. Das Finanzamt und

meine Lebensversicherungsgesellschaft sind nun

ein wenig besorgt um mich." 1. Februar 13

 

 

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Konni Fuzius spricht

 

 

“Du kannst mir vertrauen.“

sagte die Motorsäge zum Baum.

"Ich arbeite gründlich.“ 27. Januar 13

 

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Massenware

Wir haben eigentlich von allem zuviel und trotzdem keine gute Verbindung zu ... nichts und niemanden. Laut dem vom BUND und der Heinrich Böll Stiftung herausgegebenem „Fleischatlas“ isst jeder Deutsche durchschnittlich 1049 Tiere in seinem Leben. Satt oder gar zufrieden sind wir trotzdem nicht. Fleischeslust scheint mir aber auch in anderer Hinsicht in der Sackgasse: „Fick mich!“ geht uns leichter von der Zunge als „Liebe mich!“. Liebe klingt viel zu langsam und verbindlich für das 21. Jahrhundert. Wir fahren Autos, nutzen Handys, tragen Klamotten nur so lange sie „trendy“ sind und haben uns entschieden, uns mit nichts zu ausführlich zu beschäftigen, weil das nächste Update ja schon morgen kommen kann. Mein Blog ist einer von Millionen und die Zahl der Neuerscheinungen in den Verlagen ist „Unendlich + X“. Jeder kann sagen, was ihm gerade durch die Birne geht, zu jeder Zeit, auf allen Kanälen und wenn die Klicks entsprechend hoch sind, gibt es das Gütesiegel „Erfolgreich“. Ein Hoch auf die Vielfalt ... der Armut. Das Thema ist nicht neu - ein industrialisierter Konsumwahn, der vor allem eines perfekt produziert: Hunger auf allen Seiten, denn nur Unzufriedenheit generiert neue Gier. Vielleicht ist unser Problem aber auch, dass wir darauf konditioniert sind, in absoluten Lösungen zu denken und kleine Schritte oder Linderungen als unwürdig empfinden. Wer bin ich, das für andere zu beurteilen? Mein Schritt für hier und heute ist, Fleisch nur noch höchstens zwei mal die Woche zu essen und die Tiere, die ihr Leben gelassen haben für mein Mittagessen, nicht einfach nur gedankenlos in der Pause runterzuschlingen. Klein, aber mein. 13. Januar 13

 

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Spaßbremse

Noch zwei Tage, dann knallts! Darf ich mal ehrlich sein? Ich finde Partys eher anstrengend als aufregend. Man versucht sich in eine Stimmung zu bringen, von der man am nächsten Tag ganz schnell wieder runterkommen muss, damit man sein normales Leben wieder aushält. Ekstase als Jahresübergangs- oder Endzeitritual ist bestimmt eine coole Sache ... für Hyperaktive, Drogendealer und professionelle Partyveranstalter. Es ist nicht so, dass ich nicht gerne feiern würde, aber „Party“ wird meist schleichend zum Schmarotzer, der seiner Wirtspflanze bis zum Koma suggeriert, dass sie Teil eines nie enden wollenden Orgasmus ist, dass Alleinsein gestern war und ab jetzt nie wieder kommen wird. Party! Nicht mehr allein sein zu dürfen, finde ich einen schlimmen Gedanken, vor allem wenn die Parole aus dem Megaphon der Partymacher dröhnt. Einsamkeit ist sicher die Wurzel vieler Krankheiten, guter Literatur, genialer Kunst und Amokläufe, Thema vieler Fachartikel aller Disziplinen, der Grund für den Verkaufserfolg aller unsinnigen Produkte und ... die Initialzündung für viele Partys. Ein ziemliches Schwergewicht, also. Einsamkeit ist kein einfacher Koalitionspartner und wird keinesfalls die Regierungsverantwortung für mein Leben übernehmen - so lange mich keiner zwingt Spaß zu haben - auf Partys. 29. Dezember 12

 

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Messerscharf

Ich mag Amerika nicht! Aus Prinzip! Weil dieses Land für mich Ausbeutung, Dummheit und die Achse des Bösen symbolisiert. So einfach ist das. Ich mag Jazz, Blues und Morgan Freeman. Keine Angst, die Kurve nehme ich locker, denn bei diesen „Likes“ handelt es sich im Ursprung um eíne Kultur der Sklaven, mit denen ich mich gerne solidarisiere. Hatte nun heute überraschend einen Systemzusammenbruch, ausgelöst von einem genialen Schneidegerät namens „Olfa-Cutter 300“, welches mir beim Zuschneiden von 480 g/qm-Glückwunschkarten sehr nützlich war. Eine Klinge, die stabil und geschmeidig zugleich durch die Führungsschiene gleitet und eine Justierschraube aus Messing (!) hat mich singend mein Tage- und Schneidewerk vollenden lassen: Halleluja und Merry Christmas. Ich fantasierte einen kleinen schwäbischen Familienbetrieb als Urheber und Halter dieser Tradition, die ebendiese Messer schon seit 400 Jahren produziert und das Geheimnis der Messingschraube wird erst am Sterbebett an die nächste Generation weitergegeben. So habe ich mir das vorgestellt oder anders gesagt: „I had a dream“. In Realität handelt es sich bei Olfa um eine amerikanische Firma, die genial gute Cutter produziert und in den USA und Kanada vertreibt. Vielleicht ist die Liebe zum Handwerk und zum Detail, als auch der Wunsch etwas nützliches und gut funktionierendes zu schaffen ja ein menschliches Grundbedürfnis, jenseits von Vertriebssystemen, Verkaufsstrategien und Gewinnmargen. Wie auch immer - I love it! 26. Dezember 12

 

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In the mood

Hatte einen freien Tag und ... schlechte Laune. Ich weiss, das ist illegal aber so war es halt. Nach einem Studentenfrühstück (sprich um 14 Uhr) im Literaturhaus in der Fasanenstrasse habe ich mich mit einer 11 Jahre alten CD von Prince in Stimmung gebracht: The Rainbow Children. Sehr empfehlenswert! Habe jetzt hautfarbene Kompressionsstrümpfe, was für mich früher gleichbedeutend war mit alt sein, sehr alt. Ob Prince wohl mittlerweile orthopädische Schuheinlagen trägt? „In the mood“ ist ein Klassiker von Glenn Miller aus den Vierzigern des letzten Jahrhunderts, den ich 1975 als zwölfjähriger Jazzfan vor dem Einschlafen in meinem alten Röhrenradio gehört habe. Ich wusste, dass das nicht wirklich so ist, aber ich stellte mir vor, dass die Big Band von Glenn Miller hinter dem fluoreszierendem Grün der Glasscheibe, auf der alle Radiosender horizontal abzulesen waren, ungefähr auf der Höhe von Hilversum saß und für mich spielte. Eben las ich einen interessanten Post über Orang Utans in der Midlife Crisis und beim Anklicken des dazugehörigen Links landete ich aus Versehen auf der Nachricht von Gruner + Jahr, mit der Botschaft, dass man die Financial Times Deutschland einstellen wird. So macht Krise dann doch irgendwie Spaß. Zurück zu den Affen: Junge Schimpansen starten frohgemut ins Leben, werden dann im mittleren Erwachsenenalter immer missmutiger und im höheren Alter wieder besser gelaunt. Der Tiefpunkt liegt bei durchschnittlich 31,9 Jahren, also vergleichbar mit dem menschlichen Wohlfühl-Minimum, das bei 45 bis 50 Jahren liegt. So stand es im Orang Utan Post von Elke. Schlechte Laune so stehen zu lassen, ohne Urteil, Analyse und Rettungsschirm ist nicht die gewohnte Vorgehensweise. Ich mache es jetzt einfach mal - ohne Hoffnung und Furcht. 20. November 12

 

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Konni Fuzius spricht

 

"Man kann warten, bis man

so gewürdigt wird, wie es

einem angemessen erscheint

oder ... leben." 21. Oktober 12

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Konni Fuzius spricht

 

"Die schönste Zeit

meines Lebens ist jetzt, 

denn nur jetzt kann ich

mich noch verändern." 12. Oktober 12

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Männersachen

Hamburg, Wind und Regen, + 13 Grad: die Frisur hält! Ich habe seinerzeit die Regentropfen in „Stirb langsam 2„ gedoubled und war auch schon mal zwei Regenwochen lang mit einem keuchhustenden Kleinkind im Urlaub an der Nordsee – bin also fast wasserdicht. Schön, mal wieder in der Hansestadt zu sein. Mache meinen alldreijährlichen Männer-TÜV (nein, keine Kneipentour und auch keine Kneippkur), sondern 4 Tage auf unterschiedlichen Hebebühnen mit Laboruntersuchungen, Herzecho, Akupunktur und chinesischen Kräutertees. Das heisst, Oberkörper freimachen und die Seele baumeln lassen. Zum Frühstück genieße ich Hansebäckerbrötchen und die Allerwelt- und Weltallgespräche mit meinem Arzt und guten Freund Jan. Gestern Abend habe ich das erste Mal in meinem Leben einen Action-Film auf einem 62-Zoll-Bildschirm gesehen. Es ging um einen Typen der dauernd in Schwierigkeiten geriet, dabei immer gut angezogen und frisiert war, viele schöne Frauen um sich hatte, aber keine Zeit für sie, denn er musste seinen Job erledigen. Also ähnlich, wie ich das in Berlin auch mache, nur in Dolby-Surround und auf 135 Minuten komprimiert. „It‘s a Mans World“ und ich liebe es! EKG und Blutwerte sind soweit ganz gut und in zwei Tagen bin ich wieder in der Bundeshauptstadt, werde am Vorabend die Hemden bügeln, meine Morgenmeditation machen und dann gehts weiter mit „The Holg 4.9“ 6. Oktober 12

 

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Gute Laune

Hatte heute zwei Begegnungen von ähnlichem Geschmack. Begegnung 1: Einer meiner Berliner Facebookfreunde hat mich schon vor einer Weile für den kommenden Samstag zu seinem „Symposium der Vergreisung“ (= 51. Geburtstag) eingeladen und jetzt überraschend und etwas dramatisch im Forum FB angekündigt, dass er seinen Blog nie wieder schreiben und Facebook, Twitter & Co. für immer den Rücken kehren wird. Begegnung 2: Cleopatra (Name von der Redaktion geändert) hat heute beim Pfannenschwenken in der Gemeinschaftsküche darüber philosophiert, dass Frauen die Tendenz haben, die Dinge zu lange und zu oft zu wenden, bevor sie sich sicher sind, dass Ihr Entschluss, etwas zu tun oder vielleicht doch zu lassen, auch nachhaltig und längerfristig (heute + 30 Jahre) Bestand hat. In beiden Situationen habe ich mich zeitweise etwas hilflos gefühlt, weil in meinem System die Botschaft ankam: „Tu etwas dafür ... oder dagegen!“ Da will sich einer eliminieren und eine andere will weitere 30 Jahre warten, bevor sie sich traut zu leben. Das macht keinen Spass und meine Ansage für jetzt, hier und Euch beide ist: „Macht doch was IHR wollt und fragt mich einfach, wenn Ihr WIRKLICH mal eine Zweitmeinung braucht.“  19. September 12

 

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Konni Fuzius spricht

 

 

„Banal, aber wahr! Nach dem Tod

gibt es keine Last-Minute-Angebote

mehr und auch keine Sammelalben.“ 16. September 12

 

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Konni Fuzius spricht

 

 

"Dass Dir jemand Verständnis

entgegenbringt, heisst nicht zwingend,

dass er verstanden hat" 3. September 12

 

 

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Was soll's?

War heute mit Herrn L. aus der Nähe von F. (alias Alex aus Berlin) und auf Einladung von beiden beim Fantasy Filmfest. Der Streifen, der im Cinemaxx am Potsdamer Platz gegeben wurde, hieß „Piranha 3DD“ und war ziemlich lausig bezüglich Skript, Schauspielerleistung und Special Effects, aber Rettungsschwimmer David Hasselhoff, der sich selbst köstlich persiflierte und der Professor aus „Zurück in die Zukunft“ Christopher Lloyd machten das Ganze zu einem kultigen Kinonachmittag. Von etwas längerer Halbwertzeit waren die Gespräche beim Pasta-Essen und dem Kaffeeschlürfen nach dem Kino. Wir hatten eigentlich keine grossen Ambitionen, aber auf einmal hatten wir eine Gruppensitzung mit Kinogängern, Beobachtern, Drehbuchautoren, Grafik-Designern, Bloggern, U-Bahnfahrern, Söhnen, Vätern, Buddhisten, Zweiflern und Spannern und im Hin und Her zwischen etlichen Rollen, Konzepten und Sichtweisen stand da zwischen uns beiden auf einmal die Frage: „Warum schreibst Du eigentlich noch?“ Und während uns das Werbebanner eines vorbeifahrenden Bus mit der Frage, ob denn der Po juckt, konfrontierte und die sicherlich beste aller Cortisoncremes als lindernde Lösung anbot, dachte ich, dass es darum geht einen Ausdruck zu finden und immer wieder zu pointieren, damit einen die anderen und man sich selbst besser versteht. So in der Art habe ich das heute nachmittag gemeint, aber jetzt beim Schreiben klingt mir das ein wenig zu sozialpädagogisch. Deshalb nehme ich mir mal die Piranhas 3DD als Vorbild und sage: „Etwas mehr Biss, bitte!“ 25. August 12

 

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Memopause

In memorian to my Dad! Darf man über den Tod seines Vaters bloggen? Keine Ahnung, aber ich tue es weil es a.) passiert ist und mich verändert hat, b.) es mir ihn und meine Schwester näher gebracht hat, als es zu Lebzeiten möglich gewesen wäre und c.) weil ich ohnehin nichts zu schreiben hätte, was skandalös oder entwürdigend wäre. Und d.) weil ich glaube, dass wir in unserer Gesellschaft dringend nicht nur Lebens- sondern auch Sterbensqualität entwickeln sollten, denn ausser Micky Maus und Gott wird es jeden treffen - garantiert. Mein Papa war ein wunderbarer und seltsamer Mensch zugleich. Er hat mir gezeigt, wie man beim „Mensch ärgere Dich nicht“ unauffällig schummelt, Stühle polstert, sich geschmackvoll anzieht, die richtige Beize anmischt, und sich viele Gedanken macht. Er hatte eine Disziplin, die mich als Sohn oft genervt, aber im Prozess seines Sterbens Bewunderung und Respekt für seine wahrhaft königliche Haltung im Angesicht des Todes gelehrt hat. Ich weiss nicht sicher, ob er einverstanden wäre mit meinem Blogeintrag, aber das nehme ich auf meine Kappe, denn ich bin der Nächste in der Ahnenreihe der gehen aber erst einmal bleiben und hoffentlich nützlich und wirkungsvoll sein wird. Wo auch immer Du jetzt bist: „Be happy! Be well!“ 15. August 12

 

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Konni Fuzius spricht

 

„Nach der Hand zu schnappen, 

die einen füttert, kann der

Beginn einer wunderbaren

Freundschaft sein.“ 13. Juni 12

 

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Wartezimmer

Ich hatte heute den Gedanken, dass wir oft auf die richtigen Umstände oder Zutaten warten, die zusammenkommen müssen, damit wir handeln können. „Lebe jetzt und den Moment“ ist das Credo vieler Facebook-Einträge, Philosophien, Verkaufsstrategien und ... Klugscheißer. Wir halten Handlung und Wirksamkeit oft für identisch, aber etwas zu unterlassen kann ja durchaus auch eine wirkungsvolle Handlung sein. Eben hatte ich noch das deutliche und beglückende Gefühl „Jetzt verstehe ich etwas mehr!“ und war dann ganz plötzlich wieder verstrickt in die Komplexität aller möglichen Ablenkungen und ... die Meinung der Anderen (die Werbung nennt das Vielfalt und/oder Konsumfreiheit). „Das ist schwach!“ lautet mein Urteil, wobei ich mich im Moment etwas trainiere, nicht zu schnell und zu allem eine Meinung zu haben. Der Flachs, den Dornröschen zu Gold spinnen sollte, war dick genug um allen alle möglichen Märchen zu erzählen, aber die feinen Fäden, die es zu halten gilt bei der Frage „Wann soll ich handeln und wann noch etwas warten?“ ist jenseits von Goldspinnerei und in der Grauzone eines Selbstverwirklichungsdrucks, der vor allem eines will – toll sein. Oder anders gesagt: „Du Mensch? Also Angst!“ Was soll ich sagen? „Nur Mut!“ 11. Juni 12

 

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Ganz kurz nur

Ich beobachte, dass ich Energie darauf verwende, „richtig“ zu sein, statt die Klappe zu halten, wenn es nichts zu sagen gibt. Im Kontext der sozialen Medien ist es tabu, die Klappe zu halten weil das Medium davon lebt, dass man sich fortlaufend artikuliert oder über das Drücken bestimmter digitaler Knöpfe, seinen Mut oder Unmut zum Ausdruck bringt. Man könnte natürlich auch einfach mal den Rechner NICHT hochfahren. Steve Jobs ist tot. Bill Gates wird sterben. Frank Zappa war dabei und mein Vater hat, wenn die Prognose der Ärzte stimmt, noch ein paar Wochen. Es geht ihm nicht gut, aber wir haben die letzten Tage viel Zeit miteinander verbracht, über Tod, Verderben und die 70er Jahre in vielen Facetten gesprochen, gelacht über die Absurditäten der Welt, die „stramme“ Ärztin aus der Hanauer Onkologie und die Kurzsichtigkeit von Walter Ulbricht und Otto Grotewohl. Danke, Papa! 10. Juni 12

 

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Konni Fuzius spricht

 

 

"Wir haben alle gute

Gründe für unser Verhalten.

Selbst Mörder haben das." 24. April 12

 

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Unglaublich

Ohne Superlativen wäre die Werbung impotent. Ohne unser Potential zur Neujustierung von Gewohnheiten gäbe es nicht eine einzige wirksame Therapieform, und ohne die Fähigkeit zum Staunen keine Religion oder Spiritualität, und wir alle würden ewig so bleiben, wie wir sind. Ob sich das beruhigend oder erschreckend anfühlt? Alle siebzehn Möglichkeiten sind vorstellbar! Wie lange die Ewigkeit dauert ist Chefsache - sollte man glauben. „Meine nächste Beziehung wird 10 Jahre jünger sein als ich!“ Zack! So schnell fällt man aus dem Beuteschema. Die Frau, die kurz vorher noch meine Lachs-Sahne-Sauce gelöffelt und anschließend besungen hat, setzt Signale nach denen ich gar nicht gefragt hatte. „MEINE nächste Beziehung wird 33 Jahre alt sein. fließend finnisch und hebräisch sprechen und Fälkja oder Wasa heißen“ hätte ich gekontert, wenn es mir in dem Moment eingefallen wäre. So schreibe ich es halt einige Tage später auf und sehe es als Inspiration für eine weitere amüsante Geschichte in Band 2 von „Ganz kurz nur“. Wie wir an unseren Wünschen festhalten, auch wenn uns andere oder unerwartete Optionen begegnen, ist manchmal kurios. Dass ich dieses Spiel auch immer wieder spiele, ist aus intellektueller Sicht erstaunlich, aus einer Perspektive der gesunden Neugier unglaublich und wenn ich meinen Briefträger fragen würde, müsste ich diesen Blogeintrag löschen, denn wahrscheinlich würde er sagen: „Worum geht‘s hier eigentlich?“ oder „Ein Paket von Amazon ... für Fössel.“ 19. April 12

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Konni Fuzius spricht

 

 

"Kreativität ist kein Softskill,

sondern eine Grundhaltung." 12. April 12

 

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Super

1,72. Das wäre die denkbare Größe von Jesus Christus, als er vor fast 2000 Jahren von den Römern ans Kreuz geschlagen wurde und 1,72 ist auch der Benzinpreis, der heute am Karfreitag 2012 an den Tankstellen angeschlagen steht. Beiden gemein sind zwei Schlüsselwörter: Freiheit und Anbetung. Über den Altaren der christlichen Welt hängt das Kreuz als Symbol des Mensch gewordenen Gottes, der sein Leben gab, um das Leiden aller auf sich zu nehmen. Das Auto hingegen ist der Altar selbst, Objekt der Anbetung oder auch das goldene Kalb auf vier Rädern. Es läßt den lustvoll leiden, der sich ihm hingibt. Eine Obsession in Lack und Kunstleder. Die Bezeichnung Automobil ist eigentlich irreführend, denn durchschnittlich bewegen wir unsere fahrenden Altare lediglich eine Stunde am Tag. Den Rest der Zeit arbeiten wir dafür, Benzin, Verschleissteile, Steuer, Versicherung und die Finanzierung des Nachfolgemodells zu sichern und vielleicht noch die Garage, damit der Glanz unseres Lieblings lange strahlt. ES steht derweil nur rum, frisst stumm und mit grinsender Motorhaubenfratze unser Geld und verliert stündlich an Wert. WIR nennen das dann Freiheit. Manchmal denke ich, dass grenzenlose Freiheit eine Illusion ist, die ihre Wirkung aus der Versklavung ihrer Anhänger zieht - ein Papamobil, dass sich als ein Perpetuum Mobile ausgibt. Nun ja, jede Bewegung braucht einen Antrieb und Brennstoff. Frohe Ostern allen in Stadt und Land und auf den Straßen! 6. April 12

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Konni Fuzius spricht

 

"Einsichten entstehen in einem

tiefgehenden und existentiell-

philosophisch-therapeutischen

Prozess oder ... einfach beim Kacken." 4. April 12

 

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Leseschwäche

Neulich wurde ich mal wieder gefragt, ob ich denn dieses oder jene Buch gelesen hätte, was ja so ganz in der Tradition von und typisch für, wenn es auch ein wenig inkonsequent im Duktus und Geist dieser etwas verqueren Grundhaltung daherkommt, aber es trotzdem schafft, den Leser ein- und mitzunehmen? „Nein, habe ich nicht gelesen, ich schreibe lieber.“ Das tue ich nicht mal aus irgendeiner Antihaltung heraus, sondern weil ich es einfach mag. Ich bin halt kein fleissiger Leser. Natürlich braucht man Inspiration, denn nur aus sich heraus zu schreiben, lässt einen schnell austrocknen und irgendwann dreht man sich nur um sich selbst und seine kleinen neurotischen Welten und Satelliten. Meinen Input hole ich mir weniger lesend, sondern eher beobachtend z. B. über Menschen wie Jost, die viel lesen und die ich fragen kann, was ich denn so verpasst habe, in den letzten Lesesaisons. Das kann ich ganz unverschämt abfragen, denn die wirklich Belesenen haben keinen Grund, andere mit Ihrem Wissen zu beschämen. Jost wird nach eigener Schätzung noch eine Lebensspanne von zusätzlich 300 Jahren brauchen, um die Bücher zu lesen, die er sich mit durschschnittlich zehn ausgesuchten Neuerscheinungen monatlich ins Haus holt. Beeindruckend, aber nicht mein "Style". Ich bin auch nicht gut im Kommasetzen und bringe lieber die Inhalte auf den Punkt. Ich finde das auch nicht schlimm, denn ich lebe ja mitten in Deutschland, im Land der Fußnotenfetischisten, Quellenangabenquengler und KOMMAndanten. Not an Korrekturwilligen gibt es wirklich nicht. Kann schon sein, dass es irgendwo wichtig oder verständnisfördernd ist, die Zeichen der neuen deutschen Rechtschreibung zu erkennen und diese dann auch richig zu setzen. Mein Fokus ist ein anderer: ich mag das lockere Spiel mit der Sprache und die Vielzahl der Varianten, die möglich ist. Punkt. 3. April 12

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Konni Fuzius spricht

 

Endlich entschlüsselt! Das Geheimnis

glücklicher Beziehungen: "Wenn Du eine

hast, genieße es. Wenn Du keine hast,

genieße es." 1. April 12

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Was bin ich?

Bin vor kurzem ein Jahr älter, ein paar Kilo leichter und um einige Gedanken ärmer geworden und wenn es denn unbedingt einen griffigen Titel bräuchte, um mich zu orten, dann wäre es wohl „Deutscher Buddhist“. Das klingt allerdings, als wäre da wider die Natur, etwas zusammengewachsen, was nicht zusammengehört. Der Buddhismus ist ja nicht einmal eine ordentliche Religion, sondern ein philosophischer Ansatz, der so unendlich viele Traditionen, Schulen und Übertragungslinien hervorgebracht hat, dass sich ein durchschnittlicher deutscher Wanderer unmöglich darin zurechtfinden kann, auch nicht mit Karte. Das fängt schon mit dem Basisvokabular an. „Liebe“ klingt für unser Empfinden entweder romantisch-verkitscht oder esoterisch-verheult (verboten-katholisch ist dann die österreichische Variante nach Thomas Bernhard). Mit „Weisheit“ assoziieren wir eher lange weiße Bärte und „Mitgefühl“ ist für uns definitiv zu praktisch. Das klingt so ... machbar. Dann doch lieber die Liebe. Die kann man sich schön groß und unerreichbar machen. Ich erinnere mich noch gut, denn seinerzeit habe ich leidenschaftlich Witze darüber gemacht: Der Buddhismus in Deutschland hatte in den frühen Achtzigern seine Pionierzeit. Der Rest der bewusst sein wollenden Bevölkerung fühlte, heulte und brüllte in Therapieworkshops und viele unschuldige Kissen starben als Stellvertreter für „Irgendwas“ einen unehrenhaften Tod. Mann, Frau und Ich begaben sich auf die Suche nach Authentizität, Selbstverwirklichungsspielplätzen und der schuldig gebliebenen Anerkennung durch die eigenen Eltern. Ein, für unsere Verhältnisse, recht komplizierter Prozess, denn eigentlich sind wir kein Volk der Zwischentöne. Mit „Jawoll! Ja!“ oder aber „Nicht mit mir!“ stecken wir in der Regel unser Spielfeld kantengenau ab, ernennen die Linienrichter und mindestens einen Feind. Relativ gesehen, gibt es uns schon: Kalle und Malle, FC Bayern und Borussia Dortmund, Lauterbacher Strolch-Camenbert und Rotkäppchen Sekt. Kein Schöpfergott, kein Satan, keine Seele: die buddhistischen Nichtvorhandenheiten sind etwas schwer verständlich für eine Mentalität, die gern weiß wo der Hammer hängt, welches Dach gedeckt werden soll und wer schuld ist an dem ganzen Schlamassel. Ob ich eine Lösung für dieses Problem habe? Nein, aber "welches Schweinderl hätten's denn gern"? 30. März 12

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Konni Fuzius spricht

 

Es gibt Sätze, die sind erschreckend

blutleer: "Der Markt für Mittagssnacks

wächst europaweit." 3. März 12

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An und für mich geht's ihm gut

Seit 4 Monaten bin ich in Berlin, arbeite und lebe bei Dharma Mati, einem tibetisch-buddhistischen Zentrum meines Lehrers Sogyal Rinpoche. Ich übe mich in Gleichmut, Geduld und Microsoft Office (was für einen Designer eine ziemliche Herausforderung ist). Wie das so ist, mit fast 50 noch mal was ganz Neues anzufangen? Ehrlich gesagt, es ist ... wunderbar ... meistens! Mancher fragt mich, wie es ihm wohl geht, dem Mann der aus der Werbung und der Wetterau in die Hauptstadt kam. Was macht er so den ganzen Tag, ausser Sitzen und Meditieren und sich an die eigene Nase fassen, die es aus buddhistischer Sicht ja gar nicht wirklich gibt? Nun, ich arbeite, esse und schlafe wie die meisten anderen Menschen auch. Im Moment sitze ich in meinem Zimmer, höre Eric Burdon, genieße lecker Nudeln mit einer Sahne-Senf-Sauce und nehme einfach zu  - an Einsichten und an Gewicht. Die „Auflösung des Ego“ als Kampfansage bringt leider nicht automatisch die überflüssigen Pfunde zum Schmelzen. Aber, wenn es nicht mehr so wichtig ist, toll zu sein - und es gibt viele subtile Spielarten „toll sein“ zu wollen - entsteht eine uneitle Art von Schönheit, Gelassenheit und Attraktivität. Abnehmen werde ich trotzdem, soviel Disziplin muss sein und ausserdem habe ich nach wie vor einen Spiegel im Bad. Ob ich ab jetzt nie mehr wütend, deprimiert oder ungerecht sein werde? Nö, aber ich arbeite dran. Wer also meine Knöpfe oder „Gefällt mir“ drücken will, kann das gerne tun. Ich schätze beides. 28. Februar 12

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Schwesterherz

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Konni Fuzius spricht

 

"Es ist gut, Menschen dort abzuholen

wo sie stehen. Manche verpasst man aber,

weil sie nicht dort stehen wo man sie

vermutet hat."

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Aufgeräumt

Habe heute die letzte Autoladung meiner Bad Nauheimer Wohnung nach Berlin gefahren. Ich hatte mir drei Tage Zeit genommen, gut zu sortieren und wegzuwerfen, was schon seit Jahren in irgendwelchen Kisten ein trauriges Dasein fristete. Dabei sind mir ein paar alte Texte in die Hände gefallen, und einen davon gebe ich zu seinem 10-jährigen Bestehen hier mal zum Besten:

 

„Im Sommer stinkt es zum Himmel und im Winter frieren sie sich den Arsch ab. Wer hat wirklich Lust Müllmann zu sein? Und doch hat es etwas schönes, die Männer in ihren strahlend orangenen Anzügen zu sehen: Kumpels mit einem trotzigen Stolz. Sie laufen dem Monstrum von Müllauto hinterher wie das lorenz‘sche Gänsekücken der vermeintlichen Mutter. Sie wissen, wo sie hingehören. Es scheint, als hätten sie immer soviel Verbindung zur Mutter, wie es die unsichtbare Nabelschnur zulässt. Sie füttern ihre Mama, ein nimmersattes Ungeheuer, dass knirschend und gierig alles in sich aufnimmt.“

 

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Konni Fuzius spricht

 

"Zur richtigen Zeit

am richtigen Ort zu sein,

kann auch richtig

langweilig werden."

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Groß- und Kleinschreibung

Mir gehts heute großartig und ich bin grundlos glücklich. Nicht wie ein Idiot, der debil vor sich hin grinst und nicht weiß, warum oder worüber ... oder vielleicht doch, ein wenig in dieser Art. Ein einfacher Mensch, der sich nicht unnötig viele Gedanken darüber macht, wie groß oder klein er ist. Great! Wahre Größe steckt ohnehin im Detail, nicht im Kleingedruckten, aber im Kleinteiligen oder anders gesagt: In jeder Zelle und jedem Atom ist der Plan für das große Ganze enthalten. Das kann ich nicht beweisen, das ist einfach nur ein schöner Gedanke, ein Potpourri aus vielen Puzzleteilen meiner Hirnaktivitäten, Sozialisation, Gelesenem, Gehörtem und Gefühltem. Gaaanz großes Kino hat auch mal klein angefangen: Humphrey Bogart musste immer auf einem Schemel stehen, um mit Ingrid Bergmann auf Augenhöhe zu sein, und der aktuelle Titel des deutschen Ärzteblatts klingt wie ein Film mit Matthias Schweighöfer: „Vorhofflimmern!“ Der Zusammenhang? Keiner! Das sind einfach nur Krümelassoziationen, denn jeder sollte ein Stück vom großen Kuchen abkriegen: Torten, Tortellini, Tarantel, Tic Tac Toe, Tinnitus, Was ich geraucht habe? Nix, bin einfach nur gut gelaunt und leicht im Unterhalten. Gutes Neues, Euch allen, Groß und klein!

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Alles Gute

Vor ein paar Tagen habe ich ein amerikanisches Video gesehen über die Machenschaften der Mächtigen. Die Thesen fasse ich mal grob zusammen: Wir werden seit Beginn des letzten Jahrhunderts von einer kleinen Clique krimineller amerikanischer Bankerfamilien regiert, die alle Schlüsselindustrien wie Energie, Ernährung, Pharma und zudem das Bildungswesen beherrscht und seit jeher jede Erfindung und Entwicklung, die ohne die Ressourcen Öl, Atomkraft oder Kohle auskommt, unterdrückt oder verschwinden lässt und vielleicht sogar 9/11 inszeniert hat, um eine Legitimation dafür zu haben, das amerikanische Volk zu kontrollieren und unliebsame Zeitgenossen, unter dem Vorwand des Terrorverdachts, aus dem Verkehr zu ziehen. Soviel zur Achse des Bösen. Je nachdem wie man es pointiert, klingt es nach einer paranoiden Verschwörungstheorie oder aber ... nicht wirklich überraschend. Der Motor aller Machtausübung ist die Angst - die vor Bedeutungslosigkeit auf der Seite der Herrschenden und die vor Heimatlosigkeit auf der Seite des „Volkes“, was mir auch eine Erklärung für die zum Teil übersteigerte Sehnsucht nach Eigenheimen zu sein scheint. Der Erwerb derselben wiederum wird künstlich verteuert und besteuert, um Menschen möglichst bis zum Ableben in der Abhängigkeit von Geld zu halten. „Gebt dem Kaiser was des Kaisers ist!“ Der Urheber dieses kettensprengenden Ausspruchs hat heute Geburtstag. Jenseits der niedlichen Ochsundeselkrippenromantik, über die man zur Zeit in den Einkaufszentren stolpert, wünsche ich ihm, Annemarie und uns allen alles Gute, innere Freiheit und ein Zuhause - vor allem in uns selbst.

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Wattehattedudedada?

Don‘t be a Maybe - be Marlboro. Der Dadaismus ist zurück, jene Kunstform die in den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts den „totalen Zweifel an allem, absoluten Individualismus und die Zerstörung von gefestigten Idealen und Normen“ postulierte. Neider und selbsternannte Kulturkritiker sprechen hysterisch von einer gefährlichen Infantilisierung und Verblödung unserer Gesellschaft und leugnen die therapeutische Heil- und Sprengkraft, die der Botschaft von Marlboro zugrunde liegt. „Sei kein Vielleicht - sei Marlboro“ lässt konsequent keine Ausflüchte zu und offenbart eine Wahrheit, die unter die Haut geht - nackt, nekrotisch und nikotinhaltig. Bleibt zu hoffen, dass auch andere Branchen den Mut haben, sich Ihrer gesellschaftlichen Verantwortung zu stellen und den Innovator Marlboro kopieren: „Don‘t make shit - eat chocolade“ stünde Ritter Sport gut an oder „Don‘t break even - blow your job“ der Deutschen Bank. Endlich mal wieder eine Kulturrevolution, die man sich gut reinziehen kann!

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Eieiei!

 

 

Als Kontrapunkt zum Adventsgeklingel 

und weil es einfach so zu mir kam, hier

ein Liebesgedicht der etwas deftigeren Art.

Danke an Elke K. für's Vorgackern!

 

 

 

 

Die dicksten Eier

 

Erinnerst Du den Bauern,

der immer wieder sprach,

er hätt‘ die dicksten Eier,

obwohl‘s Kartoffeln war‘n.

 

Und immer wieder tat er,

als gäb‘ es einzig ihn,

den Meister aller Meister,

den Kaiser Cholesterin.

 

Wie ein Sack voll Mücken,

gab er stetig an.

Sein einziges Verzücken

galt ihm, als Eiermann.

 

Doch dann bei einer Feier,

hat‘s eine mal gesagt:

Nicht Kartoffel und nicht Eier,

Du bist es, den ich mag.

 

Oft werden wir versklavt

von unserer Prahlerei.

Schön, wenn‘s die Liebe wagt

und uns daraus befreit.

 

 

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Alles Banane

Zwei neue Reifen, inklusive Aufziehen und Auswuchten? Das macht, mit unserer Rabattaktion, 333,- Euro. Wie, schon wieder Rabatt? Wo sind denn eigentlich die ganzen normalen Preise hin? Sind die alle krank? Nun, ich habe was gespart und bei meinem überraschend geplatzten Vorderreifen kommt mir das gerade recht. Aber eigentlich ist die Ersparnis vor allem eine gefühlte. Das Thema ist ja bekannt: Ein System, das seine Existenzberechtigung daraus zieht, immer schneller Neues zu produzieren und dies immer unkomplizierter und billiger zum Konsum zur Verfügung zu stellen, hat seine Grenzen und schafft neben viel Müll auch viel Sinnloses. Und weil wir nicht nur immer neue Produkte „brauchen“, sondern diese auch mit immer neuen Versprechungen gekoppelt sein müssen, betten wir das Ganze noch in einen emotionalen Claim ein. Bei der deutschen Wiedervereinigung war das: „Freiheit ist, wenn alle Bananen essen dürfen!“ und schon waren alle Grenzen überwunden, zumindest die des Konsums. Wir wissen um die Absurdität der Situation, aber wir wollen es nicht glauben und erlauben der Werbung, zu unserem Gebet zu werden und ihre Slogans werden zu unbewussten Mantren. Die Postfilialen nerven seit Jahren ungestraft jeden Kunden in jeder Geschäftsstelle in Ost und West mit der Frage, ob man denn nicht ein Konto bei der Postbank haben möchte. Die Mitarbeiter scheinen mir recht gut geschult, denn ich habe schon etliche, nicht stereotyp sondern authentisch wirkende Postbankanmachen erlebt: „Ein Konto bei der Postbank, wäre das nicht was für Sie? Denken Sie mal drüber nach. Ich bin noch bis 18 Uhr hier an Schalter 4.“ Ich nehme es meist mit Humor und antworte meinem baggernden Gegenüber mit dem Satz: „So wie Sie das sagen, fühle ich mich richtig schlecht, so ganz ohne Postbankkonto!“, aber eigentlich wäre eine angemessene Reaktion: „Ich zeig‘ Dich an, Du ...!“ oder die Frage: „Haben Sie auch Bananen im Angebot?“

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Konni Fuzius spricht

 

"Wahrheit braucht kein gutes Marketing,

aber jedes gute Marketing braucht ein

Minimum an Wahrheit."

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Eigentor

Für die Fussball-EM in der Ukraine „säubern“ die Behörden die Straßen von streunenden Hunden und entsorgen sie, teils noch lebendig, in Verbrennungsmobilen. Das ist grausam und nur eine von etlichen schlechten Nachrichten. Tödliche Krankheiten, Tierquälerei, soziale Ungerechtigkeit, Kriege und das ganze andere Elend – wir leiden an und in dieser Welt. Und wir neigen dazu, anderen vorzuschreiben, wie sie sich auf dem Spielfeld zu verhalten haben, welcher Grad der Empörung die Regel ist. Während Menschen auf der Intensivstation einsam sterben, leiden andere darunter, dass sie seit Monaten keinen Sex mehr hatten. Beides kann furchtbar sein – wer hat das Recht zu definieren, was richtig schlimm ist? Die buddhistischen Philosophien unterscheiden zwischen relativer und absoluter Ebene. Die relative ist unsere gewohnheitsmässige Verstrickung in die Polaritäten und ist der Bereich, den wir als die einzig wahre und beweisbare Realität wahrnehmen. Dort ist Leiden Teil des Tagesgeschäfts. Das Absolute jedoch, beschreibt unser eigentliches Wesen und Potential, die Natur unseres Seins, an der es nichts zu verändern gilt, sondern lediglich zu erkennen. Hier ist eigentlich alles gut und entspannt, doch solange wir nicht erkannt haben, arbeiten wir uns auf der relativen Ebene ab, machen unsere Hausaufgaben und Fehler. Sich davor zu drücken „giltet“ nicht. Aber, was ist denn nun der Maßstab für ein angemessenes Verhalten? Ich persönlich finde es hilfreich, alles was mir begegnet als einen Spiegel zu verstehen, der mir bei näherem Hinsehen zeigt, was ich mit dem Geschehen zu tun habe. Ob das dann zur Folge hat, dass man eine Petition unterschreibt, kein Fussball mehr guckt oder ins Gebet geht, sollte jedem selbst überlassen bleiben.

 

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