DIE BÜCHER

Ganz kurz nur Band 2

Ganz kurz nur Band 1

Meet Little sixteen

 

RSS-Feed

So geht das nicht

Es war unser 3-monatiges Kennenlern-Jubiläum. Du trugst Grün und der Kellner, oder wer auch immer er war, ein schlichtes Weiß mit asymmetrisch angeordneten Kaffee- flecken auf einem kugelrunden Piqué-Polohemdbauch. Wir wollten nett frühstücken nach einem netten Samstag, einer netten Nacht und einem netten Aufwachen. Unsere Wahl fiel auf das Restaurant und Hotel Johannisberg, eine angebliche Perle der Bad Nauheimer Gastronomie, erhaben über alle Zweifel und kaiserlich-königlich thronend über den Dächern unserer Kurstadt. Quod erat demonstrantum. Man kennt diesen Satz noch aus der Schulzeit, wenn am Ende eines mathematischen Problems eine richtige, unwiderlegbare Lösung stand. Nun, das Problem des Johannisberg ist kein mathe- matisches, sondern ein viel weitreichenderes und folgenschwereres – vor allem für den ahnungslosen Besucher. „Gut frühstücken!“ war unser Credo für diesen Sonntagmorgen, denn schon morgen könnten wir alle tot oder, noch viel schlimmer, voneinander getrennt sein. Erlebt haben wir ein Waterloo der Frühstücksbuffetkultur. Sicher, für 12,50 Euro Eintritt kann man schon etwas erwarten – z. B. als Zuschauer im Kino eines meisterhaft inszenierten Horror-Breakfast-Massacre (Fummeln im Dunkeln, Chips und Coke inklusive) – aber wohl nicht als Frühstücksgast im Johannisbergcafé. Ich denke ernsthaft darüber nach, den Laden auf Reparationszahlungen zu verklagen, wie es 1919 nach dem verlorenen ersten Weltkrieg durch die Versailler Verträge für Deutschland geregelt wurde. Eine gute Nachricht gibt es für die Deutschen: Am 3. Oktober 2010 wurden die letzten Folgeschulden des Ersten Weltkriegs abgezahlt. Damit ist dieses dunkle Kapitel deutscher Geschichte getilgt und vielleicht auch angemessen gesühnt. Nicht aber die „Schande vom Johannisberg“! Der Frühstücksbunker am Berg hat zwar keinen Krieg angezettelt und als Verluste sind für heute bisher nur zwei Gäste zu beklagen (allerdings ohne Berücksichtigung der Dunkelziffer), aber die Spätfolgen dieses Ereignisses sind noch nicht absehbar. Der Besitzer mag ein Crack der Sport- traumatologie in der endoprothetischen Versorgung des Knie- und Hüftgelenkes sein, aber wie man eine gute Therapie und Nachsorge für die Opfer seines Johannisberg-Buffets leistet, davon hat er mit Sicherheit keine Ahnung – möglicherweise weiss er nicht einmal, dass man Essen in seinem Restaurant anbietet? Dabei wäre das alles sehr schnell zu lösen. Ich habe keinen Doktortitel, aber ich frage mal provokativ: „Warum machen die nicht einfach ein der Location und dem Preis angemessenes, sprich „Gutes Frühstück?“

 

Genug der Bitterkeit und der Entäuschungstiraden. „Was war eigentlich passiert?“ und wie kam es, dass zwei ziemlich verliebte und eigentlich entspannte Menschen wie wir irgendwann unsere Arme gen Himmel reckten und innerlich brüllten: „Warum wir? Warum heute?“ Genau genommen sind wir aber auch selbst schuld, denn hätten wir die subtilen Warnsignale wie „Geht nicht über Los und zahlt keine 12,50 Euro“ ernstgenommen oder nur kurz einen Blick auf den traurigen Buffetfriedhof geworfen, wäre das alles nicht passiert. Das Ereignis liegt jetzt knapp 4 Stunden zurück und ich wage mal den Versuch einer Beschreibung: Sonntag, 10.30 Uhr, irgendwo in der Wetterau. Mr. Piqué-Polohemdbauch erklärt zur Begrüßung, dass es eigentlich keine Tischplätze mehr gibt, weil möglicherweise er oder eine der vielen Gäste heute heiraten wird. Er bietet uns trotzdem einen Platz an einem etwa fingerhutgroßen Couchtisch, mit immerhin kniehohen Sitzgelegenheiten als alternatives Frühstücksasyl an. Wir machen einen, besonders im Nachhinein betrachtet, mutigen Vorstoß: „Ab wann sind denn die zwei großen Tische da hinten reserviert?“ Nach einer bewusst auf Unfallvermeidung und Rentenanspruchswahrung ausgerichteten Bewegung hinter den Tresen und einem im gleichen Tempo vollführten Wiederhervortreten hinter demselben, haben wir die Antwort: 12.00 Uhr. Ein realistisches Zeitfenster von einundeinhalb Stunden für unser gemeinsames Frühstück: Attacke! 12.50 Euro pro Person, Kaffee und Softdrinks bis der Arzt kommt und ein traumhaftes Bad Nauheim-Panorama: Heute ist nicht nur unser Jubiläums- sondern offensichtlich auch der Glückstag einer noch jungen Liebe! Doch Liebe macht möglicherweise blind. Glückstrunken schnappen wir uns 2 Teller (So‘n Dussel, das waren die zwei vorletzten! Warum nehmen die eigentlich Puppenküchen-Untertassen als Frühstücksteller und wo mache ich nachher die Wurst drauf?). Erst jetzt erkennen wir das Ausmass bzw. Nichtausmass dieses „hochkarätigen Buffets“: Der Brötchenkorb prahlt übertrieben mit einer gerade mal 10 cm langen (Haha!), vertrockneten Mehrkornstange und 5 billig-blassen Aufbackbrötchen. Jetzt aber schnell zugreifen. Schade, von dem gut aussehenden Schinken ist nur noch eine Scheibe da (drei, zwei, eins ... meins!). Der Bacon ist leider roh und mit rekordverdächtigen 102% Fettanteil keine wirkliche Alternative. Salami gibt‘s in zwei Varianten: Eklig & Billig und Extrafettig & Billig (die mit den gaaaaanz großen Fettaugen und dem unwirklichen Andy Warhol-Rot im Fleischanteil). Beim Käse sieht der Brie ganz passabel aus, entpuppt sich im Gaumen aber, wie die anderen Sorten auch, als ein undefinierbares käsiges bis künstliches „Irgendwas“. Dass wir tatsächlich zwei Milchkaffee zum Frühstück bekommen ist echt ein Glücksfall. Mehr ist bei dem anfangs schon erwähnten Tempo unseres Grundweiß-Waffelpiqué-Helden schlicht unmöglich. Neben ihm laufen noch zwei sediert wirkende Wesen durch Zeit und Raum des Cafés (ein möglicherweise illegales wissenschaftliches Experiment oder eine Kunst-performance?) immer mal wieder auf und ab: Mission unbekannt! Zum Müsli-Trockenfutter gibt es nur eine kleine Kanne Milch, aber immerhin etwas frisches Obst. Die süßen Sachen warten aromaversiegelt verpackt, wie man es aus billigen Hotels oder Klassenfahrt-Unterkünften kennt, in niedlichen kleinen Plastiksärgen auf ihre Endverwerter. Na ja, wenigstens sind der Name des traurigen Aufstrichs und sein endgültiges Sterbedatum deutlich sichtbar auf der Packung vermerkt. Und dann ... ganz plötzlich: Keine Butter mehr am Buffet! Wie durch Zauberhand sind keine 15 Minuten später neue und sonntagsfrische Butterwürfel verfügbar. Eine wunderbare Gelegenheit diese ungeplante Auszeit kreativ zu nutzen für einen Austausch mit den anderen Gästen über deren Beruf, Kindheitserlebnisse und, wenn man schamlos und schnell genug ist, deren sexuelle Vorlieben, eine Verabredung in der Sauna oder noch pikanter: die Einkommensverhältnisse. Wir beschliessen zu gehen.

 

Frustriert versuche ich die zu viel bezahlten 6 Euro (mindestens!) für dieses Frühstück über ein Einsaugen oder Wegatmen des Bad Nauheim Panoramas (Ja, das sind Rachegefühle!) zu kompensieren. Das klappt nicht und so entscheiden wir uns noch einen netten Spaziergang zum Auto zu machen und Du inspirierst mich zu einem neuen Plan: Ich werde darüber schreiben oder ... noch besser: Ich gründe eine Guerilla-Selbsthilfegruppe für mittelhessische Frühstücksbuffet-Opfer und unsere erste prickelnd illegale Aktion ist die Verminung des gesamten Johannisberg (die Kampfanzüge von Wolfgang Joop werden martialisch, nicht schwul aber stilvoll zugleich sein und nur die Sternwarte wird verschont!).Von den Spendengeldern kaufe ich eine Live-Schaltung zu eine von Stefan Raabs „So sieht das Leben aus, wenn man kein eigenes Leben hat“-Sendungen. Das Ganze wird dann als Preisverleihung für das Lebenswerk eines Ausnahme-Sportorthopäden kaschiert und genau der darf dann (natürlich unwissentlich) den roten Buzzer für die Sprengung drücken: „Gute Salami geht anders, Frühstücks-alarm und Bummmmmmm!“

 

 

Väter und Töchter

War heute mit meiner Ältesten frühstücken ... Blackout ... Was wollte ich darüber schreiben? Dass es schön war? War es, aber das ist ja keine Geschichte. Schön war‘s! Na dann, ein anderes Thema: „Alkohol, die Geisel der Menschheit!“ oder nein, besser: Kabarett. Eigentlich wollte ich ja ein Kabarett-Programm schreiben. Ein Programm für mich und Christoph. Die Idee kam mir neulich nachts um 3.00 Uhr. Da war ich nämlich wach und ich fand diese Idee so gut, dass ich Christoph (Name nicht von der Redaktion geändert) am nächsten Morgen gleich angerufen habe, um ihm die gute Nachricht zu übermitteln, dass wir ab Februar auf Tournee sind – mit unserem Programm. „Ich weiss nicht“ entgegnet mir mein skeptischer Sketchpartner „was sollen wir da erzählen? Hier kommt der Holger, der lustige Holger! Kann er singen? Neeeiin! Kann er jonglieren? Neeein!...“ Für gute Ideen muss man manchmal kämpfen. „Die erste Nummer steht schon, kontere ich unerschrocken. Also das Grundgerüst: Wir tragen schwarze Rollkragenpullover und Brillen wie Yves Saint Laurent in den Sechzigern und labern pseudointellektuelles Zeug. Und jetzt kommts: das Ganze wird unterlegt mit wilder Latin-Jazz-Musik, ich denke die Nr. 1 oder 2 von dem Sampler den Conny mir mal geschenkt hat müsste passen. Denk mal drüber nach...“ Noch mal zum Alkohol. Ich kann damit nicht umgehen. „Das ist nicht lustig.“ könnte man jetzt sagen. Humphrey Bogart war lustig, als er in „Casablanca“ auf die Frage nach seiner politischen Überzeugung antwortete: „Ich bin Trinker!“ Obwohl das auch nicht wirklich lustig ist, sondern eher sarkastisch. Richtig lustig ist das Oktoberfest oder das Komasaufen in der Scheune am Marktplatz. Ich trank (ist das tatsächlich die Vergangenheitsform von „trinken“? Das klingt so ungewohnt ...) seit ich 20 bin und seitdem regelmäßig und immer öfter immer mal wieder zuviel. Kein Grund zur Scham, wenn man das irgendwann merkt und reagiert. Was bringt es, über Alkoholismus zu schreiben? Den wird‘s immer geben, wie die Prostitution, die Flippers oder die Mehrwertsteuer. Mir egal, ich mach das hier für mich. Wer‘s nicht lesen will, soll die Seite überspringen. So hab ich das auch immer gemacht, wenn ich irgendwie das Gefühl hatte, ich trinke vielleicht zuviel: Einfach weiterblättern! Das könnte die zweite Nummer für unser Kabarettprogramm werden. Gründe zu trinken gibts immer: Die bestandene Prüfung oder das gewonnene Spiel, das Treffen mit Freunden, die Einstimmung auf die erste heisse Nacht, der Sekt zum Frühstück am Morgen danach, das Glas zum Runterspülen oder die zwei Flaschen am Abend um zu vergessen, dass es mit Ihr keine heissen Nächte mehr geben wird. Das Bier nach Feierabend, die Schnäpse auf der Beerdigung eines guten Freundes, der Ramazotti für die italienischen Momente im Leben, der Fernet Branca zum Fraternisierungsritual, Wodka Gorbatschow zur Versöhnung und Jules Mumm für den prickelnden Übergang von der Pubertät zu knackigen Männern in Badewannen. Alkohol verleiht Flügel – bis zum Absturz. Alkohol ist allgegenwärtig, künstlich aufgeladen mit allen möglichen Versprechungen. Alkohol macht Dich zum Mann, der eigene Entscheidungen trifft: Einer der segelt wohin er will, wann er will und mit wem er will, wenn er denn will. Alkohol macht die Frau zur unwiderstehlichen campariroten Nymphomanin, die sich aussucht mit welchem oder welchen der vielen Einhandsegler sie heute die Nacht verbringt. Es lebe die Freiheit! Meine ist es, nicht mehr zu trinken. Und das ist gut so! Das wollte ich mal erzählen – ganz kurz nur. Ohne Moral. Von mir zu Euch.

 

 

Was für ein Gerät

Früher, als der Tschibo-Mann noch in der Kaffeewelt umher strolchte und der Melitta-Mann gaaanz entspannt sein bestes Aroma in deutschen Wohnzimmern verströmte war die Welt noch in Ordnung: Da war Kaffee noch Kaffee, meist unfair angebaut zwar, aber schnell und einfach gefiltert, rein in die Tasse und ... trinken. Heute kommt die neueste Technologie aus der Weltraumforschung zum Einsatz: „Houston, wir haben keine Pads mehr!“ George Clooney arbeitet hart an den höchsten Zielen: Weltfrieden und orgastischer Koffeingenuss für alle. Die Klimakatastrophe muss warten, der ulti- mative Kaffeklimax hat absolute Priorität! Unter all den wohlklingenden Namen der Kaffeeflüsterer, ist mein Liebling eindeutig „deLonghi“. Was für ein Gerät und was für ein Name (ja, ja, ich weiss das ist harmloses Italienisch, klingt aber wie Rocco Siffredi, si?“) der die kühnsten kaffeefeuchten Fantasien wahr werden lässt. Der gewagteste Dreier aller Zeiten: Hier kopuliert ultracooles Design mit nie gekannten Aromanuancen und ... absolut heiß: Wasser! Was soll man da noch sagen? JA, ich will!

 

 

Das Ende

Berlin – genau genommen Ost-Berlin – da kommt er her der Mann! Ein Kollege, nein nicht von mir, sondern von der Frau die mir gerade erzählt, dass sie jemand anderen kennengelernt hat. Nicht geplant und alles ist recht kompliziert, aber sie will es wissen, unbedingt! Was genau es zu wissen gibt, weiss sie nicht. Aber, wie gesagt: Unbedingt! Keine ungewollte Schwangerschaft also, sondern ein ungewolltes Kennenlernen und seitdem telefonieren sie täglich – 4 Stunden. Apropos „Schwangerschaft“. Diesen Satz muss ich einfach irgendwo unterbringen. Gesprochen, bzw. lauthals in die Welt hinausgeschleudert wurde er in der Bad Nauheimer Fussgängerzone, ungefähr da wo sonst die Zeugen Jehovas stehen: „Also, ich hatte ja eine Wassergeburt und das würde ich jederzeit wieder tun ...“ Da stehe ich dann als Fussgängerzonenbegeher und bekomme mehr Intimität zu hören, als mir lieb ist und das Befremdliche ist, dass die Frau die dieses Bekenntnis, quasi in einer Spontangeburt direkt vor mir auf das Pflaster wirft, das nicht einmal merkt. Doch zurück zu dieser Geschichte: Ein neuer Anfang und damit unser Ende: "Aus, aus! Das Spiel ist aus!" Keine Verlängerung, kein Finale: das Ende unseres Sommermärchens 2010. Ich bin sprachlos und ... Aua!. Dabei passiert das täglich, weltweit, kulturübergreifend. Und ... das ist die gute Nachricht: Liebes- kummer kennt keinen Rassismus. Er trifft jeden, manche sogar mehrmals. Also, warum darüber schreiben? Die Jugend warnen? Vor was? Die hören eh nicht zu oder müssen dringend eine SMS absetzen. Eine Partei gründen? Was sollte das Programm sein? Weitermachen und nicht im Schmerz versinken? Zu einfach.

 

Meine Mutter sagte immer: „Wer weiss, wofür es gut ist.“ Keine Ahnung, aber die Kreise die ein ins Wasser geworfener Stein zieht sind manchmal größer als es das verletzte Ego ahnen kann. Visionen sind gefragt: "New York, 3. November 2050, Verleihung des Friedennobelpreises an Holger Sieler Junior. Hier ein Auszug aus der Dankesrede: „Und ein ganz besonderer Dank gilt der namenslosen Grundschullehrein, die meinen Vater, ironischerweise genau  heute vor 40 Jahren, verlassen hat. Vorausschauend, ent- schlossen und selbstlos hat sie so den Weg zu meiner Zeugung geebnet und damit den Grundstein zu unserer wichtigen Arbeit gelegt. Sie ist es, die heute hier stehen sollte um diesen Preis entgegen zu nehmen." Oder wie wärs damit: "Gut gelaunt, was die kleine Schwester von sturztrunken ist, sitzt die Pianistin an ihrem Flügel im Casino in Dnjprpetrowsk. Die Zunge ist etwas schwer, doch das Haar immer noch berauschend blond, Sie kündigt den nächsten Song an: „Dieses Lied ist aus meiner Berliner Zeit, und ich gäbe alles wenn ER heute abend hier sein könnte um es zu hören und ... vielleicht zu verzeihen. Das Stück heißt: „Zu spät!“" Am wahrscheinlichsten ist jedoch, dass man sich irgendwann in einer Fußgängerzone oder im Duty Free Shop trifft, sich erkennt, in die Augen schaut und einer sagt: “Und?“ worauf das Gegenüber antwortet: „Ja!“.  Aber erst mal ist es vorbei. Ein schönes Leben noch!

 

Nun habe ich sie doch auf dem Weihnachtsmarkt getroffen, und es war natürlich ganz anders. Gut sah sie aus, an der Seite des Mannes mit dem sie da an den Buden vorbeischlenderte. Gesehen hat sie mich nicht und für mich war es noch mal ein Stich in der Brust. Kurz nur, aber schmerzlich. Und dann habe ich noch mal hingeschaut und mich erinnert, dass sie an meiner Seite auch mal so ausgesehen hat: Verliebt! Und ich glaube, das will sie auch bleiben: Für Immer, unbedingt! Wie das halt immer so ist.

 

 

Eine Herzenssache

Eben stand er noch, der Mann der jetzt regungslos vor der Parfumerie Douglas am Boden liegt. "Nicht vergessen: Am 6. Dezember ist Nikolaus!" steht auf einem der Displays im Schaufenster. Wie könnten wir? Das ist doch jedes Jahr am 6., oder? Zwei Sanitäter sind über ihn gebeugt und einer versucht es zurück zu holen, das Herz das wohl stehengeblieben ist, mitten im Leben, bei den Weihnachtseinkäufen. Gerade noch war nichts wichtiger als die Wunschliste für die Lieben durchzugehen, mit Freude, vielleicht wollte er es auch alles schnell hinter sich bringen. Ich weiss es nicht, ich kenne ihn ja nicht. Was uns verbindet ist die Tatsache, dass auch ich es sein könnte der da liegt und dass dann sicherlich nicht mehr wichtig wäre, was eben noch in geregelten Bahnen durch den Kopf zog. Derweil quatscht Deutschland sich unver- drossen weiter leer und schenkt sich voll! Ich hoffe. dass er wieder aufwacht und aus dieser Erfahrung die Erkenntnis mitnimmt, die für ihn am nützlichsten ist. Irgendwie hat er mir geholfen, der hilflose Mann. Vielleicht werde ich etwas gnädiger bei meinem nächsten Frühstück und etwas dankbarer, dass ich überhaupt aufstehen und sogar noch duschen konnte. Alles Gute, Unbekannter und Danke!